In der Corona-Schnellteststation im Sennhof in Heiligenberg ist immer weniger los. „Nur vor dem Pfingstwochenende hatten wir einen kleinen Anstieg der Testpersonen“, sagt Apotheker Christoph Schubert, der für den Luftkurort in Zusammenarbeit mit der Gemeinde die Teststation organisiert hat. Den Anstieg rechnet er vor allem Urlaubern zu, die in Heiligenberg ein Restaurant besuchen wollten. Er gehe davon aus, dass die Zahl der Testwilligen in den nächsten Wochen weiter sinkt. Schließlich seien auch immer mehr Menschen komplett geimpft und bräuchten dann keinen Test mehr.

Nach den Sommerferien rechnet der Apotheker wieder mit mehr Testwilligen

Für September rechnet Schubert wieder mit einem Anstieg an Testwilligen, denn dann kämen die Menschen aus den Urlaubsgebieten zurück. „Wenn die Zahl der Infizierten wieder hochgehen sollten und Tests gebraucht werden, dann greifen wir wieder an“, macht der Apotheker deutlich. Man sei im Stand-by-Modus und könne schnell reagieren.

Apotheker Christoph Schubert verurteilt die Abrechnungsbetrügereien rund um die Corona-Schnelltests.
Apotheker Christoph Schubert verurteilt die Abrechnungsbetrügereien rund um die Corona-Schnelltests. | Bild: Karlheinz Fahlbusch

Bevor die Teststation im Sennhof eröffnet wurde, wurden Menschen in der Apotheke von Christoph Schubert auf das Coronavirus getestet – wobei das nicht so ganz stimmt. Denn die Teststäbchen mussten im Freien in die Nase geschoben werden, weil im Gebäude zu wenig Platz war. „Wir haben keinen extra Eingang und es geht manchmal doch beengt zu“, erklärt Schubert. Ausgewertet wurden die Tests dann drinnen.

Einige Kunden waren verärgert über die nötige Terminvereinbarung

Die meisten Menschen seien sehr dankbar über das Testangebot gewesen. Es habe aber auch Kunden gegeben, die kein Verständnis dafür hatten, dass man einen Termin vereinbaren musste und die dann einfach in der Apotheke standen und einen Test wollten. „Da gab es teilweise auch Beschimpfungen, wenn das nicht wie gewünscht klappte“, erinnert sich der Apotheker. Auch am Telefon habe er sich teils unangenehme Dinge anhören müssen. Doch mittlerweile habe sich die Situation beruhigt.

Der Apotheker aus Heiligenberg sorgte auch in Immenstaad dafür, dass Menschen getestet werden, in Horgenzell, wo er wohnt, und in Meersburg, dort in Zusammenarbeit mit der Hof-Apotheke und dem Deutschen Roten Kreuz. „Mir ist wichtig, dass nur Fachpersonal die Tests durchführt“, macht der 46-Jährige deutlich. Deshalb hat er extra drei Krankenschwestern in Teilzeit für diese Tätigkeit angestellt, auch das Personal in seiner Apotheke ist entsprechend ausgebildet.

Das könnte Sie auch interessieren

Bei 4000 Tests wäre bei einem Betrug ein hübsches Sümmchen zusammengekommen

Seit sieben Jahren betreibt Christoph Schubert die Schloss-Apotheke und hat in dieser Zeit eine ganze Menge erlebt. Die Corona-Pandemie stellte ihn aber vor ganz neue Herausforderungen. Er sagt: „Ich wollte einfach helfen und habe deshalb die Schnelltests angeboten.“ Angesichts der jüngsten Skandale um Abrechnungsbetrug bei Corona-Schnelltests meint der Apotheker: „Ich habe da gar kein Verständnis dafür.“ Bei den 3500 bis 4000 Tests, für die er bislang verantwortlich war, wäre ein hübsches Sümmchen zusammengekommen, hätte er betrügen wollen.

„Ich habe gleich zu Beginn viel Testmaterial eingekauft und werde wohl darauf sitzenbleiben.“
Christoph Schubert

„Gewinn machen kann man nur mit billigem Personal – oder durch Abrechnungsbetrug“

4,50 Euro plus Steuer hat er für ein Testkit bezahlt. „Ich habe gleich zu Beginn viel Testmaterial eingekauft und werde wohl darauf sitzenbleiben“, macht der Apotheker deutlich. Inklusive Personal bekommt er pro Test 12 Euro erstattet. In diesem Betrag ist auch das komplette Equipment eingeschlossen, wie beispielsweise die Schutzausrüstung für die Tester. Gewinn machen könne man nur mit billigem Personal – und durch Abrechnungsbetrug. „Minister Spahn wollte das wohl alles sehr unbürokratisch machen, aber das hat nun nicht geklappt“, ist der Apotheker überzeugt.

Das Ergebnis des Schnelltests ist negativ. Der Proband darf nun einen Tag Freiheiten genießen.
Das Ergebnis des Schnelltests ist negativ. Der Proband darf nun einen Tag Freiheiten genießen. | Bild: Karlheinz Fahlbusch

Er hat kürzlich seine Eltern in Duisburg besucht und da sehe man an fast jeder Ecke ein Testzentrum. „Da sitzen dann Leute in einem Pavillon und niemand kommt für einen Test“, hat er beobachtet. Vermutlich werde dann trotzdem abgerechnet, denn die Fixkosten seien ja da. „Ich hätte auch 20 Testzentren aufmachen können“, macht Schubert deutlich. Aber das sei nicht seine Intention gewesen. „Ich wollte den Menschen helfen und das auf qualitativ hohem Niveau.“

Apotheke liefert auch Impfstoff an die Ärzte

Die Schloss-Apotheke ist nicht nur mit Corona-Schnelltests befasst; sie liefert auch Impfstoff gegen das Virus an die Ärzte. „Es könnte schlimmer sein“, schmunzelt Schubert. Christoph Schubert beschäftigt eigens einen Fahrer, der die Impfdosen zu den Ärzten bringt. Es sei zwar nie genug Impfstoff da, aber damit müsse man derzeit leben.

Das könnte Sie auch interessieren