Das Schießen mit Pfeil und Bogen ist eigentlich eine echt archaische Sache. Archäologen haben nachgewiesen, dass in der Altsteinzeit, also vor 30 000 bis 10 000 Jahren vor Christus, Pfeil und Bogen als Jagdwaffe dienten. Seit der späteren Jungsteinzeit gibt es Nachweise, dass man eine solche Ausrüstung auch zu kriegerischen Zwecken nutzte. Und das war natürlich lange, bevor Winnetou über die Prärie ritt oder Robin Hood im Sherwood Forest für Gerechtigkeit sorgte. Weil in Deutschland das Jagen mit den uralten Waffen, bis auf Brandenburg, verboten ist und für Gerechtigkeit die Politik sorgen soll, dient das Schießen mit dem ungewöhnlichen Gerät vor allem sportlichen Zwecken. Bogenschießen ist auch olympische Disziplin. Und wer es richtig lernen will, der sollte in eine entsprechende Schule gehen. Der SÜDKURIER hat die Bogenschule Black Bow von Eugen Wüster besucht. Der 22-Jährige ist auch Trainer der Bogenschützen beim SV Daisendorf und hat mit neun Jahren das Schießen mit Pfeil und Bogen angefangen.

In der Ruhe liegt die Kraft: Bogenlehrer- und Trainer Eugen Wüster zielt auf die Scheibe in zehn Meter Entfernung.
In der Ruhe liegt die Kraft: Bogenlehrer- und Trainer Eugen Wüster zielt auf die Scheibe in zehn Meter Entfernung. | Bild: Karlheinz Fahlbusch

„Vom Körperlichen ist man da relativ frei“, antwortet er auf die Frage, welche Voraussetzungen man mitbringen sollte, wenn man sich diesem lautlosen Schießsport widmen möchte. Auch wer in der Schule als unsportlich gegolten hat, hat hier ganz neue Möglichkeiten, denn eine Ausdauer wie beim Laufen, brauche es hier nicht. Und nicht zu vergessen: Bogenschießen ist auch bei Menschen mit Behinderung eine beliebte Sportart. Wer nicht über eine gute Auge-Hand-Koordination verfügt, der wird sich diese im Laufe der Zeit antrainieren. Und wie ist das mit dem Sehen? Der Bogentrainer berichtet von Senioren, die manchmal nicht mehr so gut sehen oder eine Brille benutzen. Das Ziel könne man meistens gut erkennen, denn die farblich unterschiedlichen Ringe sind je nach Entfernung auch größer. Die könne man auch auf mindestens 18 Meter Distanz noch unterscheiden. Im Verein beträgt die Hallendistanz 20 Meter.

Professor Rainer Krafft mit einem der rund 130 selbst gebauten Bögen.
Professor Rainer Krafft mit einem der rund 130 selbst gebauten Bögen. | Bild: Karlheinz Fahlbusch

Bleibt die Frage nach dem Kraftaufwand. Schließlich muss so ein Bogen gespannt werden. „Es kommt auf den Bogen an“, sagt der Fachmann. Man könne die Wurfarme, also den unteren und oberen Teil des Bogens austauschen, je nachdem wie hoch die Zugkraft sein soll. 20 Pfund kann ein Anfänger als Zugkraft meist aufbringen. Wer es ausprobiert, der wird feststellen, dass das eigentlich gar kein großer Kraftaufwand ist. Beginnen kann man übrigens schon ab acht Jahren. „Man braucht ein Konzentrationsvermögen von etwa 60 Minuten. Und das ist in diesem Alter vorhanden“, sagt Wüster.

Ben Medeke aus Heiligenberg ist schon elf Jahre alt. Er kommt unheimlich gerne in die Bogenschule und gehört hier zu den Jüngsten. Dass er von den alten Hasen noch was lernen kann, das findet er prima. Seine Eltern stehen voll hinter seiner Leidenschaft und auch seine Mutter hat diesen ungewöhnlichen Sport schon einmal ausprobiert.

