Der Fachkräftemangel in der Pflege ist eklatant. Es klingt zwar gut, wenn Gesundheitsminister Jens Spahn die Schaffung zusätzlicher Stellen im Pflegeberuf verspricht. Doch er sagt nicht, woher diese kommen sollen. „Wir können uns nicht auf die Versprechungen der Politik verlassen“, sagt Heinz Klaus Vogel Graf von Roit.

Er ist selbst staatlich anerkannter Krankenpfleger und unabhängiger Pflegesachverständiger im Gesundheitswesen, Eigentümer und Betreiber der Seniorenwohnanlage Herzogin-Luisen-Residenz, und ein Mann, der sich schon seit vielen Jahren Gedanken um die Zukunft der Pflege gemacht hat. Von Roit betreibt seit 1996 den ambulanten Krankenpflegdienst Home-Care mit Pflegestützpunkt für Heiligenberg und Umland.

Heinz Klaus Vogel Graf von Roit, Krankenpfleger: "Man muss in der Pflege neue Konzepte angehen. In Heiligenberg bietet ich dazu eine Möglichkeit an."
Heinz Klaus Vogel Graf von Roit, Krankenpfleger: "Man muss in der Pflege neue Konzepte angehen. In Heiligenberg bietet ich dazu eine Möglichkeit an." | Bild: Karlheinz Fahlbusch

„Wir wollen unsere Patienten optimal versorgen und dazu braucht es Personal, das nicht nur gut ausgebildet ist, sondern auch, die nötige Empathie mitbringt, damit die Menschen sich in guten Händen fühlen“, sagt von Roit. Und er ist der Meinung, dass es nicht Zertifikate alleine sind, die eine Qualität dokumentieren.

Ihm ist auch wichtig, Menschen einen Zugang zum Pflegeberuf zu schaffen, die keine Mittlere Reife und kein Abitur vorweisen können. Deshalb hat er vor einem Jahr eine private Schule für Krankenpflegeassistenz eröffnet, die in dieser Form wohl einmalig in Baden-Württemberg sein dürfte. Absolventen dürfen sich "Krankenpflegeassistent/in" nennen. Das hat das Sozialministerium in Stuttgart so verfügt. Denn noch ist die Berufsbezeichnung nicht gesetzlich geschützt.

Ähnliche Weiterbildungen gibt es bereits in anderen Bundesländern. „Wir haben uns da auf einen neuen Weg begeben und sind überzeugt, dass dieser zumindest eine kleine Hilfe ist, wenn man dem Pflegenotstand begegnen will“, ist von Roit überzeugt.

Patrick Schwarz, Leitender Oberpfleger: "Ich mache mir Sorgen wegen des Fachkräftemangels."
Patrick Schwarz, Leitender Oberpfleger: "Ich mache mir Sorgen wegen des Fachkräftemangels." | Bild: Karlheinz Fahlbusch

„Jeder kennt die Thematik in der Pflege, dass es schwierig ist, Personal zu bekommen“, hat der leitende Oberpfleger der ambulanten Krankenpflege Home-Care, Patrick Schwarz, festgestellt. Der 41-Jährige ist aber auch überzeugt, dass Resignation nichts bringt. Man brauche neue Konzepte. „Die Fachkräfte werden immer weniger und sollten sich auf das konzentrieren, was nur sie machen können. Dazu gehört die Behandlungspflege, schwierige Dinge wie Spritzen und Verbände, die spezielle Krankenbeobachtung und Pflegedokumentation“, erklärt der Praktiker.

Doch für andere Tätigkeiten, die eine nicht so hohe Fachlichkeit benötigen, könne man durchaus auch Personal einsetzen, dass in der grundpflegerischen Versorgung ausgebildet ist. Für Schwarz und seinen Chef kommen da eben die Assistenten ins Spiel. Waschen, anziehen, Körperpflege, Unterstützung beim Trinken und der Nahrungsaufnahme (von Roit: „Nur Tiere werden gefüttert.“), das sind Aufgaben, die auch von Assistenten bewältigt werden können.

