Drei Grundstücke, um ein Eigenheim zu bauen: In Steigen stellen sich nicht wenige Einwohner die Frage, ob es so etwas überhaupt braucht und vor allem, wer denn da bauen soll. Denn der Baugrund wird nicht billig werden. „So bis 370 Euro pro Quadratmeter“, konnte sich Bürgermeister Frank Amann bei der Gemeinderatssitzung vorstellen, als es um den Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan „Sonnenhalde“ ging. Der Gemeinderat befürwortete das Vorhaben einstimmig.

Widerstand für Planungen

Doch so glatt, wie manche sich das wünschen, wird die Maßnahme wohl nicht umsetzbar sein. Das machen nicht nur die 100 Unterschriften, die im kleinen Steigen gegen das Baugebiet gesammelt wurden, deutlich. Es geht auch um eine angrenzende ehemalige Müllhalde und die technisch aufwendige Entsorgung des Abwassers. Und es geht darum, ob es sich um eine ökologisch wertvolle Naturfläche handelt, wie der Naturschutzbund Nabu Baden-Württemberg in einer Stellungnahme festgestellt hatte.

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Der Naturschutzbund forderte die Gemeinde auf, von der Planung Abstand zu nehmen. Auch der BUND Bodenseekreis sprach sich gegen die Planung aus, auch weil sie sich des Paragrafen 13b des Baugesetzbuches bedient, der eine Bauleitplanung ohne Änderung des Flächennutzungsplans im Parallelverfahren ermöglicht. Zudem fehle laut BUND die aufsichtliche Kontrolle im Rahmen der Genehmigung des Flächennutzungsplans, um zumindest grobe Fehlplanungen oder eine völlige Missachtung von Belangen des Artenschutzes zu verhindern.

Bebauungsplan im beschleunigten Verfahren

Die Gemeinden haben seit dem 13. Mai 2017 die Möglichkeit, Bebauungspläne im beschleunigten Verfahren für den Außenbereich aufzustellen. Die Frist zum Aufstellungsbeschluss für einen Bebauungsplan nach Paragraf 13b endete am 31. Dezember 2019, die Frist für einen Festsetzungsbeschluss am 31.Dezember 2021. Heiligenberg hat also noch über ein Jahr Zeit, die Planungen zu Ende zu bringen.

Waldabstand kann eingehalten werden

Regine Guglielmo vom Planungsbüro Planstatt Senner erläuterte die Bedingungen. So sei das Gelände hervorragend arrondiert, die Versorgungsleitungen seien gelegt und es handle sich um eine Abrundung der bisherigen Bebauung, keine Planung auf der grünen Wiese. Die Planerin hatte zwischenzeitlich auch geklärt, dass der vorgeschriebene Waldabstand von 30 Metern eingehalten werden kann. Es grenze kein Hochwald an und es habe sich Gestrüpp entwickelt, das den Waldsaum darstelle. Laut der Forstbehörde im Landratsamt gebe es keine Einschränkung für die Bebauung, solange das Gestrüpp niedergehalten wird.

Planer stellen neue Variante vor

Drei Einzelhäuser mit maximal zwei Wohneinheiten sollen auf dem Gelände möglich sein. Mehrfamilienhäuser sind nicht erlaubt und die nötigen Stellplätze müssen auf den privaten Baugrundstücken nachgewiesen werden.

Die im Gemeinderat am 8. Oktober vergangenen Jahres vorgestellten Planvarianten hatte Guglielmo um eine weitere Möglichkeit erweitert. Sie legt fest, dass die Firsthöhen der Neubauten nicht drei Meter unter denen der Angrenzer liegen müssen, sondern auf fünf Meter festgeschrieben werden. Die Flachdächer sollen zudem begrünt und die Wohnflächen der Hauptwohnungen auf 100 Quadratmeter begrenzt sein. Barrierefreiheit soll vorgeschrieben werden.

Räte befürworten Vorhaben

In der Diskussion wurde schnell deutlich, dass sich die Räte mit der vorgelegten neuen Variante anfreunden können. Auf Grundlage des Gemeinderatsbeschlusses soll nun ein Entwässerungs- und Erschließungskonzept für die drei Gebäude erstellt werden. „Erst wenn dieses steht und rechtlich schlüssig ist, wird die Offenlage des B-Planes erfolgen. Dies wird frühestens im November 2020 sein“, machte Bürgermeister Frank Amann auf Anfrage des SÜDKURIER deutlich.

Bürgermeister bietet Anwohnern Dialog und Austausch an

Im Gegensatz zu seiner Aussage, mit den Anwohnern nicht mehr sprechen zu wollen, weil er sich von ihnen teilweise angegriffen fühle, soll es nun „vor dem Satzungsbeschluss auf alle Fälle einen Ortstermin mit den Anwohnern und Einsprechern geben, bei dem auch die Höhen und Einmessungen der Gebäude dargestellt werden“. Er biete den Betroffenen „einen offenen Dialog und Austausch an“.

„Sonnenhalde“ Hauptthema bei Bürgerfragerunde

In der Bürgerfragestunde war die „Sonnenhalde“ das Hauptthema. „Muss man den Käufern mitteilen, dass direkt daneben eine ehemalige Müllhalde existiert?“, wollte Beate Nash wissen. „Muss man nicht“, stellte der Bürgermeister fest. Johannes Heinzmann sagte, er hätte sich in der Vergangenheit mehr Dialogbereitschaft seitens des Bürgermeisters gewünscht.

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