In Deutschland ist der Frauentag derzeit lediglich in Berlin ein gesetzlicher Feiertag. Ob das auch in Baden-Württemberg so sein soll, das war kein Thema bei der Veranstaltung der AG-Frauen im Dorfgemeinschaftshaus in Hattenweiler. Dort trafen sich am Freitagabend rund 30 Frauen unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Herkunft, um sich über die Rolle der Frau in der heutigen Zeit auszutauschen, aber auch das zu tun, womit Frauen sich leichter tun als Männer: den eigenen Körper erspüren. Und dafür war Anita Kopf aus Überlingen gekommen. Mit „Raqssharqi“ führte sie eine besondere Form des ägyptischen Tanzes vor. Der Aufforderung, doch selbst mitzumachen, kamen fast alle Frauen nach. Dass es Spaß machte, das war unübersehbar.

Einfach loslegen: Aufstehen und bei einem Tanz mitmachen, frei über die Situation von Frauen und Männern sprechen. Die Frauen bei der Veranstaltung der AG-Frauen in Hattenweiler geben sich offen.
Einfach loslegen: Aufstehen und bei einem Tanz mitmachen, frei über die Situation von Frauen und Männern sprechen. Die Frauen bei der Veranstaltung der AG-Frauen in Hattenweiler geben sich offen. | Bild: Fahlbusch, Karlheinz

„Der Tanz hat Mut erfordert“, stellte Gerlinde Kriese von der AG-Frauen fest. Doch Mut mache auch Spaß. In der anschließenden Gesprächsrunde ging es dann aber weniger um Spaß, als um die Frage, wie und ob Frauen sich auch in der Politik einbringen sollen. Die Antwort war eindeutig. Man dürfe nicht auf „ein blaues Wunder“ warten, wie ein Buch betitelt ist, aus dem Ides Mark eine Geschichte vorgelesen hatte. Vor allem gelte es, die Realität ins Auge zu fassen. Dass weltweit bei den Frauen die häufigste Todesursache häusliche Gewalt sei, das machte sehr betroffen. Gerlinde Kriese zitierte hierzu aus einem Interview mit der Schauspielerin Ursula Strauss. Diese ist UN-Botschafterin für „Keine Gewalt gegen Frauen“.

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In Deutschland stellt sich das etwas anders dar, aber die Forderung ist eindeutig: „Wir dürfen uns nicht mit den Krümeln zufrieden geben, sonst lassen wir die Frauen in anderen Ländern im Stich.“ Dass es für beide Geschlechter bereichernd sein kann, wenn Frauen und Männer sich auf Augenhöhe begegnen, das war eine wichtige Erkenntnis der Gesprächsrunde. Deshalb sollten sich Frauen auch mehr in der Politik einbringen, hieß es.

Mit Wahlkandidaten ins Gespräch kommen

In Hinsicht auf die bevorstehenden Kommunalwahlen will die AG-Frauen mit Kandidaten ins Gespräch kommen. Denn auch auf kommunaler Ebene müsse die Stimme der Frau mehr Gehör finden. Die Frage, warum Frauen mehrheitlich Männer wählten, konnte auch in Hattenweiler nicht beantwortet werden. Was das für negative Auswirkungen habe, das könne man aber an den USA sehen, wo es jemand zum Präsidenten gebracht habe, der ganz offensichtlich frauenfeindlich sei, meinte eine Frau.

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Eine klare Aufforderung gab es an die Mütter. Sie müssten ihre Töchter stark machen. Denn, um Mut zu haben, brauche es auch persönliche Stärke. Geäußert wurde aber auch Dankbarkeit für das, was die Frauen in früheren Zeiten für die Frauen heutzutage erstritten hätten. Dass man sich in den Parteien unterrepräsentiert fühlt, war eine mehrfach gehörte Kritik. Gerlinde Kriese trat dem mit Selbstbewusstsein entgegen: „Es braucht keine Partei, es braucht eine AG-Frauen.“ Und die hat an diesem Abend dafür geworben, wie wichtig es ist, dass Frauen sich zwanglos über alle gesellschaftlichen Probleme austauschen können.