Sie stammen ursprünglich aus Schleswig-Holstein, sind jedoch über ihre berufliche Station nahe Frankfurt an den Bodensee gekommen und haben sich im Ruhestand 2005 in Heiligenberg niedergelassen. Das Klima und die gute Luft waren für Hedda und Peter Jürgensen ausschlaggebend für diese Entscheidung. Der Sohn ist Mediziner in Frickingen und hatte ihnen aufgrund ihrer chronischen Krankheiten zu diesem Tapetenwechsel geraten.

Rund um ihr Eigenheim haben die Jürgensens einen üppigen, artenreichen Garten mit einem kleinen Teich, in den ein mit Tauchpumpe gespeistes Bächlein plätschert, farbenprächtige Staudenbeete, einige große Töpfe mit Tomaten und Gurken sowie eine kleine Hütte mit dem Brennholz für den Kamin.

Farbige Vielfalt prägt die schöne Grünanlage.
Farbige Vielfalt prägt die schöne Grünanlage. | Bild: Hanspeter Walter

Aus der alten Heimat ganz im Norden der Republik haben sie für ihren Garten einiges mitgebracht, was der Natur sehr gut tut und auch den Menschen gefällt. Besonders bemerkenswert ist der so genannte "Knick", wie man im hohen Norden eine Schutzhecke auf einem kleinen Erdwall bezeichne. Als Erosionsschutz gegen den Wind wie in Holstein nahe der Küste bräuchte man die grüne Gartenbegrenzung zwar nicht. "Doch für die Vögel ist das sehr wichtig", haben die Jürgensens beobachtet. Deshalb haben sich die beiden Gartenfreunde auch auf eine möglichst große Artenvielfalt bei ihrer Hecke großen Wert gelegt: Haselnuss und Flieder, Felsenbirne und Jasmin, Eibe und Pfaffenhütchen und, und, und... Im Wechsel haben sie winter- und sommergrüne Büsche und Sträucher gepflanzt.

Kleiner ornithologischer Kursus auf der eigenen Terrasse

Sieben Nistkästen zwischen den Sträuchern und am Haus tun ein Übriges, die Futterhäuschen für den Winter ebenfalls. So könnten sie fast einen kleinen ornithologischen Kursus auf der eigenen Terrasse anbieten. "Es kommen Bachstelzen hierher, Zaunkönige, Grasmücken, Buchfinken, Rotkehlchen und Dompfaffe – natürlich auch ab und zu eine Elster", beschreibt Peter Jürgensen den Artenreichtum im eigenen Grün. In dem Nistkasten unter dem Dachvorsprung haben in diesem Jahr wieder Blaumeisen ihren Nachwuchs aufgezogen. Diese Vielfalt hat die Jürgensens so neugierig gemacht, dass sie mit einem dicken Vogelbuch und einem dazugehörigen Soundmodul den Gesang und die Rufe analysieren. "Man braucht nur die Nummer hier einzutippen", sagt Hedda Jürgensen, "und man kann Bild und Gesang zusammenbringen."

Rosenumranktes Futterhaus für die zahlreichen Vögel im Garten.
Rosenumranktes Futterhaus für die zahlreichen Vögel im Garten. | Bild: Hanspeter Walter

Die üppige Krokuswiese vor dem Haus ist eine weitere Spezialität aus dem Norden. "Sie bringt im Frühjahr viel Farbe auf den Rasen", sagte Peter Jürgensen und da sie gesellige Menschen sind, haben sie eine Bank direkt an den Wegesrand gestellt, die sich über die Jahre hinweg längst zum Nachbarschaftstreff entwickelt hat. Auch Wanderer auf dem Weg zur Amalienhöhe nutzen das Angebot gerne für ein Päuschen. Damit die Krokusse genügend Kraft fürs nächste Jahr in ihren Zwiebeln speichern können, üben sie sich beim Rasenmähen im Frühjahr etwas in Geduld und warten, bis die Blätter der blühenden Pracht abstirbt. "Wir haben am Anfang viele Krokusse gepflanzt", sagt Hedda Jürgensen. "Doch inzwischen haben sie sich auch selbst weiter vermehrt." Ganz so, wie es die Holsteiner aus der Region um Husum kennen.

Dorado für die Natur: Hummel im Anflug auf Ritterspornblüte.
Dorado für die Natur: Hummel im Anflug auf Ritterspornblüte. | Bild: Peter Jürgens

Neue Stauden für buntere Beete

"Meine Frau plant und ich arbeite", beschreibt Peter Jürgensen die aktuelle Arbeitsteilung. "Zu viel gelb" habe sie jetzt diagnostiziert. Für ihn heiße dies, im Herbst neue weiße Stauden dazwischen zu pflanzen, damit die Beete noch etwas bunter werden. Doch die eine oder andere Arbeit hat sich der gelernte Maschinenbauingenieur auch im Garten mit einer komplexen Technik erleichtert. Die Bewässerung mit Regenwasser aus der eigenen Zisterne hat der Wahl-Heiligenberger auf sehr elegante Weise gelöst. Jürgensen hat nicht nur viele Meter an Schläuchen verlegt, sondern steuert über Wasserweichen auch alle großen Pflanztöpfe an, die je nach Bedarf versorgt werden. "Ich habe hier eine elektronische Steuerung, die morgens und abends um 7 Uhr anspringt", sagt der Techniker. Und dabei wird jede Pflanze nach ihren individuellen Ansprüchen bedient – mit etwas mehr oder etwas weniger Wasser.

Eine Lieblingspflanze der Jürgensens: Die dauerblühende Cassia über dem kleinen Teich.
Eine Lieblingspflanze der Jürgensens: Die dauerblühende Cassia über dem kleinen Teich. | Bild: Hanspeter Walter

Steckbrief

  • Was sind Ihre Lieblingspflanzen? Die gelbe Cassia gehört zu unseren liebsten Pflanzen. Sie blüht den ganzen Sommer über und ist daher etwas Besonderes. Man sieht sie auch selten in den Gärten hier.
  • Was gefällt Ihnen nicht an der Gartenarbeit? Das Rasenmähen und Heckenschneiden mögen wir weniger und wird einfach auch mal zuviel bei dem großen Garten.
  • Was ist günstig, was eher teuer in Ihrem Garten? "Wenn mal alles gepflanzt ist, kostet es nichts mehr. Doch Spaß bei Seite. Wir achten tatsächlich nicht mehr so darauf. Wobei wir viele Pflanzen auch selbst nachziehen, das erspart auch einiges."