In der UN-Behindertenrechtskonvention ist das Recht auf Inklusion festgeschrieben. Und das bedeutet: Jeder Mensch hat das Recht darauf, dabei zu sein. Viele Länder haben die UN-Behindertenrechtskonvention unterschrieben haben. Auch Deutschland. Doch wer in der Arbeit mit behinderten Menschen tätig ist und sonstige Kontakte pflegt, der weiß, dass Deutschland und die anderen Länder noch viel dafür tun müssen, damit der Vertrag eingehalten wird. Und dazu können auch kleine Schritte helfen. So wie jetzt in der Dorfgemeinschaft Hermannsberg, wo eine Boule-Bahn offiziell ihrer Bestimmung übergeben wurde. Sie befindet sich auf dem Dorfplatz und soll mit dazu beitragen dass auch Menschen von außerhalb der Camphilleinrichtung vorbeikommen und hier ein Spielchen wagen. Die Anlage ist öffentlich. Bürgermeister Frank Amann, der Landtagsabgeordnete Martin Hahn (Bündnis 90/Grüne) und der sozialpolitische Sprecher der Grünen-Landtagsfraktion Thomas Poreski lieferten sich das erste Match. Wobei schnell deutlich wurde, dass die drei Politiker durchaus Erfahrung mit den glitzernden Metallkugeln haben.

Bewohner und Gäste verfolgten die ersten Spiele auf der neuen Anlage. Demnächst geht es ans Üben. Denn mit dem Boule-Spiel ist es wie mit der Inklusion: So einafch, wie es aussieht, ist es oft nicht.
Bewohner und Gäste verfolgten die ersten Spiele auf der neuen Anlage. Demnächst geht es ans Üben. Denn mit dem Boule-Spiel ist es wie mit der Inklusion: So einafch, wie es aussieht, ist es oft nicht. | Bild: Fahlbusch, Karlheinz

„Diese Boule-Bahn soll der Begegnung von Menschen dienen“, machte Vorstandsmitglied Peter Apfelstädt deutlich, der in Hermannsberg für die Landwirtschaft verantwortlich ist. Er bedankte sich bei Gerlinde Kreise, die das Vorhaben durch eine großzügige Spende Wirklichkeit werden ließ. „Inklusion ist keine Einbahnstraße“, stellte diese fest. Boule ist für sie „ein sehr kommunikatives Spiel“, das zweifellos das Miteinander von Menschen fördere. Neben Bürgermeister Frank Amann waren auch zahlreiche Gemeinderäte und Kandidaten für die Kommunalwahl nach Hermannsberg gekommen und alle waren voll des Lobes, das hier die erste Boule-Bahn in der Gesamtgemeinde Heiligenberg entstanden ist. „Du bist eine Person, die sich viel mit Lebensträumen beschäftigt“, stellte Amann fest und meinte damit Gerlinde Kriese, die sichtlich bewegt war, dass das Projekt jetzt realisiert werden konnte.

Gerline Kriese, Initiatorin des Projektes: „Inklusion ist keine Einbahnstraße.“
Gerline Kriese, Initiatorin des Projektes: „Inklusion ist keine Einbahnstraße.“ | Bild: Fahlbusch, Karlheinz

Matthias Heidenreich hat angeboten, im Sommer Einführungskurse für das Boule-Spiel anzubieten. Da sollen dann Menschen mit und ohne Behinderung Spaß haben und miteinander in Kontakt kommen. Thomas Poreski hat selbst mehrere Jahre in einer Einrichtung für Menschen mit Behinderung gearbeitet und weiß genau, wie wertvoll solche Bewegungsmöglichkeiten sein können.

Das könnte Sie auch interessieren

„Medizinische Grundversorgung für alle“

Nachgefragt bei Thomas Poreski. Er ist 55 Jahre alt, Sozialarbeiter und Diplompädagoge und hat auch Politik studiert. Er ist derzeit der sozialpolitische Sprecher der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Grüne.

Thomas Poreski, sozialpolitische Sprecher der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen.
Thomas Poreski, sozialpolitische Sprecher der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen. | Bild: Fahlbusch, Karlheinz

Herr Poreski, wie weit ist Baden-Württemberg beim Thema Inklusion?

Wir haben bundesweit das wohl beste Gleichstellungsgesetz, das wir übrigens zusammen mit Betroffenen entwickelt haben. Das wird auch europaweit als vorbildlich angesehen. Ein wesentliches Element sind übrigens die unabhängigen und nicht weisungsgebundenen Behindertenbeauftragten in den Stadt- und Landkreisen.

Viele Einrichtung liegen noch immer sehr abgelegen. Hat so etwas Zukunft?

Die Abgelegenheit war ja ursprünglich gewünscht. Man kann die Heimgelände so öffnen, dass dort auch Menschen leben können, die privat nichts mit der Einrichtung zu tun haben. Man kann vorhandene Infrastruktur und Einrichtungen gemeinsam nutzen, so wie Gärtnereien, Bäckereien, oder wie in Hermannsberg die Wäscherei. Im ländlichen Raum macht es auch Sinn, eine medizinische Grundversorgung zu installieren, die von allen genutzt werden kann und auf Ortschaften ausstrahlt, die sonst keine Hausärzte mehr haben. Es muss eine Mischung davon geben.

Wer muss auf wen zugehen?

Realistisch gesehen muss die Initiative von denen ausgehen, die in diesen Sonderwelten leben. So eine Geschichte wie hier die Boule-Bahn ist da ein gutes Beispiel für notwendige Schritte.

Fragen: Karlheinz Fahlbusch