Dass Hagnau auch jenseits der B 31 Verkehrsprobleme hat, zeigte das große Interesse, auf das die Einladung von Bürgermeister Volker Frede zu einem Bürgergespräch im Ratssaal über die saisonale Verkehrsberuhigung in der Seestraße stieß. Rund 35 Teilnehmer, davon die meisten Vermieter oder Geschäftsleute im betroffenen Gebiet, bewerteten die 2017 erstmals getroffenen Maßnahmen und machten sich Gedanken über mögliche Verbesserungen. Frede hatte den Abend mit demselben Motto eröffnet, das er im März bereits im Gemeinderat geäußert hatte: "Nichtstun ist keine Alternative." Jetzt wollte er mit den Bürgern ins Gespräch kommen, wie die Maßnahmen von ihnen und ihren Gästen aufgenommen wurden, was positiv und was negativ gesehen wird und schließlich, was man in Zukunft tun sollte, um das Aufeinandertreffen der Verkehrsteilnehmer ruhiger und gefahrloser zu gestalten. Ein Grund ist auch, dass sich die Beschwerden von Gästen über den Verkehr laut Frede "zu 70 Prozent auf die Seestraße beziehen, nicht auf die B 31".

Zu Beginn präsentierte Bernd Saible von der Verkehrsinitiative VIHaB, der dann auch den Abend moderierte, die Ergebnisse einer stichprobenartigen Verkehrszählung im September. Dabei ergab sich, dass nicht einmal ein Viertel der Radfahrer das Absteige-Gebot befolgte. "Nach meiner Beobachtung sind das noch deutlich weniger, eher fünf oder zehn Prozent statt 22", vermutete Eva-Maria Matzat und erntete dafür viel Zustimmung. "Die übrigen werden teilweise sehr aggressiv, wenn man sie darauf anspricht", erzählte ein Teilnehmer.

Die Mehrheit der Anwesenden (27) war der Meinung, dass Maßnahmen ergriffen werden müssen. Nur fünf meinten, es gehe ohne. Die Gäste hätten ebenfalls überwiegend positiv reagiert. Man solle eher noch mehr tun als weniger, wurden sie zitiert. Dieser Meinung waren auch die Anwesenden. Man müsse die Beschilderungen sehr viel deutlicher machen, war ein mehrfach gebrachter Einwurf. Ob mit Neonfarben, Blinklichtern oder größeren Tafeln: Auf jeden Fall müsse der Radverkehr aus Richtung Meersburg schon frühzeitig darauf hingewiesen werden, dass es für Durchfahrer eine Umleitung gebe. Doch müsse das alles freundlich geschehen. Denn, so Mathias Urnauer: "Radfahrer sind auch Gäste."

Harald Gutemann verwies darauf, dass man den Bodensee-Radwanderweg offiziell umleiten müsse. "Bis jetzt geht der ja durch die Seestraße und ist so auch in den Navis verzeichnet." Er sprach sich dafür aus, die Seestraße im Sommer ganz zur Fußgängerzone zu machen. Eine Idee, die an dem Abend mit 20 Personen und nur einer Gegenstimme gut ankam. Nun ist der Gemeinderat an der Reihe. "Bis zum Jahresende werden wir eine gute Lösung für nächstes Jahr finden", versprach Frede.


Verkehrsberuhigungen

Der Verkehr nimmt in Hagnau seit Jahrzehnten stark zu. In den letzten Jahren fallen immer mehr Radfahrer und E-Biker auf, die möglichst seenah bleiben wollen und teilweise mit hoher Geschwindigkeit durch die Seestraße fahren – zum Unmut der zahlreichen Fußgänger. Um hier Abhilfe zu schaffen, hatte der Gemeinderat im März eine Regelung zur "saisonalen Verkehrsberuhigung" von April bis September beschlossen. Der Autoverkehr wurde auf die Anlieger beschränkt, die Radfahrer sollten entweder absteigen und schieben oder die Umleitung via Kapellen-, Hansjakob- und Strandbadstraße fahren. Diese Regelung galt in der Seestraße und ihren direkten Zubringern.