Nach dreieinhalb Jahren segensreichen Wirkens steht der Verein „Musik und Kultur Heiligenberg“ vor dem Aus. Dies gab der Vorsitzende des Vereins, Wolfgang Bergemann, jetzt im Rahmen der Jahreshauptversammlung bekannt. In einer außerordentlichen Mitgliederversammlung sollen die Vereinsmitglieder am Montag, 20. November, 19.30 Uhr, in der Zunftstube des Narrenvereins Wolkenschieber im Alten Rathaus über die Auflösung des Vereins beschließen – es sei denn, dass, wie Phönix aus der Asche, neue Leute mit neuen Ideen auftauchen, die die Vereinsführung übernehmen und auch sonst tatkräftige Mithilfe anbieten, um dadurch den Verein vielleicht doch noch zu retten.

Der Exitus des Vereins wäre für das Kulturleben der Gemeinde ein bitterer Verlust, darüber ist man sich unter den Kulturinteressierten der Regin einig. Besucher der Vereinsveranstaltungen dürften allerdings eine Schieflage des Vereins kaum bemerkt haben. Der Verein vermied es offensichtlich, Probleme nach außen zu tragen. Dafür legte die aktuelle Jahreshauptversammlung nun einen tiefsitzenden Frust bei der Vereinsführung offen.

Was war geschehen? Mit großem Elan und sprühenden Ideen war der Verein formell im Jahr 2013 gegründet worden. Aktiv wurde der Verein erst 2014 nach einer öffentlichen, festlichen Gründungveranstaltung. Die „Paten“ für die Vereinsgründung seien die Anschaffung eines Konzertflügels im Jahr 2012 und die vom Dirigenten Jochen Wehner 2013 ins Leben gerufenen Frühlingskonzerte gewesen, die anfänglich noch unter der Regie der Gemeinde Heiligenberg standen und auf enorme Resonanz stießen, erläuterte Bergemann.

Das kulturelle Angebot des Vereins sei ausgeprägt vielseitig sowie qualitativ hervorragend gewesen und habe Konzerte im Genre der Renaissance, Klassik, des Barock, der Romantik bis zur Moderne umfasst einschließlich Pop und Jazz, schilderte Wehner als Künstlerischer Leiter und zweiter Vorsitzender. Aber auch Theater, Puppenspiel, Lesungen und vieles mehr habe es gegeben.

Probleme seien erstens in personeller Hinsicht aufgetaucht, sagte Bergemann. Ein Vorstandsmitglied sei erkrankt, ein weiteres Vorstandsmitglied zog weit weg. Dafür seien Carmen Amann und Isabel Meyer eigentlich nur interimsweise eingesprungen, die sich aber über die drei Jahre zunehmend überfordert und allein gelassen fühlten, wie Bergemann ausführte. Eine über Jahre andauernde Aushilfe sei nie beabsichtigt gewesen und zudem habe es auch an Helfern zum Auf- und Abstuhlen sowie bei der Getränkeausgabe gefehlt, klagte Meyer. Zweitens sei, mit Ausnahme der Frühlingskonzerte, die Resonanz der Veranstaltungen trotz intensiver Werbung zum Teil dramatisch eingebrochen. Teilweise hätte der Veranstaltungsbesuch bei weniger als 30 Personen gelegen, was wiederum durch damit verbundene Einnahmenausfälle finanzielle Probleme mit sich brachte. Drittens habe der Verein über unüblich hohe Kosten für die Saalmieten gelitten. Dies ließ die Höhe des Eintritts steigen, worauf mehr und mehr Besucher den Veranstaltungen fernblieben – ein Teufelskreis. Deshalb sei es oft nicht möglich gewesen, Künstler durch generierte Eintrittsgelder auch nur annähernd adäquat zu entlohnen. Lediglich die Kirchenkonzerte seien gut besucht gewesen, hieß es. „Ohne einige generöse Spenden von wenigen Menschen wäre der Verein schon vor zwei Jahre pleite gegangen“, kommentierte Isabel Meyer die Vereinsmisere. Kassenbericht und Vorstandsentlastung waren in der Hauptversammlung dann Formsache.

 

Der Verein

„Musik und Kultur Heiligenberg“ wurde 2013 von acht Gründungsmitgliedern ins Leben gerufen. Zweck des Vereins ist die Förderung und Pflege von Musik und Kultur. Er veranstaltete hierzu in allen Ortsteilen Konzerte und Aufführungen. Bei einer Vereinsauflösung fällt laut Satzung das Vereinsvermögen an die Gemeinde Heiligenberg, die es unmittelbar und ausschließlich zur Förderung von Musik und Kultur zu verwenden hat. Vorsitzender des Vereins ist Wolfgang Bergemann, Telefon 0 75 52 / 937 98 71. Er ist Ansprechpartner für alle, die sich vielleich doch noch für den Verein engagieren möchten.