Das Wintersulgener Dorftheater setzt dieses Jahr mit einer „Verflixten Weihnachtsfeier„ und Maßstäbe. Es geht um fromme Frauen, einen betrunkenen Nikolaus, Stripperin Ramona und zwei Christkindelfiguren, von denen leider nur eine echt ist. Und es geht vor allem um beste Unterhaltung. Denn was das Wintersulgener Dorftheater im Sennhof an den Weihnachtsfeiertagen aufführte, das ließ keine Wünsche offen. 

Charaktere frei erfunden, wirken aber nicht so fiktiv

Man könnte stundenlang zuschauen und die Charaktere auf sich wirken lassen, die zwar erfunden, aber gar nicht so fiktiv sind. „Die verflixte Weihnachtsfeier“ ist Laientheater von bester Qualität. Wenn man genau zuhört, kann man eine Menge Lokalkolorit entdecken. Spielleiterin Margit Lorenz hat es wieder geschafft, ihre Schauspieler zur Hochform auflaufen zu lassen.

Helfen Knoblauch und Kruzifixe gegen Geister? (von links) Kathi (Julia Karg), Gusti (Jennifer schunk) und Traudl (Melanie Fritz) diskutieren mit dem Pfarrer (Josef Moßbrucker).
Helfen Knoblauch und Kruzifixe gegen Geister? (von links) Kathi (Julia Karg), Gusti (Jennifer schunk) und Traudl (Melanie Fritz) diskutieren mit dem Pfarrer (Josef Moßbrucker). | Bild: Karlheinz Fahlbusch

Wallfahrtsfrauen kündigen Demo gegen Männer an

Ob bei der Weihnachtsfeier des Musikvereins Wintersulgen mal eine Stripperin aufgetreten ist, das lässt sich nicht recherchieren. „Wo kämen wir hin, wenn auf dem Land die gleichen schamlosen Sitten herrschen wie in der Stadt“, sagt Traudl Grabmeier vom katholischen Wallfahrtsfrauenverein. Melanie Fritz überzeugt in dieser Rolle, und da sie des Dialekts nicht mächtig ist, tut sie das in Hochdeutsch. „Unser Dorf ist doch kein Puff!“ Und schon wird eine Demo angekündigt, gegen die Männer natürlich. Dem Pfarrer (Josef Moßbrucker) wäre es wichtiger, dass die Frauen gegen soziale Ungerechtigkeit demonstrieren und nicht gegen die Männer. „Ihr seid ja kein Racheengelverein, sondern Wallfahrtsfrauen“, poltert der Gottesmann.

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Wer hat mit wem ein Techtelmechtel?

Hat der Pfarrer ein Verhältnis mit einer verwitweten siebenfacher Mutter? Und hat die Kati (äußerst verwandlungsfähig je nach Tageszeit ist Julia Karg) was mit dem Charly? Dieser von den Frauen als Taugenichts bezeichnete junge Mann (Johannes Matt, sehr überzeugend) hat sich in einer besonderen Aktion zum Helfer des Pfarrers gemacht und tritt auch noch als Geist auf, weil er von Katis Mutter Hertha (Karin Mader, sehr resolut) umgebracht und in Stücke zerteilt worden sein soll.

Original und Fälschung: Onkel Johannes (Bernhard von Stryk) und Kathi (Kulia Karg) begutachten die beiden Christkindle.
Original und Fälschung: Onkel Johannes (Bernhard von Stryk) und Kathi (Kulia Karg) begutachten die beiden Christkindle. | Bild: Karlheinz Fahlbusch

Dann fehlen auch noch das Christkindle und eine preisgekrönte Tanne

Und dann wird auch noch das Christkindle aus der Kirche in Betenbrunn gestohlen. Zudem vermisst Manfred Hornstein seine preisgekrönte Tanne und es wurde ein Nikolaus beobachtet, der vielleicht etwas mit dem Frevel zu tun hat. Zu allem Überfluss ist im SÜDKURIER ein Foto erschienen, das den Nikolaus (Glanznummer für Hans Engel) zusammen mit der Stripperin Ramona zeigt. Polizist Dempfle (Berthold Schreiber in einer Mischung einer komprimierten Version von „Hubert und Staller“) ist bei seinen Recherchen leicht überfordert. „Da werde ich doch lieber Lehrer“, schimpft er. Dieses Dasein dürfte ihm gut bekannt sein. Schließlich unterrichtet er im Alltagsleben am Staufer-Gymnasium in Pfullendorf.

Herrliche Charaktere mit vielen Ideen

Das Stück bietet genau das, was eine gute Komödie ausmacht: herrliche Charaktere, wie Jennifer Schunk als überzeichnete Wallfahrtsfrau und natürlich Bernhard von Stryk, der als Onkel Johannes immer eine Idee hat, wenn auch nicht immer die beste, und sich als äußerst hilfreich erweist.

„Verdammter SÜDKURIER!“ Hans Engel (Christoph Ley) entdeckt das Foto von ihm als Nikolaus mit Stripperin Ramona.
„Verdammter SÜDKURIER!“ Hans Engel (Christoph Ley) entdeckt das Foto von ihm als Nikolaus mit Stripperin Ramona. | Bild: Karlheinz Fahlbusch

Inszenierung mit viel Lokalkolorit

Wenn in der Beschreibung des Stücks von einem „beschaulichen Dorf im süddeutschen Raum“ zu lesen ist, dann ist klar: Dieses Dorf ist Heiligenberg. An Lokalkolorit haben es die Theaterspieler nicht mangeln lassen und an Spielfreude ebenfalls nicht. Textsicherheit und präzise Szenenabfolgen machten auch diesmal deutlich, warum das Wintersulgener Dorftheater seit Jahrzehnten einen hervorragenden Ruf genießt. Dass man viel Wert auf Bühnenbild und Ausstattung legt, das ist selbstverständlich. Da darf man sich schon aufs nächste Jahr freuen.