Wenn Rosa Störkle von ihren Erdäpfeln spricht, ist ihr die Begeisterung förmlich anzusehen. Strahlend lächelnd erzählt sie von deren Vielfalt. 300 verschiedene Sorten baut die 81-Jährige in kleineren Mengen selber an. Rote, blaue oder schwarz-fleischige hat sie im Angebot.

Auch seltene Art aus der Hochebene der Anden

Darunter auch ganz seltene wie eine schwarze, birnenförmige Knolle. Störkle bezeichnet sie als „Kartoffelmutter“. Sie stamme aus dem Ursprungsland des Kartoffelanbaus, der Hochebene der Anden. Die Inkas pflanzten sie schon vor 2000 Jahren, weiß die gelernte Meisterin der ländlichen Landwirtschaft.

Fasziniert von Selbstheilungskraft der Pflanze

Rosa Störkle ist überzeugt: „Ich kann viel von den Kartoffelpflanzen lernen.“ Sie ist vor allem von den Selbstheilungskräften der Pflanze fasziniert. “Überlebenslust“ nennt Störkle die Fähigkeit des Nachtschattengewächses, seine Wunden zu verkorken. „Das ist auch im menschlichen Leben eine prima Eigenschaft“, meint sie mit Blick auf manchmal schwierige Zeiten in ihrem eigenen Alltag.

Die Landfrau ist fasiziniert von der Vielseitigkeit des Nachtschattengewächses und von dessen Überlebenskraft.
Die Landfrau ist fasiziniert von der Vielseitigkeit des Nachtschattengewächses und von dessen Überlebenskraft. | Bild: Martina Wolters

81-Jährige kocht für Familie und Erntehelfer

Bis heute kocht die 81-Jährige für Ehemann, Kinder und Enkel sowie für die Erntehelfer. „Ich fahre Schlepper, ich ackere.“ Jedes Familienmitglied helfe, so gut es könne, auf dem Hof mit, den mittlerweile einer ihrer Söhne übernommen habe.

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Angemeldete Gruppen werden mit „Kartoffelessen“ bewirtet

Besonders gern organisiert sie ihre „Kartoffelessen“. Zwei Tage vorher beginnt sie mit den Vorbereitungen. Auf den Tisch der angemeldeten Gruppen kommt dann Süßes und Herzhaftes, natürlich alles aus ihrer Lieblingsknolle. Sie backt zum Beispiel Quarktorte aus Kartoffelmürbeteig, Kartoffelkirschtorte oder zur Weihnachtszeit auch Lebkuchen und Springerle. Ihre Gäste dürfen sich über Kartoffelkroketten mit Käse, Kartoffel-Cordon-Bleu oder Vollkornbrot freuen.

Enkelin Iris bietet süße Kartoffel-Knusperhippen an. Die schmecken ihr fast so gut wie Omas Schokokuchen.
Enkelin Iris bietet süße Kartoffel-Knusperhippen an. Die schmecken ihr fast so gut wie Omas Schokokuchen. | Bild: Martina Wolters

Für die Enkel gibt‘s Schokokuchen aus Kartoffelrührteig

Wenn eines ihrer sechs Enkelkinder Geburtstag hat, bekommt es einen Schokokuchen mit in die Schule. „Da bleibt kein Krümel übrig, so lecker ist der“, schwärmt Enkelin Iris über Omas Kartoffelrührteig mit ganz viel Schokolade. Störkle selbst mag am liebsten ihr Sherry-Tortenrezept mit Kartoffelbiskuit, Makronenmasse und Vanillebuttercreme. Diese und viele andere Leckereien hat sie ausprobiert.

Familie als Testesser: „Die müssen alles essen“

Das Experimentieren mit ihrer Lieblingsknolle ist zu einer Passion geworden. Ihre Kreationen präsentiert Rosa Störkle immer zuerst ihrer Familie. „Die müssen alles essen“, sagt sie fröhlich. Alle Rezepte in ihrem Buch sind selbst erprobt. Viel wert hat sie darauf gelegt, dass die 200 Rezeptideen ohne viel Einkauf umgesetzt werden können. Das meiste habe man daheim.

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Wunsch nach Wertschätzung der Kulturpflanze

Die Idee, ihren geliebten Pataten ein Kochbuch zu widmen, habe sich aus ihrem Wunsch ergeben, zur Wertschätzung der Kulturpflanze beizutragen. Störkle zückt ein kleines Notizbüchlein. „Kartoffel ist Geschichte, Lebenseinstellung, Poesie und Kunst“, liest sie ihre niedergeschriebenen Gedanken vor. Auch Überlebenskampf, Wirtschaftsfaktor und die Hoffnung auf eine positive Zukunft verbindet die Landwirtin mit der Kartoffelknolle. Immer gesetzt den Fall, dass sie weiter und reichlich angebaut werde. So könnten alle satt werden, das fände die gottesfürchtige Linzgauerin schön.

