Es war schon lange kein Thema im Gemeinderat, aber was in anderen Kommunen diskutiert wird, das wird jetzt auch in Heiligenberg Realität: Bei der Betreuung von Kindern unter drei Jahren wird es eng. Bislang konnte man alle problemlos unterbringen. Die vom Gesetzgeber angestrebte Quote von 35 Prozent wurde immer erfüllt. Nun hat sich die Situation verändert. Die Betreuungsquote der Kinder unter drei Jahren liegt nur noch bei 27 Prozent. Die Jahrgänge 2015 bis 2018 umfassen 94 Kinder. Bei einer Quote von 35 Prozent wären das 32 Plätze.

„Wir wollen jetzt nicht gleich einen neuen Kindergarten bauen“, machte Bürgermeister Frank Amann in der Sitzung des Gemeinderates deutlich. Aber man müsse sich mit dem Thema beschäftigen. Und auch mit den möglichen Modellen, wenn es um die Betreuungszeiten geht. Denn die Wünsche der Eltern werden immer differenzierter. Derzeit verfügt die Gemeinde mit dem Kindergarten „Zum guten Hirten“ in Trägerschaft der katholischen Kirchengemeinde und dem Kindergarten Föhrenbühl in Trägerschaft der Camphill-Schulgemeinschaften über zwei Einrichtungen, die auch Kinder unter drei Jahren betreuen.

Der "gute Hirte" braucht mehr Platz für seine Schäfchen. Betreuungsplätze für Kinder zwischen einem und drei Jahren sind rar.
Der "gute Hirte" braucht mehr Platz für seine Schäfchen. Betreuungsplätze für Kinder zwischen einem und drei Jahren sind rar. | Bild: Karlheinz Fahlbusch

Die Leiterin des Kindergartens „Guter Hirte“, Christine Karrer, ist als Elternzeitvertretung nun schon ein Jahr vor Ort und berichtete dem Gremium von einer Kleingruppe mit zwölf Kindern. „Die Plätze sind vergeben. Wir haben sogar bis Januar 2020 nichts mehr frei“, machte die Erzieherin und Sozialwirtin deutlich. Sie führt bereits eine Warteliste mit 16 Namen. Die Anmeldungen sind aber noch gar nicht abgeschlossen. Sie muss Eltern an Tagesmütter weiterleiten, wenn überhaupt jemand zu finden ist, der diese Tätigkeit ausübt. Auch bei den gewünschten Betreuungszeiten könne man den Eltern oft nicht entgegenkommen. Plätze für eine Fünf-Tage-Betreuung würden stark nachgefragt und gegenüber Sharing-Angeboten, bei denen sich mehrere Kinder einen Platz teilen, favorisiert. Auch immer mehr Eltern von auswärts fragen an, weil sie in Heiligenberg bauen wollen. Betreuungsplätze für Kinder können da ein wichtiges Argument sein.

Angebote für unter Dreijährige gefragt

Monika Maxfield ist die Leiterin des anthroposophisch ausgerichteten Kindergartens in Föhrenbühl. Für sie ist klar: „U 3 ist ein ganz anderer Beruf. Mit Kindergarten hat das nichts zu tun.“ Man brauche da einen ganz anderen Betreuungsstil und neben dem Personal auch die entsprechende Infrastruktur und Umgebung. Aktuell gibt es in Föhrenbühl 15 Plätze für Kinder unter drei Jahren, die auch geteilt werden können. Maxfield: „Wir können so mehr Eltern bedienen.“ Der Bedarf steige ständig. „Ich sehe da keine Entspannung“, stellte Maxfield fest. Und sie weiß: „Wenn die Eltern zufrieden sind, dann strahlt das auch auf die Gemeinde aus.“

Frank Amann erinnerte daran, dass einheimische Kinder auch in anderen Kommunen betreut werden. 40.000 Euro muss die Gemeinde dafür an auswärtige Träger überweisen. Weil beim Kindergarten „Zum guten Hirten“ noch viel Platz sei und die Kirchengemeinde auch eine Zustimmung signalisiert habe, brachte der Bürgermeister eine provisorische Lösung in die Diskussion ein. Andernorts habe man das Problem mit Containern gelöst. Für eingruppigen Anbau für die U-3-Kinder sei „eine Million ruckzuck weg“. Man kenne das aus anderen Kommunen. Amann selbst wäre für eine dauerhafte Lösung und sieht das Modell mit Provisorien eher kritisch. Wenn man die Quoten erfüllen wolle, müsse man in viele Richtungen denken. Der Bürgermeister ist sicher, dass der Bedarf weiter nach oben geht. Und er machte ein weiteres Problem deutlich: „Die Kinder kommen auch einmal in die Schule. Dann müssen wir da auch über bauliche Erweiterungen nachdenken.“

Container-Lösung als eine Option

Im Gremium war man sich einig, dass man Lösungen finden müsse. „Es geht auch darum, dass gut ausgebildete Mütter dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. Und dann brauchen die Möglichkeiten zur Kinderbetreuung“, stellte Maria Morgen (Bürgerliste) fest. Eine Container-Lösung sieht sie nur als Übergangsmöglichkeit. Kindergartenleiterin Christine Karrer war nicht grundsätzlich gegen Container. Es komme da auch ganz wesentlich auf die Gestaltung an.

Die Frage nach Fördermöglichkeiten für Erweiterungsbauten beträgt laut Bürgermeister bis zu 50 Prozent. Bedenken müsse man aber auch die Personalkosten, an denen die Gemeinde einen Anteil von 70 Prozent trägt. Aus dem Gremium wurde angeregt, sich doch mal vorsichtshalber umzusehen, was an Containern zu bekommen ist und was so etwas kostet. Für Bürgermeister Amann ist klar: „Ein Provisorium von 15 bis 20 Jahren Dauer kommt für uns nicht in Frage.“ Der Gemeinderat wird sich in nächster Zeit mit der Problematik befassen.