Hagnau – Es kommt für viele überraschend: Nach 30 Jahren als Amtsleiter in Hagnau beendet Olaf Stelzl seine Rathauskarriere. Er vereinte die Aufgaben des Hauptamts, des Ordnungsamts, des Bauamts und des Ortsbaumeisters in seiner Person. Zum 9. Juli wechselt Stelzl als Wirtschaftsleiter ins Alten- und Pflegeheim Wespach in Salem. "Ich brauche immer wieder eine neue Herausforderung", erklärt er seine Entscheidung. "Bisher hatte ich diese in meiner Tätigkeit selbst; aber da habe ich jetzt alles Mögliche erreicht."

Verabschiedung in der Gemeinderatssitzung

Wehmut klingt in seiner Stimme mit, wenn er von seiner Zeit in Hagnau erzählt, die für ihn noch mehr Gegenwart als Vergangenheit ist. Da war die Verabschiedung im Rahmen der Gemeinderatssitzung. "Das war ein schwerer Tag für mich", gesteht Stelzl. "In den 30 Jahren ist mir Hagnau sehr ans Herz gewachsen. Es ist sehr bewegend, wenn man sich erinnert, wie viele schöne Momente man erlebt hat."

Frede: "Wandelndes Lexikon für Verwaltung"

Zum Abschied einen Geschenkkorb: Bürgermeister Volker Frede verabschiedete Olaf Stelzl (rechts).
Zum Abschied einen Geschenkkorb: Bürgermeister Volker Frede verabschiedete Olaf Stelzl (rechts). | Bild: Uwe Petersen

Auf seine Verdienste spielte auch Bürgermeister Volker Frede an. "Sie sind in dieser Zeit vom Gemeindeinspektor zum Gemeindeamtsrat geworden, haben unter den Bürgermeistern Wersch, Blümcke und Frede gearbeitet und haben im Laufe der Jahre ihr Fachwissen kontinuierlich erweitert, sodass sie heute ein wandelndes Lexikon für Verwaltung sind. Meinen Dank spreche ich Ihnen ganz persönlich und im Namen der Gemeinde aus." Hedi Meichle schloss sich im Namen des Gemeinderats diesem Dank an und überreichte Olaf Stelzl einen Gutschein: "Wir wollen dir als Dank für die lange Zeit eine Freude machen."

Rückblick auf Bau des Gwandhauses

Wenn er zurückdenkt, fallen ihm spontan einige besonders prägende Erlebnisse ein. "Da war zunächst die Zeit, in der ich mit Roland Wersch zusammen Aufbauarbeit leisten und die ganze Verwaltung modernisieren musste. Damals waren wir auch räumlich sehr beengt; schließlich war die Schule noch im Rathaus untergebracht." Das änderte sich mit dem Bau des Gwandhauses. "Das war sehr aufrührend und auch emotional belastend, weil das ganze Dorf gespalten war." Schließlich konnte nach zwei Bürgerentscheiden der Bau 2001 fertiggestellt werden.

Vier Wahlgänge für Simon Blümcke

Mit gemischten Gefühlen erinnert er sich auch an die Wahl von Simon Blümcke zum Bürgermeister. "Das ganze Wahl-Procedere war ein Kuriosum. Mit insgesamt vier Wahlgängen, wobei Blümcke im dritten gar nicht selbst kandidiert hatte, aber trotzdem gewählt wurde, hat das die ganze Republik auf Hagnau schauen lassen. Wir hatten Sonderberichte in verschiedenen Fernsehsendern und im 'Spiegel'. Das Ganze ist heute noch ein Lehrbeispiel an den Hochschulen für das Wahlrecht in Baden-Württemberg."

Gemeindewerk als besondere Herausforderung

Beruflich war die Gründung der Hagnauer Gemeindewerke 2007 in der Ära Blümcke etwas Besonderes für Stelzl. "Als ich damals als Geschäftsführer bestellt wurde, musste ich mich völlig neu einarbeiten. Denn hier war privatwirtschaftliches Denken gefragt. Das ist ein ganz anderes Berufsfeld als das Arbeiten in einer öffentlichen Verwaltung."

Stelzl: "Starke soziale Verwurzelung in Salem"

Doch jetzt, nach elf weiteren Jahren, suchte er nach etwas Neuem. Durch Zufall sah er im Staatsanzeiger die Anzeige für die Stelle in Wespach. "Das war eine Initialzündung", beschreibt er diesen Moment. "Als ich die Anzeige gesehen habe, war mir klar: Das will ich!" Kurzerhand bewarb er sich und bekam prompt eine Zusage. "Dass der Stiftungsrat mich einstimmig gewählt hat, freut mich besonders." Zwei Gründe nennt er für seine Begeisterung: Zum einen habe er eine starke soziale Verwurzelung in Salem, weil er dort seit vielen Jahren auf verschiedenen Ebenen Sport betreibt. Zum anderen habe er dort unmittelbaren Kontakt zu den Menschen. "Dieser soziale Aspekt der Tätigkeit reizt mich besonders."

Zurzeit genießt er seinen Resturlaub mit vielen Ausflügen in die Berge und räumt parallel seinen Schreibtisch auf und aus. Das "schönste Büro am Bodensee", wie er es gern nennt, wird für ihn bald Geschichte sein.