Am Heiligenberger Ortseingang aus Richtung Pfullendorf möchte sich ein Lebensmittelmarkt ansiedeln. So einen Nahversorger braucht die Gemeinde dringend, da sind sich Bürger und Verwaltung einig. Es gibt aber auch noch einen Bedarf an Bauplätzen. Beide Forderungen will man mit einer umfassenden Planung in Gang bringen, für die Verwaltung und Gemeinderat das Büro Planstatt Senner aus Überlingen ins Boot geholt hat. Johann Senner stellte im Gemeinderat erste Planvarianten vor.

Planung für Nahversorger steht schon

"Für den Nahversorger gibt es schon eine Planung", betonte Bürgermeister Frank Amann. Der mögliche Standort ist bereits im Bebauungsplan Ortsjetter enthalten. Doch es gibt ein Problem. Die Zufahrt zum Parkplatz müsste über die Landesstraße 201 erfolgen. "Solche Abbiegespuren sind nur schwer zu bekommen", weiß der Bürgermeister. Die Verwaltung schlägt deshalb vor, im Gegenzug die Zufahrt in den Berenbachweg aufzuheben.

Von Richtung Pfullendorf soll eine Linksabbiegespur ins Gebiet Ziegelhalde/Ortsetter gebaut werden. Dafür ist die Einwilligung des Regierungspräsidiums nötig.
Von Richtung Pfullendorf soll eine Linksabbiegespur ins Gebiet Ziegelhalde/Ortsetter gebaut werden. Dafür ist die Einwilligung des Regierungspräsidiums nötig. | Bild: Karlheinz Fahlbusch

Bis zu 50 Bauplätze in den nächsten 15 Jahren

Der Kindergarten wäre dann über die neue Zufahrt zu erreichen. Und das gilt auch für das neue Baugebiet Ziegelhalde, wo in den nächsten 15 Jahren 48 bis 50 Bauplätze entstehen könnten. Alles soll in eine Gesamtplanung einfließen, die der Bürgermeister als "sehr spannend" bezeichnete. Und das auch deshalb, weil der Gemeinderat hier viele Ideen einbringen könnte. Das Gesamtgebiet ist im Flächennutzungsplan bereits rechtskräftig ausgewiesen.

"Man muss das sehr sensibel und schrittweise angehen", betonte Johann Senner. Heiligenberg sei eine der wenigen Gemeinden in der Region, die nicht von großen Supermarkgebieten und Gewerbeflächen eingerahmt sind. Da dürfe man keinen Fehler machen. Viele Fragen seien zu klären. Wie soll das mit den Gehwegen werden? Wie kann man die alten Obstbäume integrieren? Wie bekommt man eine sparsame Erschließung hin? Hochwertiges Wohnen am Hang soll ebenso möglich sein wie Vielfalt und ortstypische Architektur.

Ruf nach günstigem Wohnraum wird laut

Gemeinderat Heinrich Stengele könnte sich im unteren Bereich größere Einheiten mit Geschosswohnungsbau vorstellen, im oberen Bereich dann Einfamilienhäuser. Alfred Rock und Peter Apfelstädt (beide BL) sprachen sich sehr für Geschossbauten aus. Damit könne man dann auch bezahlbaren Wohnraum schaffen, der in Heiligenberg dringend gebraucht würde. Michael Moser (CDU) fragte nach den Zufahrtsmöglichkeiten zum Kindergarten und der Installation von Fotovoltaikanlagen. Im Plangebiet wird es lange Mulden geben. Sollen die in Privatbesitz sein oder sollen sie in der öffentlichen Hand bleiben? Muss Fläche für einen Spielplatz ausgewiesen werden? Im Gremium war man sich einig, dass man den Fläschenverbrauch im Auge behalten muss. Ein Diskussionspunkt war auch die Größe der neuen Bauplätze. 400 bis 1000 Quadratmeter wären möglich. Der Trend gehe aber mehr zu kleineren Flächen, weil viele Häuslesbauer weniger Gartenpflege anstrebten.

Büro Senner will Grobplanung im September vorlegen

Das Büro Senner wird nun alle Anregungen und Bedenken in eine neue Planvariante einarbeiten und im September einen Grobentwurf vorlegen. Dann müssen Detailfragen geklärt werden. Mit der Grobplanung wird aber eine erste Vorsprache beim Regierungspräsidium möglich sein. Denn ohne eine Linksabbiegerspur von der Landesstraße wird es mit der Ansiedlung des Lebensmittelmarktes schwierig werden. Und der sollte möglichst bald realisiert werden, wie man sich Gremium einig war.

Bürgermeister Amann: „Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht“

Frank Amann ist seit 1999 Bürgermeister der Gemeinde Heiligenberg.

Herr Amann, in den kommenden Jahren wird sich der Ortseingang von Pfullendorf her komplett verändern, wenn die Planungen umgesetzt werden. Wie schätzen Sie das Entwicklungspotenzial ein?

Gemeinderat und Verwaltung haben in den vergangenen zwei Jahren ihre Hausaufgaben gemacht und rund 5,8 Hektar bauplanungsrechtlich gesichert. Diese Flächen werden bis 2030 in mehreren Abschnitten entwickelt und erschlossen. Neben Flächen für den öffentlichen Bedarf werden im Gesamtareal etwa 250 bis 300 Menschen eine neue Heimat finden.

Wir dringend ist die Ansiedlung eines Lebensmittelmarktes?

Sehr dringend. Dieser Wunsch steht bei vielen Heiligenberger Bürgerinnen und Bürgern ganz oben auf der Wunschliste. Und dies nicht erst seit der Schließung der einzigen Metzgerei im Jahr 2017.

Wie sieht es mit der Nachfrage nach Bauplätzen aus und wie schätzen Sie den Bedarf an Mietobjekten ein?

Gut, wir sind zufrieden. Die aktuell angebotenen Grundstücke sind aufgrund ihrer attraktiven Lage mit 250 Euro pro Quadratmeter für unsere Verhältnisse hochpreisig. Sie werden von Familien nachgefragt. Aufgrund der Vergaberichtlinien grenzt sich der Käuferkreis stark ein, das haben wir bei unseren Prognosen berücksichtigt.

Fragen: Karlheinz Fahlbusch