Zunächst machte Saible klar, um welche Fragen es hauptsächlich geht und wer hinter den beiden Hauptpositionen steht. Die eine Seite unterstützt den sogenannten "Planungsfall 7.5" mit einigen speziellen Abwandlungen, weshalb sie sich "B 31 neu Bündnis Pro 7.5 Plus" nennt. Dieses Bündnis besteht neben der Hagnauer Initiative aus der Immenstaader Initiative BIB, dem Stettener "team b31 neu", dem Winzerverein Hagnau, dem BLHV-Ortsverein Hagnau und der Kreis-SPD.

Der Planungsfall 7.5 sieht eine Trasse im Hinterland vor, die von Meersburg aus hinter Stetten entlang führt und südlich von Ittendorf am Immenstaader Sportplatz vorbei zum festliegenden Knoten in Fischbach führt. Doch nicht nur die Trasse ist umstritten, sondern auch die Ausbauqualität: Wie breit soll die neue Trasse werden? Das Bündnis Pro 7.5 fordert einen vierspurigen Ausbau, damit auch langfristig der steigende Verkehr bewältigt werden kann.

Ganz anders sehen es die Meersburger Initiative MIK und ihre Partner. Das sind die Stadt Markdorf, Initiativen aus Ittendorf und Efrizweiler, die Naturschutzverbände LNV, BUND und Nabu, der Verkehrsclub VCD, die Ortsgruppe Markdorf des BLHV und einige Grüne. Sie bevorzugen unter dem Motto "Ausbau statt Neubau" eine Erweiterung der bestehenden Trasse, genannt "Planungsfall 01". Um Hagnaus Verkehrsprobleme zu lösen, sieht diese Variante einen Tunnel durch den Hang am Weingarten vor.

Das ist ein Hauptkritikpunkt der Hagnauer. Karl Megerle ereiferte sich geradezu, als er vom Wein sprach: "Wir haben hier eine alte Kulturlandschaft. Die Anbauflächen der Reben können nicht einfach verschoben werden, wie es vielleicht beim Obstbau möglich ist. Dieser Tunnel würde uns rund 15 Hektar Rebfläche kosten. Auch der gesamte Tourismus würde unter der langen Bauzeit und einer riesigen Baustelle leiden. Damit würde aber der Markt für unseren Wein, den wir zur Hälfte selbst vermarkten, für Jahrzehnte einbrechen."

Karl Megerle, Winzerverein: "Die Anbauflächen der Reben können nicht einfach verschoben werden, wie es vielleicht beim Obstbau möglich ist."
Karl Megerle, Winzerverein: "Die Anbauflächen der Reben können nicht einfach verschoben werden, wie es vielleicht beim Obstbau möglich ist." | Bild: Uwe Petersen

Die vorgesehene Fragerunde beschränkte sich auf eine Frage von der Meersburgerin Bettina Zimber, inwieweit man mit der MIK rede. Da zeigte sich die Crux im Kreis: Saible gab zu, dass Funkstille herrsche. Das war das Stichwort für Wolfgang Mannes vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu): "Wir müssen es doch schaffen, jenseits der Diskussion um Trassen wenigstens für gute Ausgleichsmaßnahmen gemeinsam zu kämpfen."

Wolfgang Mannes vom Naturschutzbund (stehend) macht Vorschläge zu gemeinsamen Aktionen der streitenden Parteien.
Wolfgang Mannes vom Naturschutzbund (stehend) macht Vorschläge zu gemeinsamen Aktionen der streitenden Parteien. | Bild: Uwe Petersen