Wenn Volker Huber seinen Anorak anzieht und die Wollmütze aufsetzt, dann ist klar, dass er jetzt rund drei bis vier Stunden weg sein wird. Der 77-Jährige ist „der Herr der Loipe“. Diese befindet sich in Richtung Betenbrunn und ist besonders an den Wochenenden ein beliebter Treffpunkt für Langlauffreunde. Das kommt nicht nur daher, dass es in Heiligenberg oft mehr Schnee hat als anderswo.

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Gelobt wird auch der immer gute Zustand der Spuren und der Skating-Strecke. Deshalb stehen auf den Parkplätzen beim Rathaus und beim Sportheim nicht nur Autos mit FN-Kennzeichen, sondern auch mit SIG oder RV. Wer hier in die Loipe einsteigt, der kann einige Runden um die Sportplätze drehen und sich dann entscheiden, ob es auch die zehn Kilometer sein dürfen. „Genaugenommen sind es rund 18 Kilometer, die wir haben“, sagt Huber.

Fritz Blum und Manfred Ludwigkeit (von links) hängen den Spurschlitten an, bevor Volker Huber losfährt.
Fritz Blum und Manfred Ludwigkeit (von links) hängen den Spurschlitten an, bevor Volker Huber losfährt. | Bild: Karlheinz Fahlbusch

Bei Betenbrunn gibt es auch eine Loipe, die man von Heiligenberg auf Skiern erreichen kann. „Dann muss man halt eine Straße überqueren und man kann auch direkt in Betenbrunn in die Loipe einsteigen“, sagt der Volker, wie ihn seine Mitstreiter von der Interessengemeinschaft Skilanglauf Salem-Heiligenberg-Pfullendorf nennen.

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Es sind nur eine handvoll Sportbegeisterte, die dafür sorgen, dass man in Heiligenberg der eigentlich aus Skandinavien stammenden Sportart Skilanglauf frönen kann. Und ohne Huber würde irgendwie der Motor fehlen, vor allem in diesem Winter, in dem Hubert Ziegler aus Salem-Weildorf wegen einer Knieoperation ausfällt. Weitere Fahrer sind Franz Lorenz und Werner Hügle, die speziell im Bereich Betenbrunn-Wintersulgen im Einsatz sind.

Diese Walze wird an den Skidoo angehängt. Mit ihr werden die Bahnen für die Langläufer präpariert, die im Skating-Schritt unterwegs sind.
Diese Walze wird an den Skidoo angehängt. Mit ihr werden die Bahnen für die Langläufer präpariert, die im Skating-Schritt unterwegs sind. | Bild: Karlheinz Fahlbusch

Einen Motor hat auch der Skidoo, den er jetzt mit einem Druckknopf startet. „Steigen Sie auf“, fordert der ehemalige Sparkassenvorstand den Mann vom SÜDKURIER auf. Und dann geht es los in Richtung Friedwald. Das Gefährt rumpelt ganz schön. Hinten hängt der Spurschlitten dran. Und das nicht nur, wenn Neuschnee gefallen ist.

SÜDKURIER-Mitarbeiter Karlheinz Fahlbusch (rechts) durfte mit Volker Huber mitfahren. Fazit: Es rumpelt.
SÜDKURIER-Mitarbeiter Karlheinz Fahlbusch (rechts) durfte mit Volker Huber mitfahren. Fazit: Es rumpelt. | Bild: Karlheinz Fahlbusch

„Die Spur muss einmal am Tag befahren werden, je nach Schneelage“, sagt Huber. Und das bedeutet, dass man schon exakt lenken und langsam fahren muss. Wenn eine Spur ausgefahren ist, dann macht es den Langläufern keinen richtigen Spaß mehr und es ist auch nicht ganz ungefährlich. Wie schnell läuft dann der rund 20 000 Euro teure Skidoo? „Schnell“, sagt Huber schmunzelnd. Die Zahlen auf dem Tachometer zeigen allerdings Tages- und Gesamtkilometer an, nicht die Geschwindigkeit.

