Viele Einheimische und Touristen rätselten, was denn das Feuerwehrfahrzeug am Donnerstagnachmittag auf dem Postplatz zu suchen hatte. Kein Helm und kein Einsatzanzug waren zu sehen, die Feuerwehrleute eher schon im Freizeitdress und daneben Hauptamtsleiter Gerhard Sing. Und dann war auch noch kurz das Martinshorn zu hören. Es roch nicht nach Rauch, aber nach Schweiß. Und der kam von einem Mann, der vom Tal kommend mit seinem Fahrrad das Ortsschild passierte und mit dem Signal der Feuerwehr begrüßt wurde. Das ist eine Geschichte von großer Kameradschaft, 800 Kilometer Strecke und einem 43-jährigen Immobilienmakler, der ein Versprechen eingelöst hat.

Einen ganz besonderen Willkommensgruß hatten Marlene Moser (11 Jahre, links) und Marie Jäger, 10 Jahre, rechts) für Christian „Booky“ Bookmeyer mitgebracht.
Einen ganz besonderen Willkommensgruß hatten Marlene Moser (11 Jahre, links) und Marie Jäger, 10 Jahre, rechts) für Christian „Booky“ Bookmeyer mitgebracht. | Bild: Fahlbusch, Karlheinz

Erste Begegnung 2001 auf Gran Canaria

Die Geschichte beginnt im Jahr 2001 auf Gran Canaria. Dort treffen die beiden Heiligenberger Gerhard Sing und Michael Moser einen groß gewachsenen Typen, der Schwierigkeiten mit dem süddeutschen Slang hat. Schon bald entwickelt sich eine rege Freundschaft, die noch dadurch verstärkt wird, dass Moser und Christian Bookmeyer aus Schwei eine gemeinsame Leidenschaft haben: die Freiwillige Feuerwehr.

Der neue Kontakt führte dazu, dass die Feuerwehrleute aus dem kleinen Ort in Niedersachsen und jene aus der Gemeinde im Linzgau schließlich vier Jahre später eine Partnerschaft schlossen. Bei einem der zahlreichen gegenseitigen Besuche äußerte Christian, der von allen „Booky“ genannt wird, die Idee, einmal mit dem Fahrrad von der Heimat am Jadebusen in Richtung Bodensee bis nach Heiligenberg zu fahren. „Das macht der nie“, lästerten die Feuerwehrkameraden, denn sie wussten, dass Booky eigentlich unsportlich war. Und das ist er nach eigenem Bekunden noch immer. Aber das Versprechen hat er jetzt doch eingelöst.

Mit Feuerwehrbegleitung ging es sicher zum Ziel beim Feuerwehrhaus.
Mit Feuerwehrbegleitung ging es sicher zum Ziel beim Feuerwehrhaus. | Bild: Fahlbusch, Karlheinz

Vor ein paar Wochen begann das Training

Am Freitag eine Woche zuvor ging es los. „Es war jetzt einfach fällig“, sagt der Niedersachse, der verschwitzt im Feuerwehrhaus sitzt und ein kühles Pils trinkt. Im vergangenen Oktober hat er sich ein Pedelec gekauft – samt Helm und Packtasche. Mit dem Rad war er schon vorher unterwegs: Immer montags 500 Meter bis zum Feuerwehrhaus, wenn Probe war.

Vor ein paar Wochen begann der 41-Jährige mit dem Training. Vier Wochen lang jeden Tag 20 bis 25 Kilometer. „Ich habe gedacht, das müsste locker reichen, aber auf der Strecke in Richtung Heiligenberg habe ich gemerkt, dass es wohl eine Fehleinschätzung war“, gibt er zu.

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Unterwegs mal ein paar Kilometer mit der S-Bahn gefahren

Vielleicht ist Christian Bookmeyer auch deshalb unterwegs mal ein paar Kilometer mit der S-Bahn gefahren. Aber er hat sich tapfer durchgekämpft. Auch wenn der Akku längst leer war und immer noch 20 Kilometer zu bewältigen waren. Über 100 Kilometer hatte der Tacho abends mehr auf der Anzeige. Und es ging immer bergauf. Bis vom Meeresspiegel nach Heiligenberg auf rund 760 Meter Höhe. Und zwischendrin die Schwäbische Alb! „Von Reutlingen nach Trochtelfingen habe ich echt gedacht, ich bekomme die Krise“, sagt er und verdreht die Augen. Wenigstens hatte er nachts immer ein weiches Bett und morgens ein gutes Frühstück, denn übernachtet wurde in Hotels, die er immer eine Stunde vor Ankunft buchte. „Dann konnte ich sicher sein, dass ich es zeitlich schaffe.“

Für den SÜDKURIER zog Christian Bookmeyer extra eine Einsatzjacke der Freunde aus Heiligenberg an.
Für den SÜDKURIER zog Christian Bookmeyer extra eine Einsatzjacke der Freunde aus Heiligenberg an. | Bild: Fahlbusch, Karlheinz

Zurück geht‘s mit dem Mietwagen

Am Donnerstag war Christian Bookmeyer gegen 11 Uhr in Pfullendorf, nachdem er drei Stunden im Regen geradelt war. Da kam der Anruf von Michael Moser. „Du kannst nicht nach Heiligenberg fahren. Da ist alles gesperrt.“ Weitere Argumente kamen aus dem Handy, damit Booky den Umweg über Überlingen nehmen sollte. Von wegen gesperrt! „Die Kameraden waren ja bei der Arbeit und wollten doch zur Begrüßung da sein“, verriet Moser dem SÜDKURIER. Letztendlich hat dann doch alles geklappt und die Freude war groß. Zurück ging es übrigens mit einem Mietwagen.

Sein schönstes Erlebnis hatte Bookmeyer auf dem Weg von Pfullendorf nach Überlingen. „Da kam ich an einem Golfplatz vorbei und sah vor mir den Bodensee liegen. Das war einfach super.“

Michael Moser (rechts) musste viele Tricks anwenden, dass Freund Booky nicht zu früh in Heiligenberg ankam.
Michael Moser (rechts) musste viele Tricks anwenden, dass Freund Booky nicht zu früh in Heiligenberg ankam. | Bild: Fahlbusch, Karlheinz