„Wir sind relativ spät dran, um über den Beitritt zu beschließen“, gab Bürgermeister Frank Amann selbstkritisch zu, als es im Gemeinderat um den Beitritt zum Zweckverband Breitbandausbau/Backbone-Planung im Bodenseekreis ging. Zehn Kommunen und der Landkreis selbst haben Interesse gezeigt und die Volksvertreter wollten einen Impuls geben und votierten einstimmig für den Beitritt.

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Denn auch in Heiligenberg ist der ursprüngliche Ansatz, den Breitbandausbau den Telekommunikationsunternehmen zu überlassen, nicht aufgegangen. „Unser Ziel muss es sein, möglichst viele Gewerbetreibende, öffentliche Einrichtungen und Privathaushalte mit schnellem Internet zu versorgen, unabhängig vom Standort“, hieß es in der Sitzungsvorlage. Nun wollen einige Kommunen den Ausbau der Netzinfrastruktur selbst in die Hand nehmen und so bestimmen, wann und wo gebaut wird. Das benötigte Fachpersonal soll beim Zweckverband angestellt sein.

Zweckverband übernimmt die Gesamtplanung

Der Zweckverband übernimmt die Gesamtplanung und ist auch Hauptansprechpartner für die Gemeinden, Gewerbebetriebe und Privatleute. Das würde für die Gemeindeverwaltungen eine große Entlastung bedeuten und bündle zusätzlich Kompetenzen, wie im Gremium übereinstimmend festgestellt wurde. Auch das Akquirieren von Fördergeldern wäre Aufgabe des neuen Verbands. In Heiligenberg erhofft man sich durch den Beitritt Vorteile beim weiteren Breitbandausbau. Die Ortsteile Heiligenberg, Betenbrunn, Wintersulgen und Röhrenbach sind bereits jetzt mit Glasfaser gut versorgt. Die restlichen Ortsteile zu versorgen wird nach einer ersten Schätzung rund 5,6 Millionen Euro kosten. Mögliche Fördermittel müssten von dieser Summe noch abgezogen werden.

Breitbandprojekt braucht Spezialisten

Ralph Witte ist Technischer Leiter der Wasserversorgung Neukirch und hat auch im Landkreis Ravensburg die Vorarbeiten für einen Zweckverband Breitbandausbau geleistet. Für ihn ist klar: „Mit Kupfer geht in Zukunft nichts mehr.“ Zudem brauche man Experten und Spezialisten. Sonst mache die Sache keinen Sinn. Seine Aufforderung war eindeutig: „Treten Sie dem Zweckverband bei.“ Witte war bereits in mehreren Kommunen. Mittlerweile haben sich aber die Rahmenbedingungen verändert. Früher habe es nur Fördermittel vom Land gegeben, jetzt habe sich der Bund für eine finanzielle Unterstützung des Breitbandausbaus geöffnet.

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Mit der Zusage des Bundes wolle das Land mit einer zusätzlichen Co-Förderung nachziehen, was eine Förderquote von 90 Prozent ermögliche. Witte: „Das Ganze hat aber einen Haken. Nach sieben Jahren müssen die Netze dem Betreiber zum Kauf angeboten werden und für gut versorgte Gebiete gibt es keine Fördermittel.“ Es seien ganz viele Dinge auch noch gar nicht geklärt. „Wir haben mit uns gerungen, ob wir mitgehen sollen“, machte Bürgermeister Amann deutlich. Aber es gebe noch viele weiße Flecken. Der Beitritt sei deshalb die richtige Entscheidung.