Die Sonderausstellung „Luegemol! – Ein Dorf im Wandel“ zeigt rund 120 Fotos des 1922 geborenen Hagnauers Otto Seyfried, der vor allem seit Kriegsende bis zur Jahrtausendwende Hagnau in Bildern festgehalten hat und damit einen rasanten Wandel dokumentiert, der Hagnau vom verschlafenen Bauerndorf zum modernen Tourismusort macht.

Geschichtsvereins-Vorsitzender Rudolf Dimmeler im Hagnauer Museum, wo 120 Fotos in der Ausstellung „Luegemol! – Ein Dorf im Wandel“ gezeigt werden.
Geschichtsvereins-Vorsitzender Rudolf Dimmeler im Hagnauer Museum, wo 120 Fotos in der Ausstellung „Luegemol! – Ein Dorf im Wandel“ gezeigt werden. | Bild: Uwe Petersen

Auch Fotos von Einheimischen

Das wird dem unvoreingenommenen Betrachter vor allem an den Gebäude- und Seefotos deutlich. Die älteren Hagnauer werden sich dagegen mit Freude die vielen Personenbilder anschauen, die aus der Fasnacht, der Fischerei, Ausflügen des Chores und des Gemeinderates oder der Seegfrörne mit Prozession stammen. Hier kann man in Erinnerungen schwelgen oder Ähnlichkeiten zu den Nachkommen suchen. „Unser Verein wird in diesem Jahr 30 Jahre alt. Da haben wir bewusst ein lokales Thema gewählt.“

Ausbaufähig: der „Gasthof Löwen“ in den 50er Jahren.
Ausbaufähig: der „Gasthof Löwen“ in den 50er Jahren. | Bild: Otto Seyfried

Die Ausstellungstexte, also vor allem die Bildüberschriften, waren zunächst alle im Hagnauer Dialekt. „Doch dann hat unsere Graphikerin, die nicht aus Hagnau stammt, moniert, dass sie nicht alles verstehe“, erzählt Dimmeler. Deshalb sind nun alle Texte zusätzlich mehr oder weniger wörtlich übersetzt. Es hätte eine Ausstellung über das alte Hagnau werden können, das Hagnau von 1940 bis 1960. Doch den Verein reizte besonders der Kontrast, der zwischen den frühen Aufnahmen Seyfrieds und den späteren lag. „Das liegt nicht nur an dem Unterschied zwischen Schwarz-Weiß und Farbe, sondern vor allem, wie sich der Ort immer mehr herausgeputzt und entwickelt hat.“ Schon in den 80er Jahren war von dem alten Hagnau nicht mehr viel übrig geblieben, wie die Bilder aus der Ortsmitte belegen.

Vor 70 Jahren war Hagnau noch viel dörflicher. Signifikant ist der Toilettenvorbau am Rathaus, welcher der dort untergebrachten Schule diente. Mitten auf dem Platz (rechte Seite) befindet sich ein kleiner Garten der Anwohner.
Vor 70 Jahren war Hagnau noch viel dörflicher. Signifikant ist der Toilettenvorbau am Rathaus, welcher der dort untergebrachten Schule diente. Mitten auf dem Platz (rechte Seite) befindet sich ein kleiner Garten der Anwohner. | Bild: Otto Seyfried

Fotograf im Dorf sehr engagiert

Die Arbeit der Veranstalter lag diesmal nicht im Materialsammeln, sondern im Aussuchen und Reduzieren. „Wir haben eine Menge Bilder Seyfrieds in unserem Fundus. Leider sind viele nicht beschriftet oder datiert, sodass wir die Daten oft nur schätzen können.“ So fielen einige Bilder heraus, die man überhaupt nicht mehr zuordnen konnte. Herausgekommen ist eine Ausstellung, die nicht nur den Wandel Hagnaus zeigt, sondern stellvertretend auch die rasante Entwicklung der Bundesrepublik in den ersten Jahrzehnten ihres Bestehens.

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Otto Seyfried starb 2007 im Alter von 85 Jahren. Für den gelernten Malermeister war die Fotografie ein Hobby, doch für die Hagnauer hat er damit einen Fundus an Zeitgeschichte geschaffen. Nach seinem Einsatz als Soldat im Deutschen Afrikakorps unter Generalfeldmarschall Rommel von 1941 bis 1942 geriet er in britische Gefangenschaft, aus der er erst im April 1947 zurückkehrte. Er heiratete 1953, hatte acht Kinder, war zehn Jahre im Gemeinderat, davon vier als stellvertretender Bürgermeister. Außerdem engagierte sich Otto Seyfried im katholischen Pfarrgemeinderat und sang im Männergesangverein „Fidelia“.