So mancher Gartenbesitzer wünscht sich eine hübsche Skulptur zwischen Blumen und Sträuchern. Und wer schon einmal darüber nachgedacht hat, sich im bildnerischen Bereich zu betätigen, der hat sicherlich bald wieder aufgegeben. Ohne eine richtige Anleitung führt das kreative Ansinnen oft zu Frustration und der wenig motivierenden Erkenntnis, dass man halt doch keine Begabung hat.

Annette Boos hat in ihrer kleinen Galerie bemerkenswerte Werke ausgestellt. So auch diesen Brunnen aus Marmor mit Teilvergoldung. Ein wirkliches Schmuckstück.
Annette Boos hat in ihrer kleinen Galerie bemerkenswerte Werke ausgestellt. So auch diesen Brunnen aus Marmor mit Teilvergoldung. Ein wirkliches Schmuckstück. | Bild: Karlheinz Fahlbusch

Doch das muss nicht so sein. Bereits zum 16. Mal gab es in Heiligenberg die Kunstwoche. Neun verschiedene Kurse wurden angeboten. Das Besondere: Alle Dozenten sind Profis und versiert darin, sowohl Einheimischen als auch Urlaubern etwas von ihrer Kunst zu vermitteln.

Finissage im Sennhof am Schloss

Was dabei herausgekommen ist, kann man am Freitag, 3. August, ab 19 Uhr im Sennhof in Heiligenberg aus der Nähe betrachten. Dann findet die Finissage der Kunstwoche statt und es gibt viel Gelegenheit, sich mit den Künstlern und den Kursteilnehmern zu unterhalten. Vielleicht bekommt ja jemand „Appetit“, sich selbst einmal künstlerisch zu betätigen. Er muss dann nicht unbedingt zwölf Monate warten. Denn so manches Atelier bietet auch unter dem Jahr die Möglichkeit, sich einmal auf neue Wege zu begeben.

Teilnehmer bearbeiten Marmor

So ist das auch bei Annette Boos im Heiligenberger Ortsteil Hattenweiler. Die 68-jährige Steinbildhauerin bietet dort in ihrem Atelier, zu dem auch eine Galerie gehört, Kurse im Bearbeiten von Marmor für Anfänger und Fortgeschrittene an. Sie gehört auch zu den Initiatoren der Heiligenberger Kunstwoche und erinnert sich noch gut an die Anfänge. „Bürgermeister Frank Amann war von der Idee begeistert und hat damals die volle Unterstützung der Gemeinde zugesagt.“

Kunstwoche immer in den Sommermonaten

Dieses Versprechen wurde auch gehalten und so entwickelte sich das Kursangebot im Laufe der Zeit zu einem festen Bestandteil der Sommermonate. Ursprünglich waren nur Künstler aus der Gemeinde Heiligenberg beteiligt. Das hat sich verändert. Nun kommt die Mehrzahl der Kreativen von außerhalb. Doch das hat weder der Qualität noch der Vielfalt Abbruch getan. Und es gibt Menschen, die schon mehrfach an Kursen teilgenommen haben. Jedes Jahr sind aber auch Neulinge dabei.

Uwe Schiller (links) aus Überlingen ist Lehrer und lernt in Hattenweiler, wie man Steine lebendig macht.
Uwe Schiller (links) aus Überlingen ist Lehrer und lernt in Hattenweiler, wie man Steine lebendig macht. | Bild: Karlheinz Fahlbusch

Einer davon ist Uwe Schiller aus Überlingen. Der Lehrer übt sich bereits in der Abfolge von Rhythmus und Schlag, wie sie die griechischen Steinbildhauer benutzten. „Für mich ist das die beste Methode, den Marmor zum Leben zu bringen“, sagt Annette Boos. Denn was für den unbedarften Betrachter einfach nur ein Stein ist, das ist für sie eine Materie, die der Künstler zum Atmen bringen kann und dabei auch für sich selbst neue Erfahrungen machen. „Mich entschleunigt diese Tätigkeit und dass langsam auch einem Stein etwas Neues entsteht, das übt eine ganz besondere Faszination aus“, sagt Schiller und setzt sofort wieder den Meißel an.

Symbiose aus Rhythmus und Geduld

Angelika Hartmann aus Beuren kommt schon seit vielen Jahren zu Annette Boos und ist fasziniert von der Symbiose aus Rhythmus und Geduld, die sich beim Bearbeiten des Steins entwickelt. So manche Teilnehmerin spricht von Körpererfahrung und auch dem positiven Gefühl, wenn ein Werk vollendet ist und man es dann zu Hause aufstellen kann.

Unter Teilnehmern auch viele "Alphatiere"

Wenn man Annette Boos fragt, was für Menschen sich denn ausgerechnet mit der Steinbildhauerei beschäftigen wollen, dann kommt eine Aufzählung, die vom ganz normalen Berufstätigen bis zum Politiker geht. „Und es sind viele Alphatiere darunter“, also dominante Menschen in Führungspositionen. Die machen beim Steinbearbeiten dann ganze neue Erfahrungen.

Schnelles Erfolgserlebnis gibt es nicht

„Mit der Zeit verbindet man sich mit dem Stein“, sagt Beate Bühler aus Mieterkingen im Landkreis Sigmaringen. Sie war zufällig vor zwei Jahren bei der Finissage der Kunstwoche und hat sich dann entschieden, auch selbst einmal mitzumachen. Wie auch die anderen Teilnehmer, die bis aus Pfalzgrafenweiler gekommen sind, ist sie überzeugt, dass es das schnelle Erfolgserlebnis nicht gibt. Dafür aber ein ganz besonderes Gefühl, wenn eine Skulptur fertig geworden ist. Bis dahin ist noch eine ganze Menge zu tun, denn der Marmor aus Carrara, der in Hattenweiler bearbeitet wird, muss auch noch geschliffen werden.

Am 3. August können sich Besucher von Ergebnissen überzeugen

Und wenn man so ein fertiges Stück betrachtet, dann sieht man, je nach Blickwinkel, wie das Licht auch die kleinste Struktur des schönen Steins hervorhebt, wie sich die Vielfalt des Lebens in einem Material widerspiegelt, das keineswegs tot, sondern nur eben anders ist und so vielfältig wie die Kunst, die für jeden Menschen etwas zu bieten hat. Auch davon kann man sich bei der Finissage überzeugen.