Landfrau erlebt seit 56 Jahren Kartoffelanbau hautnah mit

Vor 56 Jahren hat sie den Kartoffelbauern Alfons Störkle geheiratet. Seitdem erlebt die Landfrau den Kartoffelanbau hautnah, von der Saat über erstes Grün und Blüte bis zur Ernte. Sie selbst ist auf einem 20 Kilometer entfernten Hofgut in Atzenweiler groß geworden. Dort gab es Tiere, aber keine Kartoffeläcker. Mittlerweile bewirtschaftet sie eigene Äcker für ihre speziellen Sorten.

Aus ihren Zöglingen bindet Rosa Störkle bunte Kartoffelsträuße.
Aus ihren Zöglingen bindet Rosa Störkle bunte Kartoffelsträuße. | Bild: Martina Wolters

Kartoffeln verkauft sie auf Märkten bis München

Damit fährt sie auf Märkte bis nach München. Auch im Bauernhausmuseum in Wolfegg hat sie ihr Kartoffelsortiment bereits präsentiert. Viele Kontakte zu anderen Züchtern seien so entstanden. „Die Kartoffelwelt ist eine bunte Welt“, unterstreicht Störkle. Urlaub und Freizeit sind ihr wenig wichtig.

Einziger Urlaub war eine Flugreise nach Mallorca

Außer einer Flugreise nach Mallorca hat sie bis heute keinen Urlaub gemacht. Einmal war die langjährige Vorsitzende der Linzgau-Landfrauen kurz in Berlin zum 100-jährigen Bestehen der Landfrauen. Sonst zieht sie ihr Zuhause vor. „Fernweh hab‘ ich nicht, eher manchmal Sehnsucht nach etwas mehr Ruhe“, verrät sie. Doch ihre Kartoffeln wachsen nicht ohne ihr Zutun. Eine Lieblingssorte hat sie nicht. „Ich liebe alle; jede Sorte hat ihren Reiz – alle sind schön und nützlich.“

Zwei Rezepte zum Nachkochen

Ente mit Bratwurstfüllung

  • Zutaten: 1 Ente, Salz, Pfeffer, 500 g Kartoffeln, 400 g grobes Hackfleisch, 2 Eier, 40 g Butter, 1 kl. Zwiebel, 1 Teel. Petersilie, Muskat, 1 Lorbeerblatt, 1 Karotte
  • Zubereitung: Die Ente innen und außen mit Salz und Pfeffer einreiben. Die gewaschenen, geschälten und gewürfelten Kartoffeln mit der geschnittenen Zwiebel und Petersilie andünsten, mit Salz, Pfeffer und Muskat würzen. Die Kartoffeln dünsten, bis sie fast weich sind. Hackfleisch und Eier unter die Kartoffelmasse mengen und etwas auskühlen lassen. Dann die Masse in die Ente füllen und die Öffnung mit einem Faden zunähen. In einen Bräter geben und mit zerlassener Butter übergießen. Zwiebel, Lorbeerblatt und Karotte zugeben. Im vorgeheizten Backofen unter fleißigem Begießen lichtbraun braten. Tranchieren und mit Füllung anrichten. Tipp: Damit der Braten nicht zu fett wird, die Entenhaut öfter mit einer Nadel durchstechen, sodass sie im eigenen Fett braten kann.

Kartoffelbiskuit

  • Zutaten: 300 g Kartoffeln, 8 Eier, 160 g Zucker, ½ Zitrone, Prise Salz, 80 g Mehl oder Grieß, 1 Päckchen Vanillepudding, 100 g gemahlene Mandeln
  • Zubereitung: Pellkartoffeln schälen und heiß durch die Kartoffelpresse drücken. Mit dem Schneebesen leicht durchschlagen und abkühlen lassen. Eigelb mit Zucker und etwas Zitronensaft anschlagen, die Kartoffelmasse zugeben. Weiterrühren, bis eine cremige Masse entsteht. Eiweiß, Salz und restlichen Saft sehr steif schlagen und über die Kartoffelmasse geben. Mehl, Pudding und Mandeln vorsichtig unterheben. In einer mit Backfolie ausgelegten Springform 60-70 Minuten bei 180 Grad backen.