In öffentlicher Sitzung hatte der alte Gemeinderat am 2. Juli die Aufstellung eines Bebauungsplans im vereinfachten Verfahren nach Paragraf 13 b Baugesetzbuch gefasst. An der Sonnenhalde in Steigen soll ein allgemeines Wohngebiet entstehen, das drei Bauplätze für Einfamilienhäuser mit einer Gesamtfläche von rund 1500 Quadratmeter bietet. Bislang ist das Gelände noch nicht im Besitz der Gemeinde.

Gemeinde will Grundstücke erst kaufen, wenn Vorhaben realisiert werden kann

Bürgermeister Frank Amann stellte in der jüngsten Gemeinderatssitzung fest: „Wir wollen erst kaufen, wenn auch sicher ist, dass die Sache realisiert werden kann.“ Die Realisierung scheint schwieriger als gedacht. Denn es erhebt sich Protest in Steigen. Es stand sogar zur Debatte, das Vorhaben komplett aufzugeben. Ein entsprechender Antrag von Gemeinderat Sebastian Sailer (Bürgerliste) fand aber keine Mehrheit. Sailer ist neu im Gremium. Er hatte die Frage gestellt, ob man das Projekt überhaupt weiterverfolgen solle.

Abstand zum Wald zu gering

Probleme gibt es nämlich mit dem Abstand zum Wald. Um eventuelle Vorgaben der Forstverwaltung einzuhalten, müssen unter Umständen mehrere Bäume gefällt werden. Neupflanzungen werden dann unumgänglich sein. „Sollen wir einen Wald für ein Baugebiet abholzen, wo dann drei Häuser gebaut werden können?“, fragte Sailer. Diese Frage stellten sich auch die zahlreichen Zuhörer.

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24 Anwohner packen Kritik in gemeinsames Schreiben

Aus den voll besetzten Zuhörerreihen waren schon bei der Bürgerfragestunde sehr kritische Anmerkungen zum Vorhaben gekommen. 24 Anwohner hatten einen Brief an den Bürgermeister und den Gemeinderat verfasst. In dem Schreiben, das dem SÜDKURIER vorliegt, machen die Bürger ihre Betroffenheit und ihr Erstaunen über eine weitere Wohnbebauung deutlich. „Niemand konnte sich vorstellen, nachdem aktuell zwei Neubaugebiete im Innenbereich und in unmittelbarer Nähe zur Sonnenhalde ausgewiesen und künftig bebaut wurden und werden, dass nun auch im Außenbereich eine weitere Wohnbebauung geplant ist“, steht in dem namentlich gekennzeichneten Brief.

Naturfläche zum Wald hin soll erhalten bleiben

Die neue Planung umfasse drei Einfamilienhäuser mit Erschließungsstraße auf einer landwirtschaftlichen Grünfläche am westlichen Rand des Wohngebietes. Die jetzige Baugrenze nach Westen bilde seit Bestehen des Wohngebietes eine natürliche und gewachsene Grenze zum Grünland und zum angrenzenden Wald, der Teil eines Landschaftsschutzgebietes sei. Für die Anwohner ist unbestritten, dass es sich hier um eine ökologisch wertvolle Naturfläche als Bindeglied zwischen Siedlungsraum und Wald handelt, die schützenswert ist. Dass zur Realisierung des Neubaugebietes auch eine Waldfläche geopfert werden müsse, stößt auf Unverständnis. Um vorgegebene Abstände einhalten zu können, geht das Büro Planstatt Senner davon aus, dass tatsächlich Bäume entfernt werden müssen. Eine Stellungnahme der Forstverwaltung liegt jedoch noch nicht vor, und diese wäre ausschlaggebend.

Kritik an Höhe und Masse der Häuser

Dass die Erschließungsstraße schmal und die Abwasserentsorgung wegen eines großen Gefälles nur mit Pumpen möglich sein wird, haben die Anwohner ebenfalls in ihrem Schreiben formuliert. Höhe und Masse der Neubauten würden sich an keiner Stelle in den ländlichen Häuserbestand aus den 1950er und 1960er Jahren einfügen, so die Kritik. Bei der Festlegung der Gebäudehöhen habe die Gemeinde einen Ortsbildschutz und Nachbarschutz außer Acht gelassen.

Anwohner würden großen Teil ihrer Aussicht verlieren

Gemeinderat Torsten Schneider (Bürgerliste) schlug vor, die Firsthöhe der Neubauten um drei Meter abzusenken und gleichzeitig die Grundflächen zu erhöhen. Er wollte damit den direkten Angrenzern entgegenkommen, die bei einer Bebauung auch einen großen Teil ihrer Aussicht verlieren würden.

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Bürgerinitiative für Streuobstbäume und Blühflächen

Statt eines Neubaugebietes hielten die Anwohner es für sinnvoller, im Sinne des Natur- und Umweltschutzes die ausgewiesene Grünfläche in ihrem ökologischen Wert als Ausgleichsfläche zu erhalten und zu steigern. „In Absprache mit dem Grundstückbesitzer, dem Haus Fürstenberg, könnte hier durch eine Bürgerinitiative ein Streuobstbestand und Blühflächen entstehen“, heißt es im Schreiben an die Kommunalpolitiker. Ziel wäre es, einen ganzjährigen Flor an blüten- und fruchttragenden Pflanzen zu schaffen, als Nahrungsquelle für die heimischen Vögel und Insekten.

Stellungnahme der Forstverwaltung soll eingeholt werden

Der Gemeinderat wird sich mit der Angelegenheit noch mal befassen müssen. Denn ein formeller Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan, wie ihn die Verwaltung vorgeschlagen hatte, wurde nicht gefasst. Planstatt Senner muss jetzt vordringlich die Stellungnahme der Forstverwaltung einholen. Bürgermeister Frank Amann empfahl den Anwohnern, von ihrem Recht Gebrauch zu machen, dem Vorhaben zu widersprechen. Auch Stellungnahmen der Träger öffentlicher Belange, wie Naturschutzbehörden, stehen noch aus.