Zwei Jahre lang hat sich der Gemeinderat mit dem Bebauungsplan für das dringend benötigte Gewerbegebiet „Langbrühl Ost“ befasst, das die letzte Chance zur Vergrößerung bestehender Gewerbe in Hagnau darstellt. Neue Gewerbe dürfen laut Regionalplan in Hagnau nicht angesiedelt werden. Das Gebiet liegt direkt gegenüber dem bestehenden Gewerbegebiet „Langbrühl“ und wird von diesem durch die Ittendorfer Straße getrennt. Vor allem die Firma ACE hatte gedrängt; aber auch einige Hagnauer Handwerker haben dringenden Bedarf. Doch immer neue Einwände hatten neue Gutachten erfordert, die die Planung zeitlich verzögerten und zum Teil Änderungen erforderten, so dass die geplante Erschließung erst jetzt erfolgen kann.

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Verzögerungen kostete „höhere fünfstellige“ Summe

Horst Müller wollte wissen, wie viel Zeit und wie viel Geld die Verzögerungen in Summe gekostet hätten. „Zeitlich ist das ziemlich genau ein Jahr“, konnte Bürgermeister Volker Frede angeben. „Die Kosten müsste ich Ihnen berechnen, sie liegen aber auf jeden Fall in einem höheren fünfstelligen Bereich.“ Denn nicht nur die vielen nachgeforderten Gutachten kosteten Geld, sondern auch der verspätete Beginn für die Erschließungen.

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„Alle Gutachten öffentlich gemacht“

Als letztes Gutachten war im April ein sogenanntes „Verschattungsgutachten“ erstellt worden, nachdem vorher bereits eine Entwässerungsplanung, der übliche Umweltbericht, eine Untersuchung zum Artenschutz, eine schalltechnische Untersuchung und eine Untersuchung zum Kaltluftabfluss vorgelegt wurden. Planer Helmut Hornstein konnte nun abschließend feststellen, dass keine neuen Einwände gegen das Vorhaben mehr vorlägen. Die Vermutung einer Privatperson, es gebe „zurückgehaltene Unterlagen“ wies er entrüstet zurück: „Wir haben immer alle Gutachten öffentlich gemacht. Es gibt keine Gutachten „eines anderen Verfassers“, wie der Vorwurf behauptet.“

Die Firma ACD braucht dringend Platz für ihre Fertigung. Hier der Blick in eine Halle mit Heißpressen, in denen die Fensterrahmen für den Airbus A 350 gebacken werden. Marijo Radic (vorne) und Andreas Gerliz bestücken gerade zwei der Maschinen.
Die Firma ACD braucht dringend Platz für ihre Fertigung. Hier der Blick in eine Halle mit Heißpressen, in denen die Fensterrahmen für den Airbus A 350 gebacken werden. Marijo Radic (vorne) und Andreas Gerliz bestücken gerade zwei der Maschinen. | Bild: Uwe Petersen

„Verschattungs-Gutachten“ gilt auf für Oktober

Der letzte Vorwurf gegen das Verschattungsgutachten, es sei nicht aussagekräftig, weil der Monat Oktober nicht berücksichtigt sei, wurde durch die Antwort des Gutachters ebenfalls entkräftet. Dieses Gutachten untersucht den Schattenwurf möglicher Gebäude auf die benachbarten Obst- und Weinbauflächen und damit ihren Einfluss auf die Reifung der Früchte. Das Gutachten kommt dabei zu dem Ergebnis, dass die geplante Bebauung „nur einen vernachlässigbar geringen Einfluss“ auf die Einstrahlung habe. Sein Fazit lautet: „Insgesamt ist daher maximal von einer leichten zusätzlichen Verschattung der Weinanbauflächen nach der Realisierung der Plangebäude auszugehen.“ Dies gelte auch im Oktober. So konnte der Gemeinderat endlich die vorliegende Fassung des Bebauungsplanes einstimmig zur Satzung erklären.

Anmerkung der Redaktion

Wegen eines Versehens wurde an dieser Stelle am 28. Juli 2020 ein Text zum Thema veröffentlicht, der noch einem früheren Sachstand entsprach. Diesen Fehler, für den wir uns entschuldigen, haben wir am 29. Juli durch den hier vorliegenden Artikel korrigiert.