Es war eine spannende Wahl um die Badische Weinkönigin, zu der die Bodensee-Weinprinzessin Stephanie Megerle am 8. Juni in Freiburg antrat, um den badischen Wein zu vertreten. "In der ersten Runde wurde entschieden, welche drei in den zweiten Wahlgang kommen", erzählt sie. "Zwischen diesen dreien geht es dann nur darum, wer die Badische Weinkönigin wird. Die anderen beiden sind dann automatisch die beiden Prinzessinen."

Keine weitere Karriere als Hoheit mehr möglich

Ihr Traumziel Badische Weinkönigin hat sie nicht erreicht. Damit ist auch ihre Karriere in diesem Bereich zu Ende. "Jetzt geht nichts mehr: Ich darf mich nirgends mehr bewerben, auch nicht als Königin." Aber sie ist trotzdem glücklich. "Das Amt als Weinprinzessin macht so viel Freude, man leckt richtig Blut. Da freue ich mich, dass ich durch diese Wahl meine Gesamtzeit um neun Monate verlängert habe. Verlängerung, weil meine Aufgaben fast identisch sind. Zwar ist der Bereich jetzt größer und wahrscheinlich bin ich auch auf mehr Messen; aber etwas ganz Neues wird nicht dazu kommen."

Von Kellermeistern und Winzern viel gelernt

Drei amtierende Weinhoheiten und die Mannschaft vom Winzerverein Hagnau: vorn in der Mitte die Bodensee- und Badische Weinprinzessin Stephanie Megerle mit Anita Schmid.
Drei amtierende Weinhoheiten und die Mannschaft vom Winzerverein Hagnau: vorn in der Mitte die Bodensee- und Badische Weinprinzessin Stephanie Megerle mit Anita Schmid. | Bild: Uwe Petersen

Weinprinzessin werde man nicht "eben so", sondern man müsse viel wissen und immer wieder üben, erzählt sie. "Dabei haben mir viele Leute geholfen. Anita Schmid, die ja selbst einmal Weinkönigin war, hat mir gute Tipps geben können. Von den Kellermeistern Jochen Sahler aus Hagnau und Harald Gutemann vom Staatsweingut habe ich sehr viel gelernt und Fabian Dimmeler hat mir einiges über den Verband erzählt." Letztlich habe sie das alles weitergebracht, obwohl sie durch ihr Zuhause – ihr Vater Karl Megerle ist Winzer und Vorsitzender des Winzervereins – und durch ihr Amt als Bodensee-Weinprinzessin schon ein breites Wissen hatte. Stephanie Megerle betont, gingen die Bewerberinnen mit Ernsthaftigkeit an ihre Aufgabe. "Wir sind alle echte Fachfrauen, die sehr viel über Wein wissen, nicht irgendwelche Dummchen, die man in ein Dirndl steckt, weil sie hübsch aussehen sollen."

Fünf Weinhoheiten: (von links) die frühere Bodensee-Weinprinzessin Stephanie Staneker, die Badische Weinkönigin Miriam Kaltenbach, Bodensee- und Badische Weinprinzessin Stephanie Megerle, die Weinprinzessin vom Kaiserstuhl Sinja Hornecker und die frühere Badische Weinprinzessin Katharina Kammerer.
Fünf Weinhoheiten: (von links) die frühere Bodensee-Weinprinzessin Stephanie Staneker, die Badische Weinkönigin Miriam Kaltenbach, Bodensee- und Badische Weinprinzessin Stephanie Megerle, die Weinprinzessin vom Kaiserstuhl Sinja Hornecker und die frühere Badische Weinprinzessin Katharina Kammerer. | Bild: Uwe Petersen

So beschreibt sie auch ihre Tätigkeit. "Wir sind Botschafterinnen für unseren guten Wein und wollen den Menschen zeigen, wie sie selbst Geschmack entwickeln können und welcher Wein ihnen zu welchem Essen am besten schmeckt. Sie sollen auch lernen, dass man den Mut haben sollte, zum Essen zwei verschiedene Weine zu trinken."

