Wenn Gemeinderat Mathias Urnauer seine Trauben erntet und zur Annahme in den Hagnauer Winzerverein bringt, dann schwingt Nostalgie mit; denn der Hobbywinzer, der nur noch eine kleine Parzelle selbst bewirtschaftet, sitzt dann voller Stolz auf dem Familienerbstück „Porsche Volksschlepper AP 17“, der von der Firma Allgaier in Manzell gefertigt wurde.

„Läuft ja noch genauso wie vor 70 Jahren“

„Der ist jetzt 70 Jahre alt“, erzählt Urnauer und setzt sich mit Schwung in den sattelähnlichen Sitz des kleinen Gefährts, das mit 950 Kilogramm ein echtes Leichtgewicht ist. „Für meine Zwecke reicht der vollkommen; der läuft ja noch genauso wie vor 70 Jahren.“ Nicht er sei langsamer geworden, sondern die Welt um ihn herum schneller – auch die modernen Schlepper.

Damals, das war im Oktober 1950. Anton Urnauer, der Großvater von Mathias Urnauer, war eigentlich Schreiner, aber hatte in eine Landwirtschaft eingeheiratet und war so zwangsläufig zum Landwirt geworden.

Die Rechnung vom 28. Oktober 1950.
Die Rechnung vom 28. Oktober 1950. | Bild: privat

Landwirt, das hieß damals auch in Hagnau noch nicht Winzer: Reben hatte man nur nebenbei, neben Obst und Vieh. „Mein Opa hatte zwei Kühe und später auch einen Milchladen“, erzählt Urnauer. „Durch den Laden wurde die Landwirtschaft zum Nebenerwerb.“

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Vielleicht, so vermutet der Enkel, hat sich der Großvater mit dem Traktor den ungeliebten Job als Landwirt attraktiver machen wollen. „Das war damals auch ein Familiengefährt, mit dem mein Opa sonntags Ausflüge in die Umgebung gemacht hat.“ Das hatte wohl auch seine Bank vermutet, die mit dem Kredit zunächst gezögert hatte, erzählt er: „Man muss bedenken, dass die meisten damals noch Tiere für die Landarbeit einsetzten.“

„Das war damals auch ein Familiengefährt, mit dem mein Opa sonntags Ausflüge in die Umgebung gemacht hat.“
Mathias Urnauer, Gemeinderat

Als sich Hagnau immer mehr auf den Weinbau ausrichtete und die Reben dabei enger standen als früher, „passte der Traktor nicht mehr durch die Reben. Die modernen Traktoren im Weinbau sind wesentlich schmaler.“

Niemand brauchte einen neuen Traktor

Doch weder Anton noch sein Sohn Hermann brauchten einen neuen Traktor: Das lohnte sich nicht für die wenigen eigenen Reben, die sie neben dem Laden bewirtschafteten. Stattdessen verpachteten sie die Flächen und behielten nur einige Reben in der Nähe ihres Hauses. „Doch der Trekker blieb immer im Einsatz; wir hatten bis heute keinen anderen.“

Knalliges Orange ist die Originalfarbe

Das knallige Orange ist die Originalfarbe von Porsche, natürlich vor einigen Jahren überholt. „Den gebe ich nicht ab“, betont Urnauer und ergänzt: „Ich bin zwar kein Porsche-Traktor-Sammler und kenne mich daher nicht besonders gut mit der Entstehungsgeschichte oder den technischen Daten aus. Mir liegt nur viel daran, den Traktor weiter zu hegen und zu pflegen, da er für mich ein Stück Familiengeschichte darstellt.“

Deshalb hütet er auch sorgfältig die Unterlagen: den alten Fahrzeugbrief, die Rechnung über 4735,80 DM und „ein gutes Buch, in dem ich alles über unseren Traktor nachlesen kann“.

Listenpreise wurden damals noch im Fahrzeugbrief vermerkt.
Listenpreise wurden damals noch im Fahrzeugbrief vermerkt. | Bild: privat

Seit 2016, als er die Reben von seinem Vater übernahm, ist er auch Herr über die 18 PS des Oldtimers. „Ich wollte die Reben immer schon behalten. Eigentlich wäre ich gerne Winzer geworden. Aber da kann ich jetzt nicht mehr einsteigen: Außer dem Traktor fehlt uns der gesamte Maschinenpark.“

Und so wird er die Reben am Haus mit Frau Karin und mit seiner Mutter auch weiterhin von Hand bearbeiten und sich darauf freuen, den kurzen Weg von seinem Grundstück zum Winzerverein mit dem alten AP 17 zurücklegen zu dürfen.

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