Ausrüstung kostet ab 300 Euro

Ein komplettes Equipment mit Bogen, Sicherheitsausrüstungen, Pfeilen und vielleicht einer Zielscheibe gibt es ab 300 Euro. Eine besondere Kleidung braucht man nicht, wenn man von den Schutzhandschuhen und den Armschützern absieht. Wer mit Visier schießt, der steht absolut gerade und da ist ein Brustschutz nicht nur für Frauen angebracht. „Die Indianerfilmbogen haben den Nachteil, dass sie nicht mit Glasfaser belegt sind“, weiß Wüster. Und eben diese Glasfaser sei ein Material, das den Bogen bruchsicher mache.

Gut gegen schlechte Laune

Eugen Wüsters Schüler kommen aus der Region zwischen Sigmaringen und dem Bodensee. Alltagsbegleiterin Ramona Braun und ihr Mann Dirk kommen aus Denkingen. Er ist von Beruf Konstrukteur im Maschinenbau und hat in der Jugend schon mal mit dem Bogen geschossen. Als er in die Gegend gezogen ist, wollte er den Schießsport wieder aufgreifen und ist jetzt im zweiten Jahr dabei. Es wurde ein Kurs absolviert, bei dem damals auch die Kinder dabei waren. Die Brauns gehen gerne auf einen 3-D-Parcours. Das sind im Wald aufgestellte Schaumstoffziele in Tierform, die man treffen muss. „Gemeinsam etwas zu tun, was Spaß macht, das ist eine tolle Sache“, erklät Ramona Braun. Bogenschießen sei auch gut gegen schlechte Laune. Und außerdem würde der Sport den Blutdruck regulieren.

Alte Leidenschaft wieder aufgefrischt

Alfred Wiedmann ist 65 und kommt auch aus Denkingen. Auch er hat die Sache mit Pfeil und Bogen in der Jugend ausprobiert, dann aber nicht weiterverfolgt. Als er in Rente ging, hat er die alte Leidenschaft wieder aufgefrischt. „Es macht sehr viel Spaß und ist gut für die Körperhaltung“, ist Wiedmann überzeugt. Wie schwierig ist die Sache nun wirklich? Der SÜDKURIER hat es ausprobiert. „Nicht schlecht“, stellte der Bogenlehrer nach dem ersten Probeschuss fest. Da sei aber noch mehr drin. Keine Lust auf Bogenschießen? Mal sehen.

Professor als Bogenbauer

So eine Ausrüstung für das Bogenschießen ist durchaus erschwinglich. Doch wer seine Bögen selbst baut, der spart natürlich ein wenig Geld. Doch darum geht es Professor Rainer Krafft nicht. Der 55-Jährige ist Luftfahrtingenieur und das, was man einen Tüftler nennt. Seine Recurve- und Langbögen sind alles Unikate und gebaut werden sie zu Hause in seiner kleinen Werkstatt. „Exklusiv, formschön und schnell müssen die Bögen sein“, sagt der Mann, der 2003 seinen ersten Bogen gebaut hat. „Mittlerweile sind es etwa 150 Stück“, schmunzelt er.

30 davon hat er für Familienmitglieder gefertigt. Die Bögen „von der Stange“ seien ja auch gut, will er die Bögen aus der Fabrik nicht abwerten, aber seine eigenen Produkte, die seien halt schon besonders. „Und jeder ist ein Unikat“, stellt der Dozent an der Dualen Hochschule in Friedrichshafen fest.

Rainer Krafft baut sowohl Rechtshand- als auch Linkshandbögen und testet sie auch. Er baut Bögen, die vom Stil her eher schlicht gestaltet sind. Manchmal überlegt er drei Tage, welches Holz er in den Griff einarbeitet. Die Bögen werden in einem großen Backofen bei 80 Grad „gebacken“, damit die mehreren Schichten aus unterschiedlichen Kunststoffen und Holz sich dauerhaft verkleben. Pfeile fertigt er auch. Und damit die gut fliegen, werden sie mit Truthahnfedern bestückt.