Es kommt selten vor, dass der erste kräftige Applaus für ein Theaterstück schon gespendet wird, bevor auch nur ein einziges Wort gesprochen wurde. In der Aufführung des Schwanks „Maskenball am Campingplatz“ von Beate Irmisch, den das DorftheaterWintersulgen an zwei Tagen im Sennhof aufgeführt hatte, war es so. Der quasi vorweggenommene Beifall galt dem von Manfred Fritz, Thomas Ott und Armin Jäger gebauten Bühnenbild.

Ein tolles und sehr lustiges Theaterstück, es hat Spaß gemacht zuzuschauen. Alexandra Wehinger, Heiligenberg-Hattenweiler.
Ein tolles und sehr lustiges Theaterstück, es hat Spaß gemacht zuzuschauen. Alexandra Wehinger, Heiligenberg-Hattenweiler. | Bild: Bernhard Conrads

Was auch gut passte, waren die ausgewählten Requisiten, unter anderem mit Sonnenschirm, Campingstühlen, bunten Lampions, Wäscheleine, Blumenkästen und Vorgarten mit Blumen, die der nachgebauten Campingplatz-Atmosphäre Glaubwürdigkeit verlieh. Dazu eine ausgewogene Lichtregie, die von gleißender Mittagssonne bis zur schummerigen Abendstimmung reichte und für die Siegfried Blum verantwortlich zeichnete.

Seit Jahren gehe ich jedes Jahr zum Theaterstück des Wintersulger Dorftheaters, es war selten so schön wie in diesem Jahr. Leo Weh, Unterrhena-Bühlen.
Seit Jahren gehe ich jedes Jahr zum Theaterstück des Wintersulger Dorftheaters, es war selten so schön wie in diesem Jahr. Leo Weh, Unterrhena-Bühlen. | Bild: Bernhard Conrads

Mit dem Theaterstück selbst war der Regisseurin Margit Lorenz und dem Vereinsvorsitzenden Georg Matt, der bei den Aufführungen soufflierte, ein guter Griff gelungen. Es glich einem Feuerwerk an Bonmots, Witzeleien, aber auch Frotzeleien, die die drei Camper-Ehepaare trotz des harmonischen Miteinanders ständig gegenseitig austeilten. Profitiert hat das Theaterstück vom rasanten Spieltempo, das die zehn Darsteller vorlegten. Deutlich sichtbar war bei allen Darstellern, von Sabine Probst toll gestylt, eine immense Spielfreude. Zuweilen mussten sie ungeplant selber lachen und schmunzeln, was sich nicht immer verbergen ließ.

Es war wieder einmal eine tolle schauspielerische Leistung mit hervorragender Mimik und Körpersprache. Waltraud Allies, Salem. Bild: Bernhard Conrads
Es war wieder einmal eine tolle schauspielerische Leistung mit hervorragender Mimik und Körpersprache. Waltraud Allies, Salem. | Bild: Bernhard Conrads

Neu im Ensemble der Theatergruppe waren Johannes Matt (Tscho) und Melanie Fritz (Isolde Zeltig), die ihr Theaterdebut glänzend und ohne Lampenfieber meisterten. Josef Moßbrucker als langjähriger Theater-Routinier spielte seine Rolle als Polizist, der auch grade Campingurlaub macht, überzeugend, allerdings nach dem Motto: „Dienst ist Dienst und Urlaub ist Urlaub“.

Das könnte Sie auch interessieren

Die acht Hauptrollen spielten Ulrich Straßburger, Jennifer Schunk, Christoph Ley, Lupita Ernst, Berthold Schreiber, Johannes Matt sowie Julia Karg mit Verve und arbeiteten dabei glaubwürdig die jeweils völlig unterschiedlichen Charaktere der Urlauber-Ehepaare sehr gut heraus.

Autorin Irmisch muss das Leben auf dem Campingplatz gut recherchiert haben; sie schildert das Leben auf dem Campingplatz insbesondere unter Dauercampern als eine eigene Welt mit eigenen Bräuchen und Regularien, in der Ereignisse durchaus eine eigene Dynamik entwickeln können, die vielleicht nicht immer konform mit gesellschaftlichem Anstand sind. An Angriffen auf die Lachmuskulatur hat es jedenfalls nicht gefehlt. Der Abend war auch deshalb so gelungen, weil das Gesamtpaket mit Schauspiel sowie Gastronomie und Musik (beides Musikverein Wintersulgen) stimmig war. Viel Gelächter und riesiger Applaus.

