Trotz heftigen Schneefalls war der 14. Heiligenberger Advents- und Weihnachtsmarkt gut besucht. Bereits weit vor der offiziellen Öffnung wurde eifriger Handel betrieben. Was den Markt auch in diesem Jahr wieder auszeichnete, war der weit überproportionale Anteil an Marktleuten, die Selbstgebasteltes anboten. Kommerz blieb weitgehend außen vor. Wir haben mit vier Händlern gesprochen, die regelmäßig auf den Weihnachtsmarkt nach Heiligenberg kommen und sie gefragt, woraus sie ihre große Liebe zum Handwerk gewinnen:

Einen großen Auftritt hatten die Kinder der Grundschule Heiligenberg unter der Leitung von Gabriele Heidenreich beim Weihnachtsmarkt im Sennhof.
Einen großen Auftritt hatten die Kinder der Grundschule Heiligenberg unter der Leitung von Gabriele Heidenreich beim Weihnachtsmarkt im Sennhof. | Bild: Bernhard Conrads

Erika Embert aus Beuren geht schon seit 30 Jahren und mehr auf Märkte. Seit der Gründung des Weihnachtsmarktes im Sennhof ist sie auch in Heiligenberg immer dabei. Ihr Hobby ist die Herstellung von Schäfchen, Maria und Josef und kleine Krippen. Ihr Material ist die meist naturbelassene Schafswolle, die sie von Schäfereien aus der näheren Umgebung bezieht. Für größere Figuren fertigt Embert zunächst ein Drahtgestell, um daran die Wolle anzubringen. Kleinere Objekte stellt sie mit einer Wickeltechnik her. Für kleine Engel greift Embert auch schon mal zur Häkelnadel. "Es ist wichtig, dass man das gerne tut, dann wird es auch was", ist Embert überzeugt. Wenn die Arbeit im Garten weniger wird, startet ihre Bastelzeit.

Erika Embert fertigt seit Jahrzehnten Schäfchen und weihnachtliche Figuren aus Wolle.
Erika Embert fertigt seit Jahrzehnten Schäfchen und weihnachtliche Figuren aus Wolle. | Bild: Bernhard Conrads

Jürgen Schober aus Saufdorf-Bietingen ist Schreiner, und es erscheint paradox, wenn er sich in der Freizeit zum Ausgleich mit Holz beschäftigt. "Im Schreinerberuf macht man ja nicht mehr viel aus Holz", sagt er. Klingt merkwürdig, ist aber im Zeitalter von Spanplatten wohl so. Nach Feierabend drängt es Schober in seine Holzwerkstatt und er drechselt Holzschalen aus heimischen Hölzern. "Seit sechs Jahren ist das für mich ein Ausgleich vom Beruf und ich freue mich, diese Schalen auf dem idyllischen Heiligenberger Weihnachtsmarkt verkaufen zu können", sagt Schober mit äußerst zufriedenem Gesicht. Am liebsten arbeitet er mit Apfelbaumholz. Dieses Holz reizt ihn wegen der Strukturen und Kontraste.

Jürgen Schober aus Sauldorf-Bietingen drechselt am liebsten Apfelbaumholz.
Jürgen Schober aus Sauldorf-Bietingen drechselt am liebsten Apfelbaumholz. | Bild: Bernhard Conrads

Astrid Steidle aus Frickingen ist eine Strickliesel, die innerlich unruhig wird, wenn sie mal drei Tage nicht zum Stricken gekommen ist, sagt sie von sich selbst. Mit ihren Stricknadeln stellt sie Schals, Mützen, Handschuhe oder Handgelenkwärmer her. Dabei sei sie in der Schule im Fach Handarbeit einst die Schlimmste gewesen, berichtet Steidle, aber irgendwann habe es Klick gemacht und sie fortan das Stricken fasziniert. "Jetzt habe ich so viel Freude und Spaß daran", erzählt Steidle mit leuchtenden Augen. Ihr macht es auch nichts mehr aus, wenn Freundinnen über sie lachen, weil sie mal wieder an einem Wollladen nicht vorbeigehen konnte. Sie genießt den Heiligenberger Markt, weil man so viel interessante Menschen trifft.

Astrid Steidle ist eine Strickliesel. Im Sennhof bot sie ihre Winterkollektion an.
Astrid Steidle ist eine Strickliesel. Im Sennhof bot sie ihre Winterkollektion an. | Bild: Bernhard Conrads

Carina und Tobias Schwellinger aus Betenbrunn sind beide gelernte Schreiner. Carina Schwellinger ist aber auch Landwirtschaftsmeisterin und Landwirtin und betreibt eine Schafhaltung. Den Schreinerberuf übt sie nicht mehr aus. Und dennoch lässt sie das Holz nicht mehr los. "Holz ist ein tolles, warmes Material", schwärmt Carina Schwellinger. Und es sei vielseitig, man könne mit viel Fantasie auch viel daraus machen, erklärt Schwellinger. Aus Hölzern des eigenen Waldes macht das Ehepaar ab Oktober weihnachtliche Objekte für den Weihnachtsmarkt. "Es ist unser gemeinsames Hobby geworden, speziell für den Winter, wenn man draußen nicht mehr so viel machen kann", schildert Schwellinger.

Carina Schwellinger und ihr Ehemann Tobias basteln Holzartikel für die Weihnachtszeit.
Carina Schwellinger und ihr Ehemann Tobias basteln Holzartikel für die Weihnachtszeit. | Bild: Bernhard Conrads