Die Winzer gehören noch zu denjenigen, die in diesem Sommer getrost die Sonne satt genießen können. Ihren Reben und den reifenden Trauben tun die hohen Temperaturen derzeit in der Regel noch gut und lassen im Moment nur positiv auf den Leseherbst blicken.

Noch tangieren die zuletzt zahlreichen tropischen Nächte am See auch nicht die Ausbildung der wichtigen Aromastoffe in den Trauben, sagt Fabian Dimmler vom Badischen Weinbauverband.
Noch tangieren die zuletzt zahlreichen tropischen Nächte am See auch nicht die Ausbildung der wichtigen Aromastoffe in den Trauben, sagt Fabian Dimmler vom Badischen Weinbauverband. | Bild: Fabiane Wieland

Wo andere Landwirte unter trockenen Böden und sinkenden Erträgen mächtig zu leiden haben, stehen die Winzer derzeit noch auf der Seite der Gewinner. Dieses vorläufige Fazit kann Fabian Dimmeler, Bereichsvorsitzender für den Bodensee beim Badischen Weinbauverband, ziehen. „Die Weinrebe kam ja ursprünglich aus dem Süden und ist von Haus aus eine wärmeliebende Pflanze“, erinnert er an deren grundlegende Eigenschaften.

Reben stehen gut im Saft

Alte Reben sind bekannt dafür, dass sie sehr tief wurzeln. Deshalb sind sie auch trockenresistent, wenn sie nicht gerade auf sehr durchlässigen sandigen oder kiesreichen Böden stehen. Hinzu kommt, dass die Zeilen zwischen den Reben inzwischen meist durch Begrünung gegen eine zu starke Austrocknung geschützt sind. Lediglich Junganlagen stehen unter verschärfter Beobachtung, betont der Fachmann und Verantwortliche für den Bereich Bodensee. Ja, noch stünden die meisten Reben so gut im Saft, dass sie nach wie vor viel neues Laub austreiben.

Von der Trockenheit sind nur kleinere Flächen betroffen

„Wir müssen schon jetzt noch einmal durch die Rebanlagen gehen und Blätter entfernen“, erklärt Fabian Dimmeler. Auch werde man einige Trauben herausschneiden und den Ertrag reduzieren, damit die süßen Früchte nicht in Stress geraten. „Es gibt bei uns im Bereich Bodensee nur wenige Streifen mit kiesigen Böden, die schnell austrocknen“, sagt Dimmeler. Betroffen von der Trockenheit seien allenfalls kleinere Flächen zum Beispiel südlich der B 31 bei Immenstaad oder in Harlachen bei Hagnau.

Hauptanbausorte ist und bleibt der Spätburgunder

Mit Wasser versorgt werden müssten lediglich diese kleineren Bereiche von den Winzern, die sich ansonsten keine großen Sorgen wegen der Trockenheit zu machen brauchten. „Lediglich bei den Junganlagen müssen sie ein Auge darauf haben und schauen, dass nichts anbrennt“, erklärt der Winzerchef vom See. Von dem viel beschworenen, klimabedingten Rebsortenwechsel hält Dimmeler nicht viel. „Es gibt ja schon vereinzelte Flächen, auf denen auch Cabernet Sauvignon oder Merlot angebaut wird“, erklärt der Hagnauer und fügt hinzu: „Doch aus meiner Sicht wird das immer eine Nische bleiben. Unsere Hauptanbausorte ist und bleibt der Spätburgunder.“

Die lang anhaltende Hitze in diesem Sommer hat dem Wein bislang nicht geschadet.
Die lang anhaltende Hitze in diesem Sommer hat dem Wein bislang nicht geschadet. | Bild: Fabiane Wieland

Noch tangiere die zuletzt zahlreichen tropischen Nächte am See auch nicht die Ausbildung der wichtigen Aromastoffe in den Trauben. „Entscheidend sind hier die letzten Wochen vor der Weinlese“, erklärt Dimmeler. „Soweit sind wir noch nicht.“ Der Wechsel von warmen Tagen und kühlen Nächten und die damit verbunden Frischluftströmungen gelten als einer der wichtigsten Faktoren für die Qualität, insbesondere die filigrane Struktur bei den weißen Rebsorten.

Abgerechnet wird am Schluss

„Wer weiß, vielleicht ist es uns Ende August schon viel zu kalt“, bleibt der Bereichsvorsitzende betont gelassen. „Abgerechnet wird erst am Schluss“, sagt er und ist momentan „sehr optimistisch.“ Für den Rotwein seien die Bedingungen ohnehin im Moment geradezu traumhaft und lassen schon die tollen Resultate von 2003 vorausahnen. „Wenn wir nicht im September noch viel Regen bekommen und die Fäulnis einsetzt,“ erklärt Fabian Dimmeler und will den Wein nicht vor der Ernte loben beziehungsweise bevor er im Fass ist.