Kurzweil pur: Schallendes Gelächter und frenetischer Beifall wollten an den drei nahezu ausverkauften Aufführungen des Schwanks "Frühlingserwachen" von Regina Rösch einfach nicht enden. Das Wintersulger Dorftheater präsentierte ein temperamentvolles Theaterstück mit witzigen Dialogen und Regieeinfällen sowie zuweilen akrobatischen Szenen.

Hohes Spieltempo und ausgiebig genutzter Lokalkolorit hatten einen erheblichen Anteil daran, dass Hunderte von Zuschauern kaum Gelegenheit zur Entspannung der Lachmuskulatur hatten. Freilich wurden Klischees satt bedient, dabei aber bis in die Groteske überzeichnet: einfach herrlich. Toll, wie die scheinbar biederen Beamten-Ehemänner Aumüller (Christoph Ley) und Dürr (Ulrich Straßburger) blitzschnell von pichelnden Kumpels in angeblich überarbeitete, jammernde und Mitleid heischende Hypochonder mutierten, sobald sie in Sichtweite ihrer Ehefrauen kamen. Diese (großartig gespielt von Karin Mader und Julia Karg) sind im bisherigen Eheleben offensichtlich so perfekt dressiert worden, dass sie strammstehend mit Strickweste und Pantoffeln ihre scheinbar zu bemitleidenden Männer bereits liebevoll erwarten. Fußbad gegen den angeblich quälenden Hallux Valgus, Kamillentee und pünktlicher Kaffee, jeder Wunsch wird aufopfernd erfüllt: "Hey, Rosmarie, ist der Kaffee noch nicht bald fertig, du weißt doch ganz genau, dass ich nach Feierabend pünktlich mein Tässchen Kaffee trinken muss, sonst kann ich wieder die ganze Nacht nicht schlafen."

Totales Kontrastprogramm hierzu waren die Charaktere des Bischofs (Berthold Schreiber) samt Küster (Manfred Fritz), die aber keine sind, sondern bloß so hießen und auf zwei echten Motorrädern als Rocker inklusive Punkfrisur und Lederkluft mitten durch die Zuschauer hindurch ihren ersten Auftritt als zukünftige Nachbarn hatten. Helene Fischer versus AC/DC, biederes Getue versus lockerem Lifestyle, dass solche nachbarschaftlichen Gegensätze nicht lange gut gehen können, lag natürlich auf der Hand. Und dann tauchten noch zwei ständig kichernde ledige Schwestern (Klasse: Jennifer Schunk und Edith Kretzer) auf, deren spätpubertierendes Gehabe genauso abgefahren wirkte, wie das bei beiden identische, pinkfarbene Outfit. Als unverheiratete "Restposten" des Dorfes witterten die beiden Grazien neue Chancen bei heimlichen Techtelmechteln mit der neuen Rockernachbarschaft.

Dass alsbald die treudienenden Beamten-Damen anfingen, von Easyrider-Freiheiten auf den Motorrädern der neuen Nachbarschaft zu träumen, führte zu der umwerfenden, akrobatischen Slapstick-Einlage, bei der das Aufsteigen auf das Motorrad geübt wurde: Mangels echtem Motorrad musste allerdings dafür ein Sägebock herhalten. In die perfekte Eskalation geriet dann die Szenerie nach einem feuchtfröhlichen Cego-Abend der Männer parallel zu einem ebenfalls keineswegs trockenen Fest der vier Frauen bei den Rockern: "Die Frauen hauen den Schnaps rein wie Wasser.

" Die Klärung der Frage, wer denn in der Nacht zwei Damenschlüpfer am Maibaum aufgehängt hatte, erwies sich bei allseitigem, alkoholbedingten "Filmriss" als extrem schwierig und war von wechselseitigen schlechtem Gewissen, Zweifel und Vorwürfen gekennzeichnet. Mimik und Gestik der sehr theatererfahrenden Darsteller war brillant und deren Spielfreude unübersehbar.

Zu den Kontrasten in den Charakteren der Personen passten ideal die Kontraste des sehr schönen Bühnenbilds. Erwähnenswert sind zudem die von Sabine Probst perfekt gestylten Masken. Überhaupt wurde die Inszenierung mit viel Liebe zum Detail ausgestattet. Sehr langer Schlussapplaus.

 

Dorftheater

  • Darsteller: Manfred Fritz, Julia Karg, Edith Kretzer, Christoph Ley, Karin Mader, Ulrich Straßburger, Berthold Schreiber sowie Jennifer Schunk.
  • Hinter der Bühne: Margit Lorenz (Regie), Georg Matt (Souffleur), Sabine Probst (Maske), Alfons Felix und Thomas Ott (Bühnenbild), Siggi Blum (Tontechnik) sowie Armin Jäger (malerische Gestaltung).