Häuser sind das zentrale Thema von Herbert Stehles Arbeiten. Der Bildhauer fertigt sie aus Beton, Stahl oder Holz in unterschiedlichen Formaten. "Ein Haus bietet Schutz, ist Behausung und damit etwas ganz Ursprüngliches", erläutert der Heiligenberger Künstler. Er reduziert das Modell Haus auf seine rudimentären Grundformen.

Atelier in Heiligenberg Steigen

Das kann ein kleiner fensterloser Block oder ein luftiges begehbares Stahlgestell sein. Sein Atelier befindet sich in seinem Elternhaus in Heiligenberg Steigen, das er 2001 nach Jahren der Abwesenheit übernommen hat. Hier und im Garten stehen zahlreiche Varianten des Themas, das er immer wieder neu interpretiert.

Seine Häuser sind regelmäßig in Überlingen zu sehen

Herbert Stehle hat in den 1980er Jahren an der freien Kunsthochschule Nürtingen Bildhauerische Keramik studiert und arbeitet seitdem als freischaffender Künstler. Mit seinen Häusern ist er regelmäßig bei der Winterausstellung des Internationalen Bodensee Clubs im Faulen Pelz in Überlingen vertreten.

Der Heiligenberger Künstler Herbert Stehle hat auf seiner Skulptur Rücken an Rücken Platz genommen. Drei seiner Objekte säumen eine Straße in Bad Ragaz.
Der Heiligenberger Künstler Herbert Stehle hat auf seiner Skulptur Rücken an Rücken Platz genommen. Drei seiner Objekte säumen eine Straße in Bad Ragaz. | Bild: Sabine Busse

Schau mit 400 Kunstwerken

Eine ganz andere Dimension hat die Schweizer Triennale der Skulpturen in Bad Ragaz, wo seit Anfang Mai gleich sieben Objekte von Herbert Stehle zu sehen sind. "Eile mit Weile und verweile" lautet das Thema der diesjährigen Schau mit 400 Kunstwerken. "Ich habe sitzende Figuren ausgewählt, die überlebensgroß und selbst als Sitzgelegenheit zum Verweilen einladen", sagt Herbert Stehle. Im Kurpark des beschaulichen Ortes stehen sich zwei dieser Objekte gegenüber. Die Köpfe der Figuren sind Häuser. "Der Kopf ist das Haus des Menschen im übertragenen Sinn." Wer hier Platz nimmt, kann sein Gegenüber ansehen und mit ihm kommunizieren, aber auf Abstand.

Skulpturen sind aus Stahlblech

Die Skulpturen sind aus Stahlblech, das für Festigkeit sorgt und gleichzeitig kleine Schwingungen der Rückenlehne ermöglicht. Nebenan ergänzt ein Haus aus Vierkantrohr das Ensemble. Leicht geneigt scheint es auf einer Seite in den Boden zu sinken oder aufzutauchen – das bleibt dem Betrachter überlassen.

Das schiefe Haus im Kurpark von Bad Ragaz.
Das schiefe Haus im Kurpark von Bad Ragaz. | Bild: Sabine Busse

Nach Zusage ging es an Umsetzung

Herbert Stehle ist stolz, dass gleich sieben seiner Arbeiten für Bad Ragaz ausgesucht wurden. Die Bewerbungsunterlagen in Form von Modellfotos und Skizzen hat er schon vor zwei Jahren eingereicht. Beim ersten Versuch für die Schau 2015 kam mit der Absage gleichzeitig die Aufforderung, es bitte noch einmal zu versuchen. Das hat bestens funktioniert und der Bildhauer konnte sich an die Umsetzung machen.

Über 100 Kilo schwere Objekte

Außer dem Schweißen, für das er professionelle Hilfe in Anspruch nimmt, macht er alles in seinem Atelier selber. Das Stahlblech wird von ihm abgeschliffen und eingeölt, um den Oxidierungsprozess einzuleiten. Das Material bekommt so eine rostfarbene Patina. Im März fuhr dann in Stetten der Sattelschlepper vor und verlud die zum Teil über 100 Kilo schweren Objekte. "Die Organisation ist sehr professionell und funktionierte vom Transport bis zum Aufstellen der Skulpturen hervorragend", freut sich der Künstler.

Paar-Dialog.
Paar-Dialog | Bild: Sabine Busse

Unglaublicher Ausblick

Nicht bei allen Aufbauarbeiten konnte er persönlich dabei sein. Das Objekt auf dem Bad Ragazer Hausberg Pizol hat er gerade erst in Augenschein genommen und ist überwältigt. "Man sitzt dort auf 1600 Meter Höhe, hat einen unglaublichen Ausblick und der Wind bringt die Lehne leicht zum Schwingen!"