Heinz Klaus Vogel Graf von Roit engagiert sich seit Langem in der Pflege älterer und kranker Menschen. Als Eigentümer und Betreiber der Herzogin-Luisen-Residenz in Heiligenberg, einer Anlage für betreutes Wohnen, macht er sich seit geraumer Zeit Gedanken über den Personalnotstand in der Pflege, den er aber in seiner eigenen Wohnanlage, wie er sagt, gar nicht hat. Vor gut einem Jahr gründete er dennoch eine eigene Schule für Pflegeassistenten.

Pilotprojekt mit elf Schülern verlief erfolgreich

In einem Pilotprojekt absolvierten zunächst elf Schüler ein Jahr lang diese Schule und dürfen sich seit dem erfolgreichen Abschluss „Krankenpflegeassistenten“ nennen. Geschützt ist diese Berufsbezeichnung allerdings nicht.

Schulleiter Peter Serdan (stehend) mit den Teilnehmern an der ersten Weiter- und Qualifizierungsmaßnahme in Heiligenberg.
Schulleiter Peter Serdan (stehend) mit den Teilnehmern an der ersten Weiter- und Qualifizierungsmaßnahme in Heiligenberg. | Bild: Fahlbusch, Karlheinz

„Wir möchten in der Zukunft gerne so weitermachen“

Eigentlich war vorgesehen, ab Mai einen zweiten Kurs folgen zu lassen. Diese Pläne habe man jedoch gestoppt, erklärte Graf von Roit im Rahmen einer Diskussionsrunde in der Herzogin-Luisen-Residenz, zu der auch Sozialminister Manfred Lucha gekommen war. Peter Serdan, Leiter der Krankenpflegeassistentenschule, begründete die Entscheidung: „Wir möchten in der Zukunft das gerne so weitermachen, wie wir es im ersten Kurs gemacht haben, also ein Jahr lang. Aber wir möchten auch, dass über die Agentur für Arbeit eine Förderung kommt.“

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Auch Maßnahme an sich muss zertifiziert werden

Die sogenannte Weiterbildungsqualifizierung würden sie ja kriegen, das sei überhaupt kein Problem, erklärte Serdan weiter. Und auch die Trägerzulassung, sprich die Zulassung, die die Schule als Bildungsträger zertifiziert, habe man inzwischen. Vielmehr hapere es an einer bürokratischen Hürde. „Auch die Maßnahme an sich, die Maßnahme zur Zertifizierung ‚Krankenpflegeassistent‘ muss zertifiziert werden“, erklärte Serdan.

Problem: Gesetzgeber kennt Heiligenberger Ausbildungsvariante nicht

Den Stopp gebe es deshalb, weil der Gesetzgeber die Heiligenberger Ausbildungsvariante nicht im System habe, sprich, der entsprechende Paragraph 45 des dritten Sozialgesetzbuches kenne diese Ausbildungsvariante nicht. Dieser Paragraph sehe zwar für eine solche Ausbildung auch 320 Stunden Theorie, aber nur maximal sechs Wochen Praktikum vor. Das sei aus seiner und aus der Sicht des Grafen von Roit zu wenig, so Serdan.

Ringen um Erweiterung des Praxisteils der Ausbildung

„Damit unsere Maßnahme der Ausbildung durch die Zertifizierung durchgeht, müssten wir praktisch mit unserem Niveau heruntergehen“, schilderte er weiter. Man wolle also erreichen, dass die praxisorientierte Ausbildung von sechs Wochen auf ein Jahr erweitert werde. Graf von Roit begründete diese Forderung näher: „Wir können die erlangte Qualifikation der Kursteilnehmer nicht nach nur sechs Wochen beurteilen.“

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Um nach Lösungen zu suchen, hatte Heinz Klaus Vogel Graf von Roit den baden-württembergischen Minister für Soziales und Integration, Manfred Lucha, eingeladen, der zusammen mit dem Ersten Landesbeamten Christoph Keckeisen (in Vertretung von Landrat Lothar Wölfle) und dem Heiligenberger Bürgermeisterstellvertreter Michael Moser gekommen war.

Sozialminister äußert sich skeptisch

Lucha äußerte sich skeptisch: „Das, was sie hier anbieten und kreiert haben mit einer formalen Klassifizierung, dass der Anerkennungsweg einem praktischen Beispiel folgt, glaube ich nicht und ich kann mir derzeit nicht vorstellen, dafür einen geordneten bürokratischen Weg zu finden.“ Er sehe derzeit kaum eine Möglichkeit, für die von Graf von Roit und Team bezeichneten Pflegeassistenten eine formalisierte Anerkennung zu erreichen.

Lucha rät zur Vernetzung mit anderen Einrichtungen

Er habe sich vorher extra mit den Fachreferenten besprochen, so Lucha. „Was wir an öffentlichen Förderimpulsen haben, ist Ihnen zu wenig und was Sie haben wollen, bekommen Sie nicht gefördert“, brachte der Sozialminister das Problem auf den Punkt. Er wolle aber in seinem Ministerium nochmals prüfen lassen, ob es eine Chance auf Erweiterung der praxisorientierten Ausbildung über sechs Wochen hinaus gebe. Gleichzeitig empfahl er aber auch, über eine Vernetzung mit anderen Einrichtungen nachzudenken, um das Finanzierungsproblem zu lösen.