Aber die Weiterbildung und Qualifizierungsmaßnahme darf nicht „Schmalspur“ sein, sondern müsse intensiv auf die Aufgaben vorbereiten, vor die man dann im beruflichen Alltag gestellt werde.

Basisqualifikationen sind wichtig

Peter Serden ist der Schulleiter der privaten Ausbildungsstätte in der ambulanten Krankenpflege Home-Care. Der ausgebildete Krankenpfleger ist seit 2011 Dozent für Pflegeberufe und bezeichnet die Assistenten als die Personen, die den direkten Patientenkontakt haben. „Sie spielen eine wesentliche Rolle bei der Beobachtung“, ist der 56-Jährige überzeugt. Deshalb müssten sie auch geschult sein, bestimmte Dinge zu erkennen, aufzunehmen und zu beobachten: „Sie sind eine wichtige Schnittstelle“.

Man brauche einfach Menschen im Team, die ein entsprechendes Wissen mitbringen. Basisqualifikationen seien wichtig und auch die Prävention habe innerhalb der Pflege ein sehr starkes Gewicht. Man wolle ja Schaden vermeiden und abwenden, damit kein Einschreiten nötig wird.

Weiterbildung dauert ein Jahr

Bei der Weiter- und Qualifizierungsmaßnahme in Heiligenberg stehen die zukünftigen Assistenten mindestens sechs Monate mit der Krankenschwester am Bett und bekommen eine ganze Menge mit. Ein Schulabschluss, der dem der Hauptschule entspricht, Sprachkenntnisse mindestens auf B 1-Niveau und der Wille, sich in den Dienst der Pflege zu stellen sind die Voraussetzungen. Die Weiterbildung dauert ein Jahr und beinhaltet neben der praktischen Tätigkeit auch einen umfangreichen schulischen Teil, für den Peter Serden zuständig ist. „Die Schüler sind alle sehr motiviert“, sagt der Dozent und wenn man in den Unterricht hineinschnuppert, dann wird das schnell bestätigt.

Auch viele ältere Teilnehmer

Älteste in der Klasse ist Felicitas Junghans aus Großschönach. Sie war schon in den vergangenen Jahren in der Pflege tätig und will jetzt noch mal eine Weiter- und Qualifizierungsmaßnahme machen. „Und das Rüstzeug, das man hier bekommt, ist echt prima“, sagt die 66-Jährige. Dennis Hartmann ist 26 und wohnt in Heiligenberg. „Ich habe Altenpflegehelfer gelernt und jetzt mache zur Auffrischung diese Weiterbildung“, sagt er. Er hat vor, später darauf aufzubauen. Für ihn als Hauptschüler sei das eine tolle Alternative zu vielen anderen Berufen. Die Zufriedenheit ist für ihn das Wesentliche.

Silke Prietsch aus Frickingen ist gelernte Einzelhandelskauffrau und arbeitet schon fünfzehn Jahre als ungelernte Kraft in der Pflege. Die 53-Jährige will sich jetzt eine Qualifikation nachholen.

Elisabeth Abt aus Echbeck hat viele Jahre in der Luisen-Residenz in der Wäscheversorgung gearbeitet und ist dann in die Pflege gegangen. Auch sie hat sich entschieden, nochmals eine Weiterbildung zu machen. Der 60-Jährigen macht die Tätigkeit sehr viel Spaß und sie sieht darin auch eine persönliche Chance.

Patrizia Provenziani ist 43 Jahre alt. Sie kommt aus Italien und hat sich entschlossen, sich zu qualifizieren, weil es sich um einen interessanten Beruf handelt und man sehr viel mit Menschen zu tun habe.

Alternative für eine Tätigkeit in der Pflege

Dozent Peter Serden ist sehr zufrieden mit seinen Schülern. „Dass die alle schon aus dem Jugendalter raus sind, das bringt den Vorteil mit sich, dass sie auch ein Stück Lebenserfahrung in ihre Arbeit einbringen können.“ Er ist überzeugt, dass die Ausbildung zum Krankenpflegeassistenten auch gut für die eigene Persönlichkeit ist. Wieder- und Seiteneinsteiger würden hier zudem eine gute Alternative für eine Tätigkeit in der Pflege finden.