Das alles geschieht in Zusammenarbeit mit dem Landratsamt Bodenseekreis, das die Nistkästen in den Weissenauer Werkstätten des ZfP Südwürttemberg bauen lässt und üblicherweise den Obstbauern anbietet. "Ist das nicht auch etwas für uns Winzer?", fragte sich Wilfried Hund, der die Idee beim Winzerverein vorbrachte, und nach den positiven Rückmeldungen bei der Behörde vorsprach. Das Ansinnen traf auf Zustimmung; 20 Nisthilfen wurden bestellt und geliefert. Und da ein Hotel ein Speiseangebot vom Frühstücks-Buffet bis zum Abendessen offeriert, passte die Spende des Winzervereins, der 20 Kilo Blumenwiesen-Samen kostenlos an seine Mitglieder verteilt hatte, wie Karl Megerle, Vorsitzender des Winzervereins, anmerkte: "Wir wollten von uns aus etwas für die Bienen tun."

In den "Eigentumswohnungen" unterschiedlicher Bauweise legen Wildbienen ihre Eier ab: In den Bohrlöchern im Holz, in Tonziegeln oder im Schilfrohr.
In den "Eigentumswohnungen" unterschiedlicher Bauweise legen Wildbienen ihre Eier ab: In den Bohrlöchern im Holz, in Tonziegeln oder im Schilfrohr. | Bild: Christiane Keutner

Die Initiative und dass sie von den Winzern ausging, begeisterte auch Gerd Odenwälder, Biologe beim Umweltschutzamt des Kreises: "Es ist wichtig, dass die Tiere das ganze Jahr etwas zu fressen haben, auch wenn die Blüte beendet ist." Die Wildbienen legen Eier in die Bohrlöcher, die "Räume", und bringen Pollen und Nektar ein. Korrekterweise handelt es sich eher um "Eigentumswohnungen" als um Zimmer auf Zeit. Hier sind etliche Singlehaushalte anzutreffen, denn viele Wildbienen leben solitär, als Einzelwesen.

Pflanzenvielfalt fürs Überleben

Auch Pflanzenvielfalt ist wichtig. Manchmal nimmt eine Wildbiene nur eine bestimmte Blume an. Auf Wein fliegen sie generell nicht; deswegen sind Blütenstreifen notwendig. "Jede zweite Gasse wird regelmäßig umgebrochen und Kleearten, Leguminosen, eingesät, um die Bodenstruktur und die Artenvielfalt zu verbessern", so Karl Megerle. Er verwies darauf, dass der Winzerverein Hagnau schon immer umweltschonenden Anbau zu seinem Thema gemacht hat. Hubert Gutemann nickt: "Wenn wir am Boden Artenvielfalt haben, fördern wir auch die Artenvielfalt bei Tieren."

Drahtgeflecht schützt vor Räubern

Die Kästen bleiben das ganze Jahr draußen. Biologe Gerd Odenwälder schwärmt von den Wildbienen, die bereits im März und, wie Hummeln, auch bei bedecktem Himmel fliegen. Die "Hotel"-Kästen wurden optimiert. Damit die Gäste nicht zum gefundenen Fressen für Vögel werden, ist das Gebäude aus Holz mit Hasendraht überspannt, der Bienen von Reiskorngröße bis zu drei Zentimetern den Durchschlupf ermöglicht. Optimal sei eine Bauweise aus Altholz.

Viele Arten nisten im Boden

Etwa ein Viertel der Wildbienenarten mietet sich in den mehrstöckigen Hotels ein, drei Viertel bevorzugen das Erdgeschoss im ursprünglichen Sinn: Sie bleiben am Boden. Deshalb sei offener Boden so wichtig, so Gerd Odenwälder. Hinter der Idee der Nisthilfen steht auch Stephanie Megerle aus Hagnau, Bodensee- und Badische Weinprinzessin: "Wir leben in und mit der Natur. Sie zu schützen ist uns ein wichtiges Anliegen."

230 Wildbienenarten sind in Deutschland vom Aussterben bedroht

  • Bodenseekreis sponsert: 30 Nisthilfekästen für Wildbienen werden in diesem Jahr mit Geld aus dem Kreispflegeprogramm für Biotop- und Landschaftspflege gefördert. 20 davon hat der Winzerverein Hagnau angeschafft, um den immer weniger werdenden Insekten ein Zuhause zu geben. Der Landkreis fördert die Nistkästen mit insgesamt rund 2000 Euro, die Aufsteller übernehmen einen Eigenanteil von etwa 30 Euro pro Kasten.
  • Wildbienen: Es gibt 30 000 Wildbienenarten weltweit, in Deutschland zwischen 500 und rund 570 Arten, in Baden-Württemberg wurden rund 500 gezählt. Sie sind zwischen 1,3 Millimeter und drei Zentimeter groß. Viele leben solitär, also als Single, und sind auf eine einzige Pflanze als Nahrungsquelle angewiesen. Wer im Garten oder auf dem Balkon Wildblumen sät, kann zum Erhalt von Wildbienen beitragen. Über 230 deutsche Wildbienenarten stehen auf der Roten Liste, sind also vom Aussterben bedroht.
  • ZfP Weissenau: Die Weissenauer Werkstätten des ZfP Südwürttemberg im Kreis Ravensburg sind Teil der beruflichen Reintegration psychisch behinderter Menschen in der Region Bodensee-Oberschwaben. In der Holzwerkstatt entstehen die Nisthilfen für die Wildbienen unter fachlicher Anleitung qualifizierter Arbeitserzieher und Ergotherapeuten. (keu)