Mit so vielen Interessierten hatten die Veranstalter nicht gerechnet: Als Archäologe Ralf Keller über die Ur- und Frühgeschichte in der Region referierte, gab es kaum noch freie Plätze im Vortragsraum im Hotel Heiligenberg.

Organisiert hatten den Abend der Ramsbergverein und der Heimatverein Heiligenberg. Beide kümmern sich um die Geschichte der Region und viele ihrer Mitglieder sind selbst als Hobbyforscher aktiv.

Die Zuhörer folgten interessiert den Ausführungen des Wissenschaftlers.
Die Zuhörer folgten interessiert den Ausführungen des Wissenschaftlers. | Bild: Fahlbusch, Karlheinz

Viele neue Fundstellen

Im Vortrag des Wissenschaftlers ging es um die Überreste einer Zeit, aus der es kaum oder gar keine Schriftquellen gibt. Fundstellen wurden in den vergangenen 100 Jahren nicht überall gleich genau kartografiert, erzählte Keller. "Doch die Zeiten ändern sich."

Neue Techniken und wachsendes Interesse spielten dabei eine große Rolle. Und manchmal kämen auch neue Informationen dazu und was man bislang nur als mittelalterlichen Platz kannte, weise plötzlich auch Spuren aus der Frühzeit auf.

Er berichtete von neuen Fundstellen, die sich in der Gegend rund um Heiligenberg und den Aach-Tobel konzentrieren. Hobby-Archäologen könnten da hilfreich sein, so Keller.

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Siedlungen nur schwer zu erkennen

Gezielte Begehungen eines erfahrenen Archäologen brachten ebenfalls neue Erkenntnisse, erzählte er: „Wenn man genau hinschaut, dann kann man durchaus neue Fundstellen lokalisieren.“ So habe man am Turm von Hohenbodman vorgeschichtliche Keramik gefunden.

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In der Gegend könne man außerdem viele Befestigungsanlagen und Burgstellen entdecken. Gelegentlich stießen Archäologen und Hobbyforscher auf Gräber, so etwa bei Frickingen und Burgfelden. „Wenn Sie einen Grabhügel im Wald finden, der noch gut zu sehen ist, dann kann man den als Fundstelle markieren lassen“, informierte der Archäologe. Siedlungen dagegen seien schwer zu erkennen.

Von abgebrannten Häusern bleibe nicht viel übrig. „Ein ganzes Dorf kann auf einem Acker liegen, da sehen sie nichts davon“, so der Wissenschaftler. Bei römischen Gutshöfen sei das einfacher, denn die waren aus Stein gebaut.

Der Schlossbühl von Katzensteig: Hier stand wohl vor langer Zeit ein Turm.
Der Schlossbühl von Katzensteig: Hier stand wohl vor langer Zeit ein Turm. | Bild: Fahlbusch, Karlheinz

Hobbyforscher erkennen bronzezeitliche Keramikteile oft nicht

Steinzeitliche Funde gebe es im Raum Heiligenberg kaum. Dafür tauchten jedoch immer wieder Überreste aus der Bronzezeit auf, etwa bei Alt-Heiligenberg. "Durch die Verzierungen können wir Scherben datieren“, erläuterte Keller.

Er riet den Anwesenden: „Wenn sie Scherben suchen, dann erwarten sie keine Reste wie von ihren Blumentöpfen daheim." Es komme oft vor, dass Laien nicht erkennen, um was es sich handelt, wenn sie bronzezeitliche Keramik finden.

Keller vermutet außerdem, dass man in Heiligenberg vorgeschichtliche Wallanlagen mitbenutzt hat. Denn „Burgenrecycling“ sei in früheren Zeiten durchaus üblich gewesen.

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Hinweise auf eisenzeitliche Grabhügel bei Wintersulgen

Auf dem Ramsberg wurden drei eisenzeitliche Scherben gefunden. Keller betonte: „Wenn man auf bestimmte Plätze schaut, dann findet man auch was.“ Bei Wintersulgen gebe es Hinweise auf eisenzeitliche Grabhügel. Verfärbungen, die man aus der Luft gesehen habe, würden darauf hinweisen.

Heiko Wagner hat 2012/13 bei Schloss Heiligenberg römische Scherben gefunden. Nach den Römern kamen die Germanen. Doch die haben nur wenig hinterlassen, sagte Keller. Ausnahme seien die Grabfunde von Bruckfelden.

Steine von Burgruinen wurden oft zum Hausbau verwendet

Im Hochmittelalter hatten Burgen Hochkonjunktur. „Anlagen auf steilen Felsen gibt es hier in der Gegend aber nur wenige. Es gab nur wenig Steine zum Bauen. Und wenn, dann hat man die später für den Hausbau geholt“, erklärte der Archäologe. Deshalb seien die meisten Burgruinen schon längst abgeräumt.

Es gebe aber Burgställe wie bei Katzensteig und Hattenweiler-Moos. Dort hatte man eine sogenannte „Motte“ angelegt, wie Keller erzählte. Dazu sei in einem Graben ein Hügel aufgeschüttet worden. Darauf habe man einen Wohnturm gesetzt, der von einer Palisade umgeben gewesen sei.

Wie Forscher mit Legenden umgehen

In der sehr lebendigen und teilweise kontrovers geführten Diskussion ging es auch um Spekulationen über den Namen Heiligenberg und die Frage, inwieweit Legenden für die Forscher von heute relevant sind. „Legenden sind etwas Schönes und haben meistens einen wahren Kern“, stellte Ralf Keller fest. Die Frage sei nur, wo der ist.

"Es gibt immer Neues zu entdecken": Archäologe Ralf Keller erzählt von seinen Arbeitseinsätzen in der Region

Ralf Keller ist promovierter Archäologe. Der 44-Jährige stammt aus Herdwangen.

Wie kommen Sie zur Archäologie?

Ich habe mich schon immer für die Frühgeschichte interessiert. Zuerst waren es die Dinosaurier und dann die Ägypter. Als Schüler war ich auch auf der Heuneburg bei Hundersingen und habe an Lehrgrabungen auf der Außensiedlung teilgenommen.

Waren Sie schon einmal im Tal der Könige in Ägypten?

Bislang noch nicht. Auch nicht in Südamerika bei den Maya- und Inkastädten. Es gibt auch in Deutschland noch viel zu entdecken und die Region zwischen Heiligenberg und dem Ramsberg hat mich schon länger interessiert.

Verdient man als Archäologe Geld?

Natürlich. Ich arbeite bei einer Grabungsfirma. Die wird immer dann gerufen, wenn auf ehemaligen Siedlungsflächen gebaut werden soll. Dann müssen wir feststellen, ob es dort noch Überreste aus alten Zeiten gibt und entsprechende Gutachten anfertigen. Das wird in der heutigen Zeit immer wichtiger. In Dörfern und Städten findet eine Verdichtung der Bebauung statt und es gibt immer wieder Funde.

Kann man in der Region immer noch Neues entdecken?

Auf jeden Fall. Neue Methoden machen viel möglich. So kann man mit der Lasertechnik sogar Flächen in Wäldern scannen und Siedlungsspuren entdecken, die früher nicht bewaldet waren.