Hagnau – Die Hagnauer Gästezahlen steigen und steigen. Nach einem leichten Einbruch in den Jahren 2013 und 2014 wurde 2016 das Rekordjahr 2015 noch einmal deutlich übertroffen. "Das Jahr 2016 war für uns erfolgreich und ereignisreich", befand auch Bürgermeister Volker Frede in seiner Funktion als Vorsitzender des Tourismusvereins bei dessen Hauptversammlung im gut gefüllten Reinhard-Sebastian-Zimmermann-Saal. Dabei bezog er sich nicht nur auf die vielen Feste und Veranstaltungen, die Hagnau so attraktiv machten, sondern auch auf die Schwierigkeiten rund um die Echt-Bodensee-Card (EBC). Diese war zwar im Gemeinderat vor knapp zwei Jahren noch unter Bürgermeister Simon Blümcke beschlossen worden, aber im vergangenen Jahr von den Vermietern heftig kritisiert und als zu teuer und zu uninteressant abgelehnt worden. Eine probeweise Teilnahme Hagnaus war von den Organisatoren abgelehnt worden. Nun will man die Erfahrungen der Pilotgemeinden in den nächsten Monaten abwarten, um dann bei einer außerordentlichen Sitzung des Tourismusvereins eine Entscheidung zu treffen.

Tourismus-Leiterin Sarah Lade hatte erfreuliche Nachrichten im Gepäck: Der Tourismus in Hagnau befindet sich auf Kurs. Rekordzahlen bei Ankünften und Übernachtungen (siehe Infokasten), eine nur minimal gesunkene Aufenthaltsdauer von immer noch guten 5,1 Tagen, eine Bettenauslastung von 59,84 Prozent und eine Stärkung der Nebensaison zeugen von der Attraktivität Hagnaus als Urlaubsziel. Auch die Veranstaltungen in Hagnau und die Sonderfahrten mit dem Schiff nach Stein am Rhein und auf die Mainau seien erfolgreich gewesen.

Die Seelinie bekomme in der Schweiz neben Altnau eine neue Station in Güttingen. In Hagnau hätten vor allem der Seelauf, die Konzertreihen und die Ferienspiele große Resonanz erzeugt.

Weniger Zustimmung erreichte sie bei der Versammlung mit ihren Ergebnissen einer Gästebefragung zur EBC, die durchweg positiv ausfiel. Die Datenbasis sei mit 632 befragten Gästen zu dünn und zufällig. "Die Camper sind sowieso höchsten zu fünf Prozent dafür", warf Helmut Müller ein, der den Hagnauer Campingplatz betreibt. Er schlug vor, es solle doch jeder Gast und jeder Gastgeber selbst entscheiden, ob er diese Karte wolle. Auch andere Vermieter hatten Sorge, dass ihre Gäste diese Karte nicht wollten, schon gar nicht bei einer Anhebung der Kurtaxe. Werner Hiestand bedauerte, dass wegen der EBC die Bodensee-Team-Card abgeschafft worden sei: "Da kommt natürlich Freude auf, wenn man so etwas Gutes kaputtmacht." Umstritten war auch die Einführung der elektronischen Gäste-Anmeldung (unten). Siegfried Henkenhaf fand, dass die Meldescheine aus Papier ausreichten: "Wozu solch ein Monster, wenn es bisher gut funktioniert hat." Helmut Müller sprach ein weiteres Problem an: "Wir haben immer mehr Gäste, aber weniger Plätze in der Gastronomie. Der Gast ist heute nicht mehr gewillt, stundenlang zu warten. Der will schnell etwas zu essen bekommen, sonst wird er nervös."

Gästezahlen

45 348 Ankünfte stellen einen neuen Rekord für Hagnau und ein Plus von 4,2 Prozent dar (2015: 43 497). Das ergab eine Übernachtungszahl von 233 232 (224 326; plus vier Prozent) und eine Verweildauer von 5,1 Tagen (Vorjahr: 5,2). Zählt man die 46 000 Besucher der Campingplätze dazu, ergibt sich eine Gesamtzahl von rund 280 000 Übernachtungen (plus 5,2 Prozent). Stark aufgeholt haben dabei die Wintermonate Dezember bis Februar mit zusammen 1905 Übernachtungen (2015: 1161; 2014: 756). Die meisten Gäste wohnen in Hotels (41,17 Prozent) gefolgt von Ferienwohnungen (31,87 Prozent) und Pensionen (22,24 Prozent). Der Anteil der ausländischen Gäste beträgt 5,75 Prozent. Wie in den Vorjahren liegt die Schweiz dabei vorn (6394) vor den Niederlanden (1366) und Belgien (1012). Auch die Reihenfolge der Bundesländer ist gleich geblieben: Baden-Württemberg (51 231) vor Nordrhein-Westfalen (43 554), Bayern (20 528), Hessen (18 210) und Rheinland-Pfalz (14 350).

Meldeschein und elektronische Anmeldung

Eigentlich sollte der herkömmliche Meldeschein aus Papier aufgegeben und komplett durch die elektronische Anmeldung ersetzt werden. Das hätte – so Tourismus-Leiterin Sarah Lade – erhebliche Vorteile für alle Beteiligten. So werde zum Beispiel die pünktliche Abgabe der Meldedaten, aber auch die genaue Berechnung der Kurtaxen-Beiträge automatisiert. Stammgäste müssten nicht jedes Mal neu erfasst werden, der Gast könne seine Daten schon vorab ins System eingeben. Auch die Gästekarte könne bereits vor der Anreise vorbereitet werden.

Doch das überzeugte nicht alle Vermieter. Die sahen ihren eigenen Arbeitsaufwand höher als bisher oder konnten sich mit dem neuen System prinzipiell nicht anfreunden. Auch das Angebot aus dem vergangenen Jahr, die Mitarbeiterinnen der Tourist-Information würden bei dem Einstieg helfen, wurde skeptisch gesehen. Gar von "Monster" wurde gesprochen. Jetzt bekamen die Skeptiker vorläufig höchstrichterlichen Beistand: Die Gesetzeslage in Baden-Württemberg lasse eine verpflichtende Umstellung auf die neue Technik nicht zu. Bis zu einem neuen Gesetz existieren also beide Verfahren nebeneinander. (up)