Auf der Loipenkarte können sich Langläufer informieren, wo die Strecken entlangführen. Insgesamt sind es rund 18 Kilometer.
Auf der Loipenkarte können sich Langläufer informieren, wo die Strecken entlangführen. Insgesamt sind es rund 18 Kilometer. | Bild: Karlheinz Fahlbusch

Im Jahr 2000 hat man das Gerät angeschafft, mit dem auch die Loipe bei Betenbrunn gespurt wird. Und wie kommt man da hin? „Fahren“, kommt es unmissverständlich unter der Wollmütze hervor. Der Skidoo hat Raupen und deshalb kann man mit ihm auch eine Straße überqueren. Und man kann auch eine Walze anhängen, mit der dann die Skatingbahn vorbereitet wird. Die befindet sich zwischen den beiden herkömmlichen Langlaufspuren. „Die Älteren laufen gerne herkömmlich. Wer es athletisch mag, der geht auf die Skatingbahn“, weiß der Langlauffan.

Elena und Jürgen Olbrich (von links) sind aus Markdorf gekommen, "weil es dort keinen Schnee hat". Volker Huber erklärt ihnen die unterschiedlichen Strecken.
Elena und Jürgen Olbrich (von links) sind aus Markdorf gekommen, "weil es dort keinen Schnee hat". Volker Huber erklärt ihnen die unterschiedlichen Strecken. | Bild: Karlheinz Fahlbusch

Er war 36 Jahre lang Vorsitzender des SV Heiligenberg, jetzt ist er Ehrenvorsitzender. Deshalb gibt es natürlich beste Kontakte zum Sportverein und Langläufer dürfen sich im Sportheim umziehen oder auch aufwärmen. Im Untergeschoss ist das Reich von Manfred Ludwigkeit.

Im Untergeschoss des Sportheims gibt es die Ausrüstungen, die man sich kostenlos ausleihen kann.
Im Untergeschoss des Sportheims gibt es die Ausrüstungen, die man sich kostenlos ausleihen kann. | Bild: Karlheinz Fahlbusch

Er verleiht kostenlos Langlaufausrüstungen und sorgt auch für den richtigen Wachsauftrag auf den Laufflächen. „Es ist wichtig, dass man erst mal ausprobiert, ob man für diesen Sport geeignet ist“, sagt er. Und damit das leichter fällt, bietet er auch gleich noch Einsteigerkurse an. Erst seit einigen Tagen im Team ist Fritz Blum. Er hat im Mitteilungsblatt gelesen, dass Helfer ausgefallen sind und Unterstützung benötigt wird. Also hat er sich gemeldet.

Manfred Ludwigkeit hat einen Koffer voller Skiwachs und steht den Langläufern mit Rat und vor allem Tat zur Verfügung.
Manfred Ludwigkeit hat einen Koffer voller Skiwachs und steht den Langläufern mit Rat und vor allem Tat zur Verfügung. | Bild: Karlheinz Fahlbusch

Wenn jemand Menschen für Langlauf begeistern kann, dann ist es Volker Huber. Ein Leben ohne Sport ist für ihn undenkbar. Deshalb trainiert er beim Sportverein auch die F-Jugend und geht mit seinen Drillingsenkel-Buben auch gerne auf den Sportplatz. Sind die auch schon Langlauffans? „Die fahren lieber alpin“, sagt der Opa. Und das können sie gleich nebenan am Haldenlift in Wintersulgen.

Zwischendrin mal den SÜDKURIER lesen, das muss sein. "Im Winter bin ich tagsüber allerdings selten zu Hause", sagt Volker Huber. Wo er ist? "Auf der Loipe."
Zwischendrin mal den SÜDKURIER lesen, das muss sein. "Im Winter bin ich tagsüber allerdings selten zu Hause", sagt Volker Huber. Wo er ist? "Auf der Loipe." | Bild: Karlheinz Fahlbusch

Die 50 bis 100 oder mehr Langläufer, die pro Tag ihre Runden drehen, kennen Huber. Der gibt Tipps und ist immer hilfsbereit. Das übrigens auch bei anderen Dingen. „Die Mutter Teresa von Heiligenberg“ sei er, sagt seine Frau Inge schmunzelnd und bringt ein Stück ihres legendären Käsekuchens. Ihr Volker sei immer da, wenn jemand Hilfe brauche. Und das gilt natürlich für die Langläufer ganz besonders. Und er riecht, ob Schnee in der Luft liegt.