Uwe Petersen

Man kann es nicht allen recht machen und nicht alle berechtigten Wünsche erfüllen. Diese Binsenwahrheit gilt auch für das Parkplatzproblem in Hagnau. Deshalb möchten Bürgermeister Volker Frede und der Gemeinderat eine möglichst breite Akzeptanz in der Bevölkerung erreichen – und die gibt es erfahrungsgemäß am sichersten, wenn man die Bevölkerung schon in den Planungsprozess einbindet. Genau das tat Hagnau jetzt auch beim Erarbeiten eines Parkraumkonzeptes und versicherte sich der bewährten Hilfe des Translake-Teams aus Konstanz, um diesen Prozess zu steuern.

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Den rund 30 anwesenden Bürgern wurde zunächst die Grundproblematik vor Augen geführt. So hatte eine stichprobenartige Zählung im Sommer ergeben, dass offenbar die kostenlosen Parkplätze im Ortsinneren trotz ihrer Zeitbeschränkung mittels Parkscheibe den kostenpflichtigen Parkplätzen am Ortsrand vorgezogen werden. Da diese Plätze aber sehr rar sind – am Rathaus ist mit zehn regulären und zwei Plätzen für Menschen mit Behinderung noch am meisten Platz -, gibt es als Folge einen Parksuchverkehr, der viele Anwohner und Besucher stört und eigentlich auch völlig unnötig ist. Den Verkehr komplett aus dem Dorf herauszuhalten, stößt aber auf Widerstand der Vermieter und Geschäftsleute, die auf ihre Kunden und den Lieferverkehr angewiesen sind.

Wolfgang Wahl (mit Mikrofon) ist ein alter Bekannter in Hagnau: Er begleitete den Lärmaktionsplan und die Einführung von Tempo 30 in der ...
Wolfgang Wahl (mit Mikrofon) ist ein alter Bekannter in Hagnau: Er begleitete den Lärmaktionsplan und die Einführung von Tempo 30 in der Ortsmitte. | Bild: Uwe Petersen

Um für diese Problematiken zu sensibilisieren und gleichzeitig die Prioritäten der Bürgerschaft zu erfahren, hatten die Organisatoren drei Schritte der Beteiligung eingeplant. Zuerst konnten die Anwesenden auf Klebezetteln die Probleme benennen, die sie selbst im Zusammenhang mit Parkraum im Ort sehen. Dabei sollten sie neben ihrer eigenen Perspektive noch mindestens eine andere einnehmen, um das Problem besser zu erfassen. Vorgegeben waren die Perspektiven Anwohner, Vermieter, aber auch Schulkinder, Menschen mit Behinderung, Fahrradfahrer oder Lieferverkehr. In einem zweiten Schritt sollten genau zu diesen Problemen Lösungen gefunden werden. Die gesammelten Ideen dieser beiden Schritte wurden vom Translake-Team kurz für alle Anwesenden zusammengefasst.

Stimmungsbild aus Klebepunkten

Im dritten und letzten Schritt dieses Abends konnten die Hagnauer mit Klebepunkten auf fünf Plakaten Schwerpunkte in einem sogenannten Stimmungsbild setzen. Ein Ergebnis war, dass zwar eine knappe Mehrheit für die Beibehaltung der öffentlichen Parkplätze im Ortskern votierte, allerdings mit großer Mehrheit der Meinung war, dass diese kostenpflichtig werden sollten. Ob die innerörtlichen Parkplätze überhaupt für Touristen oder nur für Einheimische offen stehen sollten, da waren sich die Anwesenden offensichtlich mit sich selbst nicht einig: Während auf Stimmungsbild 3 eine deutliche Mehrheit gegen touristisches Parken im Ortskern votierte, sprach sich in Stimmungsbild 5 eine ebenso große Mehrheit für das Gegenteil aus.

Eine der gut genutzten Parkflächen im Ortsinneren ist die vor dem Rathaus. Soll sie auch in Zukunft kostenlos nutzbar sein? Das soll im ...
Eine der gut genutzten Parkflächen im Ortsinneren ist die vor dem Rathaus. Soll sie auch in Zukunft kostenlos nutzbar sein? Das soll im neuen Konzept festgelegt werden. | Bild: Uwe Petersen

Nahezu einig waren sich die Bürger allerdings in der Frage, nicht auf das eigene Auto zugunsten der Umwelt verzichten zu wollen. Themen für die nächsten Monate gibt es also genug, in die die gesammelten Erkenntnisse der Veranstaltung einfließen werden.