Nachgefragt bei den Schauspielern: Welche Rolle spielen Sie im realen Leben?

Christoph Ley in seiner Rolle als der proletenhafte, besserwisserische und nörgelnde Gustav Strössel. Das sind Eigenschaften, die in seinem Beruf als Krankenpfleger gar nicht gehen. Aber es macht ihm Spaß, einmal so zu sein, wie er sonst nicht ist.
Christoph Ley in seiner Rolle als der proletenhafte, besserwisserische und nörgelnde Gustav Strössel. Das sind Eigenschaften, die in seinem Beruf als Krankenpfleger gar nicht gehen. Aber es macht ihm Spaß, einmal so zu sein, wie er sonst nicht ist. | Bild: Bernhard Conrads

Christoph Ley: "In meiner Rolle als Gustav Strössel war ich der Prolet, man(n) macht immer das Gleiche, bleibt in seinem sicheren Hafen, hat zu allem seine eigene Meinung und weiß alles besser. Zudem ist der Strössel auf der Bühne altmodisch-konservativ, laut und spitzbübisch. Im realen Leben als Krankenpfleger bin ich natürlich ganz anders. Altmodisch sein geht da gar nicht, ich muss mich immer mit neuen Menschen auseinandersetzen, Toleranz ist in meinem Beruf ganz wichtig. Campingurlaub hasse ich, ich koche gerne, anders als der ständig am Essen der Frau nörgelnde Strössel. Am Theaterspiel mag ich, dass man mal etwas anders spielen kann, als man selber ist."

Keck und lustig auch abseits der Bühne

Julia Karg: "In meiner Rolle als die ausgeflippte Chrissi war ich durchgeknallt und alternativ", erläutert Karg. "Im realen Leben ist alles anders: Da bin ich total strukturiert, ordentlich und durchgeplant, mein Kleidungsstil ist völlig anders als wie im Theaterstück gezeigt. Aber keck und frech kann ich im realen Leben auch sein", so Karg. "Manches in dem Theaterstück passt, aber vieles nicht. So durfte ich auf der Bühne lustig sein und das bin ich im realen Leben mit viel Humor auch. Ich könnte mir aber auch sehr gut vorstellen, mal eine ernste Rolle zu spielen wie in dem Theaterstück Ratsch und Tratsch, denn ich finde es sehr interessant, wie wandelbar man in einer Rolle sein kann."

Julia Karg in ihrer Rolle als Chrissi auf der Bühne des Dorftheaters Wintersulgen. Hier ist sie flippig, alternativ und durchgeknallt; im realen Leben dagegen ist sie durchgeplant und strukturiert, aber auch gerne mal keck und frech.
Julia Karg in ihrer Rolle als Chrissi auf der Bühne des Dorftheaters Wintersulgen. Hier ist sie flippig, alternativ und durchgeknallt; im realen Leben dagegen ist sie durchgeplant und strukturiert, aber auch gerne mal keck und frech. | Bild: Bernhard Conrads

Privat kein Moralapostel

Berthold Schreiber: "In dem Stück war ich als Siegfried Pellmann die Negativfigur, das heißt, überhaupt nicht lustig, ein Moralapostel, der keine eigene Meinung hat, ein Spießer und das krasse Gegenteil von den beiden anderen Campern im Theaterstück", sagt Schreiber. "Privat bin ich ganz anders. Die Rolle war so interessant für mich, weil ich da ganz anders sein konnte. Ich habe Spaß am Theater, spiele noch in der Theatergruppe Melange in Pfullendorf mit Texten von Heinrich Heine, also literarisches Theater statt Schenkelklopfer. Im Beruf bin ich Schulmusiker, Musiklehrer und bin über das Musiktheater und über Musical, die wir in Überlingen gemacht haben, zum Theater gekommen."

Berthold Schreiber spielte auf der Bühne in Wintersulgen als Siegfried Pellmann die Negativfigur: Einen Warmduscher, ohne eigene Meinung und unterdrückt von seiner Frau, alles Charaktere, die für ihn als Privatperson überhaupt nicht zutreffen.
Berthold Schreiber spielte auf der Bühne in Wintersulgen als Siegfried Pellmann die Negativfigur: Einen Warmduscher, ohne eigene Meinung und unterdrückt von seiner Frau, alles Charaktere, die für ihn als Privatperson überhaupt nicht zutreffen. | Bild: Bernhard Conrads