Reich wird man als Weinprinzessin nicht. "Das ist ein Ehrenamt", erklärt sie. "Wir bekommen nur eine kleine Aufwandsentschädigung. Ohne die Liebe zum Wein kann man das nicht machen." Denn auch Freizeit bleibt ihr kaum mehr. "Aber das macht nichts; denn die Aufgabe selbst macht so viel Spaß, dass man das verschmerzen kann." Und es ist ja nur für eine begrenzte Zeit. Das Dirndl ist übrigens nicht mehr vorgeschrieben. "Auf Weinfesten und ähnlichen Terminen passt das natürlich am besten; aber sonst können wir je nach Anlass auch modern oder elegant gekleidet sein. Bei einer Weinprobe für ein Geschäftsessen zum Beispiel würde das Dirndl nicht passen."

"Ich glaube, meine Eltern waren aufgeregter als ich"

Hagnaus Bürgermeister Volker Frede gratuliert den frisch gebackenen Weinhoheiten, der Badischen Weinkönigin Miriam Kaltenbach und der Bodensee- und Badischen Weinprinzessin Stephanie Megerle, mit Blumen.
Hagnaus Bürgermeister Volker Frede gratuliert den frisch gebackenen Weinhoheiten, der Badischen Weinkönigin Miriam Kaltenbach und der Bodensee- und Badischen Weinprinzessin Stephanie Megerle, mit Blumen. | Bild: Uwe Petersen

Ihre Eltern stehen voll hinter ihr. "Die sind sehr stolz und waren natürlich mit in Freiburg. Diesmal waren sie noch aufgeregter als beim ersten Mal – und ich glaube, sie waren auch aufgeregter als ich." Aber dass sie sich überhaupt zur Wahl stellte, "das war alles mein eigener Plan. Deshalb ist es wohl auch so spät. Ich hätte mir früher nie vorstellen können, mal ein Krönchen zu tragen. Jetzt habe ich meinen eigenen Kopf und habe mich selbst entschlossen, weil ich bei meinen Vorgängerinnen gesehen habe, wie viel Spaß sie hatten und wie viel sie erlebt haben."

Jetzt hat sie gleich zwei Krönchen, die sie je nach Gelegenheit trägt. "Die neue Krone ist einheitlich für Königin, Prinzessinnen und die Prinzessinnen der Bereiche mit badischem Wappen. Nur beim Bodensee geht das nicht, weil bei uns noch Württemberg und Bayern dazu gehören."

Volker Frede: "Hagnau ist fast so stolz auf sie wie ihre Eltern"

Die neue Badische Weinprinzessin Stephanie Megerle sollte bereits vor zwei Wochen offiziell von der Gemeinde empfangen werden. Doch nach dem tödlichen Unfall eines Winzers war den Hagnauern nicht zum Feiern zumute. Das wurde gestern im Saal des Winzerhauses nachgeholt und zog mit Kapelle und Winzerpersonal rund 300 Menschen ins Haus.

Stephanie Megerle, die seit September 2017 Bodensee-Weinprinzessin ist und bis September 2018 beide Ämter parallel bekleiden wird, gedachte auch in der fröhlichen Runde des verstorbenen Winzers. Sie betonte, wie gut in Hagnau und besonders im Winzerverein die gegenseitige Hilfe funktioniere. Spontan hatten sich die Winzer bereit erklärt, arbeitsteilig die Reben des Opfers zu bearbeiten und so der Familie die Jahresernte zu retten.

Die Badische Weinkönigin Miriam Kaltenbach war gekommen, um ihre Prinzessin ins Amt zu geleiten. Sinja Hornecker, Weinprinzessin vom Kaiserstuhl, feierte ebenso mit wie die beiden Vorgängerinnen von Stephanie Megerle, Katharina Kammerer als Badische und Stephanie Staneker als Bodensee-Weinprinzessin. Miriam Kaltenbach schilderte, wie sehr Stephanie Megerle Hagnau, den Hagnauer Wein und den Bodensee im Herzen trage. Sie bestätigte, „dass hier am See eine ganz andere Luft weht als bei uns zu Hause.“

Bürgermeister Volker Frede versicherte, es wundere ihn nicht, dass Stephanie Megerle gewählt worden sei. „Es wäre vielmehr eine Überraschung gewesen, wenn sie es nicht geworden wäre.“ Hagnau sei fast so stolz auf sie, wie ihre Eltern es seien. Pfarrer Matthias Schneider gab eine geheimen Wunsch preis: „Ich warte schon seit Jahren darauf, mal eine Weinprinzessin verheiraten zu dürfen.“