Dass in einem Dorf die Ortsdurchfahrt neu gestaltet wird, das kommt auch anderswo vor. Dass gleichzeitig ein 100-Seelen-Ort mit Glasfaserkabeln und Erdgasleitung versorgt wird, das dürfte schon etwas besonderes sein. Dass man das Ende der Maßnahme nicht mit Politikern feiert, die ein Band durchschneiden und auch noch auf lange Reden verzichtet, das konnte man am Freitagabend in Betenbrunn erleben.

Das könnte Sie auch interessieren

Es gab einen Umzug durch das denkmalgeschützte Dorf mit seiner bekannten Wallfahrtskirche samt Musikkapelle aus dem benachbarten Wintersulgen. Und es gab eine eindrucksvolle Demonstration dessen, was im Dorf großgeschrieben wird: Gemeinschaft.

Dieser Kasten ist das Eintrittstor in das weltweite Datennetz.
Dieser Kasten ist das Eintrittstor in das weltweite Datennetz. | Bild: Karlheinz Fahlbusch

Die traf sich am frühen Abend vor dem Haus von Georg Matt. Der wird wegen seines Engagements in Betenbrunn auch als „Oberbürgermeister“ bezeichnet, obwohl er kein kommunales Amt innehat. Fleißige Helfer verteilten Trink- und Essbares, die Musikkapelle Wintersulgen spielte auf und Bürgermeister Frank Amann erinnerte daran, dass es vor einem Vierteljahrhundert schon mal ein ähnliches Fest mit Musik gab. Damals wurde die Fertigstellung der Kanalisation gefeiert.

Bürgermeister: „Ein riesiger Mehrwert“

Nun ging es wieder um etwas, das man nicht sehen kann, das aber für den kleinen Ort die Autobahn in die Zukunft sein soll: Gas und Glasfaser. Ein unscheinbarer Kasten am Straßenrand mit der Aufschrift Teledata macht deutlich, dass es in Betenbrunn jetzt Breitbandanschlüsse gibt. Was für den Bürgermeister „einen riesigen Mehrwert“ bedeutet, ist keineswegs eine Selbstverständlichkeit.

Bürgermeister Frank Amann machte deutlich, das so ein Standard in einem Dorf wohl Seltenheitswert hat. Da wollte niemand widersprechen.
Bürgermeister Frank Amann machte deutlich, das so ein Standard in einem Dorf wohl Seltenheitswert hat. Da wollte niemand widersprechen. | Bild: Karlheinz Fahlbusch

Der Gemeinderat legte im April 2015 fest, die Gaskonzession an das Stadtwerk am See zu vergeben und dass die Trasse für den geplanten Anschluss weiterer Teilorte über Betenbrunn laufen soll. Deshalb ist es kein Druckfehler im Hausprospekt der „Alten Post“, wenn dort mit Internet geworben wird. Der kleine Ort ist jetzt per Glasfaser an die große Welt angebunden. Eine Tatsache, die das Wohnen im Dorf attraktiver machen soll. Frank Amann wünscht sich, dass noch mehr leerstehende Gebäude wieder reaktiviert werden, und ist überzeugt, dass auch schnelles Internet einen Teil dazu beitragen kann.

Das könnte Sie auch interessieren

150 000 Euro hat sich die Gemeinde die Sanierung der Straßendecke kosten lassen und gleich noch innerörtliche Feldweg ausgebaut. Für 80 000 Euro wurden die Geh- und Radwege saniert. Defekte Wasserschieber an der Ortsleitung wurden für 5000 Euro instandgesetzt. Auch die Straßenbeleuchtung ist jetzt auf dem neusten Stand und mit LEDs ausgerüstet, was mit 12 500 Euro zu Buche schlug.

Umzug durchs Dorf: Das gab es zuletzt vor 25 Jahren. Damals wurde der Abschluss der Kanalisierung gefeiert. Am Freitag freute man sich über Gas, Glasfaser und eine sanierte Ortsdurchfahrt.
Umzug durchs Dorf: Das gab es zuletzt vor 25 Jahren. Damals wurde der Abschluss der Kanalisierung gefeiert. Am Freitag freute man sich über Gas, Glasfaser und eine sanierte Ortsdurchfahrt. | Bild: Karlheinz Fahlbusch

Die Netze BW haben alle bisherigen Oberleitungen unter die Erde verlegt. Jeweils 5000 Euro hat die Gemeinde als Zuschüsse für die Sanierung des Brunnens und die Neugestaltung des Dorfplatzes ausgegeben. Viel Geld in die Hand genommen hat auch die Pfarrgemeinde und die Außenfassade der Wallfahrtskirche saniert. In Betenbrunn ist man rundum zufrieden. „Komplett runderneuert“ sei nun das Dorf, wie zu hören war.

Fit für die Zukunft

Ortsreferent Heinrich Stengele machte das deutlich: „So ein Standard in einem so kleinen Ort ist selten.“ Und das dürfte auch für das Engagement der Einwohner gelten. Die haben im Jahr 2001 den Parkplatz bei der Kirche und 2016 den Dorfplatz in Eigenleistung neu gestaltet. „Hier hat man erkannt, dass man auch mal etwas geben muss und nicht nur nehmen kann“, freute sich Stengele. Dass Betenbrunn nun fit für die energetische, mobile und digitale Zukunft ist und sich in neuem Glanz zeigt, das konnte man beim anschließenden Umzug durch den Ort feststellen.

„Der Zusammenhalt ist einmalig“

Georg Matt
Georg Matt | Bild: Karlheinz Fahlbusch

Georg Matt ist 55 Jahre alt und „nur Betenbrunner“, wie er sagt.

Warum nennt man Sie „Oberbürgermeister“?

Das ist ein Scherz und kommt vom Dorffest her. Irgendjemand muss bei so einer Veranstaltung ja den Hut aufhaben und das bin halt ich. Und ich finde Betenbrunn einfach super.

Was ist das Besondere an diesem Dorf?

Der Zusammenhalt ist einmalig. Wir waren immer starke Jahrgänge und das ist auch heute noch so. Die Mädels und Buben halten einfach zusammen, weil die Eltern es vorgelebt haben.

Wie wichtig sind Gas und Breitband für das Leben im Ort?

Für unseren Privathaushalt hat es bislang schon ausgereicht. Aber es ist eine tolle Sache – auch für die Zukunft. Vielleicht kommt dadurch auch ein kleiner Gewerbebetrieb in den Ort. Wenn mir jemand vor ein paar Jahren gesagt hätte, dass wir Glasfaser bekommen, dann hätte ich ihn für verrückt gehalten.

Ist das gegenüber den anderen Teilorten nicht ungerecht?

Ausschlaggebend war die geografische Lage und dass die Leitung hier vorbeiführen sollte. Ich freue mich, wenn die anderen Orte auch angeschlossen werden.