Heiligenberg – Der Gemeinderat Heiligenberg hat sich in seiner aktuellen Sitzung mit dem Neuweilerhof zwischen Heiligenberg-Kirnbach und Großschönach befasst. Die Lautenbacher Gemeinschaften aus Herdwangen-Schönach beabsichtigen, den Neuweilerhof zu erwerben. Das Gebiet liegt im Außenbereich und ist im Flächennutzungsplan (FNP) als landwirtschaftliche Fläche ausgewiesen. Deshalb ist für das Vorhaben zum einen eine Änderung des Flächennutzungsplans (Neuaufnahme Sonderbaufläche "Neuweilerhof") erforderlich. Zum anderen bedarf es der Erstellung eines Bebauungsplans. Entsprechende Grundsatzbeschlüsse wurden bereits in der Gemeinderatsitzung vom 18. Juli gefasst.

Zwischenzeitlich hat die Planstatt Senner in Abstimmung mit den Lautenbacher Gemeinschaften einen Vorentwurf für den Bebauungsplan sowie für den Umweltbericht mit integriertem Grünordnungsplan ausgearbeitet. Dieser Vorentwurf wurde in der Gemeinderatssitzung von der Stadtplanerin Tina Hekeler vorgestellt und erläutert. Die Hofstelle habe eine Fläche von 1,7 Hektar, erläuterte Hekeler. Mit Ausnahme eines Gebäudes sollen alle Häuser abgerissen und durch neue Gebäude ähnlicher Kubatur ersetzt werden. Begründet wurde dies mit der schlechten Bausubstanz und der Schadstoffbelastung. Die Häuser sollen überwiegend für Wohnzwecke für Mitarbeiter der Lautenbacher Dorfgemeinschaften und für Menschen mit Assistenzbedarf genutzt werden.

Die Gesamtfläche sei in einzelne Parzellen unterteilt worden, erklärte Hekeler und erläuterte detailliert die Nutzung. Einige Räte zeigten sich erstaunt darüber, dass nur eines der Gebäude erhalten werden soll. Dies sei vor der Grundsatzentscheidung im Juli nicht deutlich gesagt worden, kritisierte Gemeinderat Torsten Schneider. Der Vertreter der Lautenbacher Gemeinschaften, Klaus Hilsenbeck, erklärte, dass die Wirtschaftlichkeit bei den Entscheidungen im Vordergrund gestanden hätte. Gutachten hätten Belastungen durch Lindan und Aldehyden sowie Befall mit Hausschwamm ergeben. Deshalb seien die Gebäude für Wohnzwecke nicht zu gebrauchen. Schneider pochte auf eine Entscheidung mit Erhaltungsgebot für drei Gebäude. Gemeinderat Heinrich Stengele meinte hingegen, dass man froh sein müsse, dass überhaupt jemand dort investieren will. Die Alternative wäre, dass alles verfallen würde. Gemeinderat Manfred Hornstein machte geltend, dass man nie davon ausgegangen sei, dass "alles platt gemacht" wird. Man solle doch den Charakter des Häuserensembles erhalten.

Gemeinderätin Claudia Schacht stimmte hingegen Stengeles Argumenten zu und kündigte an, ohne Auflagen dem Vorhaben zustimmen zu wollen. Gemeinderat Michael Moser stellte fest, dass die Gebäude nicht denkmalgeschützt seien und man müsse froh sein, dass was Neues entstehen soll. Dem stimmten die Gemeinderäte Hubert Nadler und Burkhard Haus zu. Gemeinderat Alfred Rock mahnte an, das Vorhaben zu begleiten, um sicherzustellen, dass der Hofcharakter nicht völlig auf der Strecke bleibt. Er hätte es schön gefunden, wenn wenigstens die Scheune noch erhalten geblieben wäre. Bei der Abstimmung unterlag Schneiders Antrag auf Erhaltung von drei Gebäuden mit vier Ja-Stimmen und acht Nein-Stimmen. Somit geht der unveränderte Vorentwurf in das Verfahren zur Aufstellung des Bebauungsplans "Neuweilerhof".

Geschichte

Der Neuweilerhof war bislang ein Biolandhof und liegt im Hinterland von Überlingen. Umgeben von Wiesen und Wäldern bot der Hof ideale Voraussetzungen für die Arbeit mit Pferden. Die angrenzenden Ländereien werden bereits seit einigen Jahren von den Lautenbacher Gemeinschaften landwirtschaftlich genutzt. Nun soll das Gebäudeensemble größtenteils neu errichtet werden.