Das 35-Seelen-Dorf Kirnbach liegt idyllisch zwischen Hattenweiler und Großschönach. Ein paar Häuser, viel Natur und eine Ruhe, die schon nahezu buchstäblich ist. Doch hört man da nicht Kreissägen? Richtig. Hier gibt es gleich mehrere Handwerksbetriebe, die sich der Holzbearbeitung verschrieben haben. Einer davon ist Holz-Kopp. Hier waren jetzt der Landtagsabgeordneten Martin Hahn (Grüne) und der Grünen-Kreisrat Matthias Heidenreich aus Heiligenberg zu Besuch. Hier leben drei Generationen zusammen.

Tobias Kopp und der Landtagsabgeordnete kennen sich schon länger. Der gelernte Agrartechniker hat mal auf dem Bauernhof von Hahn gewohnt. Umso herzlicher war die Begrüßung. Doch es ging nicht darum, alte Bekanntschaften zu pflegen, sondern um deutlich zu machen, dass auch Randlagen Möglichkeiten bieten, wenn man sie nur richtig nutzt.

Bürgermeister: "Alles ohne öffentliche Förderung"

Das sieht auch Bürgermeister Frank Amann aus Heiligenberg so. "Die drei Brüder haben hier eine ganze Menge auf die Beine gestellt. Und das vollkommen ohne Förderung durch die öffentliche Hand", stellte er fest. Die wäre durchaus möglich gewesen, aber Tobias (34), Florian (35) und Lucian (35) Kopp sind Menschen, die auch mal etwas spontan entscheiden. In Kirnbach ging es darum, eine Idee zu verwirklichen, die schon länger in den Köpfen rumorte.

Brüder suchen Platz zum Arbeiten und Leben

Zimmermann Florian Kopp hatte bereits Erfahrungen gesammelt und war sogar als Geselle auf der Walz gewesen. Doch es zog ihn wieder zurück in die Heimat. Wo könnte man ein Plätzle finden, um den Traum von der Selbstständigkeit, vom Leben und Wohnen zu verwirklichen? Auf dieser Suche war auch Zimmermann Florian Kopp. Und als dann noch Schreinermeister Luzian Kopp mitmachen wollte, der in der Bregenzer Holzbauszene Erfahrungen gesammelt hatte, da begann die Suche nach einem Standort für die mittlerweile gegründete Holz-Kopp GmbH. In Kirnbach wurde man fündig.

Drei bis vier Jahre aufgeräumt und geplant

Auf einem alten Bauernhof wurde der Traum wahr. "Drei bis vier Jahre haben wir nur aufgeräumt und geplant", erzählt Florian Kopp. Da seien Geduld und Ideen gefragt gewesen. Der alte Kuhstall wurde abgerissen. Auf den Fundamenten entstand eine moderne Werkstatt, in der aber auch eine über 100 Jahre alte Bandsäge Platz fand. Im Obergeschoss befindet sich das Büro. Dort werden nicht nur die Rechnungen geschrieben, sondern auch mit moderner PC-Software Planungen erstellt.

Probleme durch fehlenden Breitbandanschluss

Will man diese aber einem Kunden zuschicken oder umfangreiche Unterlagen per E-Mail empfangen oder aus dem Internet herunterladen, dann stoßen die Brüder an eine technische Grenze, die einen Namen hat: Breitband. Zwar liegt bis ins nahe Hattenweiler ein Glasfaserkabel, aber ob diese Technik auch einmal in Kirnbach vorhanden sein wird, scheint noch zweifelhaft. Eine weitere Möglichkeit wäre der Anschluss an das Breitband von Großstadelhofen nahezu in Sichtweite. Doch da können sich die Telekom und ein privater Betreiber nicht einigen. Weil mit Uralttechnik über das Telefonkabel nur wenig geht, haben die Kopps nur richtiges Internet über Richtfunk.

Heizen mit Abfallholz aus Schreinerei

Problematisch ist auch das Thema Öffentlicher Nahverkehr. Lehrlinge oder Praktikanten müssen schon selbst mobil sein, wollen sie bei den Kopps lernen, wie man Möbel aus Massivholz aus regionalen Wäldern herstellt. Nachhaltigkeit ist bei den drei Brüdern ein großes Thema. Deshalb steht im ehemaligen Futterkeller eine Hackschnitzelheizung, die mit dem Abfallholz aus der Schreinerei beheizt wird.

Kaffeetrinken, wo man lebt und arbeitet: (von rechts) Gisla und Tobias Kopp, Grünen-Kreisrat Matthias Heidenreich, Lucian und Florian Kopp, Bürgermeister Frank Amann, Grünen-Landtagsabgeordneter Martin Hahn und seine Mitarbeiterin Claudia Schacht.
Kaffeetrinken, wo man lebt und arbeitet: (von rechts) Gisla und Tobias Kopp, Grünen-Kreisrat Matthias Heidenreich, Lucian und Florian Kopp, Bürgermeister Frank Amann, Grünen-Landtagsabgeordneter Martin Hahn und seine Mitarbeiterin Claudia Schacht. | Bild: Karlheinz Fahlbusch

Und mit der heizt man ein weiteres Haus und die Wohnungen im Obergeschoss des Neubaus, wo auch Renate (66) und Johannes Kopp (74) wohnen. Die ehemalige Lehrerin und der ehemalige Architekt und Landwirtschaftsmeister sind vor vielen Jahren aus dem Raum Frankfurt in die Region gekommen, um die Landwirtschaft der Lebensgemeinschaft Hermannsberg zusammen mit Betreuten zu betreiben. "Da haben wir gemerkt, wie wichtig es ist, dass Menschen zusammen arbeiten und auch leben können", sagen die Eltern, die gern in Kirnbach bei den Söhnen wohnen, wie sie betonen. Die drei ehemaligen Waldorfschüler haben hier ihre Bestimmung gefunden. Und dass sie mit den Nachbarn ein gutes Verhältnis haben, das freut sie besonders.