Hagnau - Nach mehreren öffentlichen Auslagen im Rathaus und einer Vielzahl von Stellungnahmen zu den Entwürfen des Bebauungsplanes „Gewerbegebiet Langbrühl Ost“ hofft Bürgermeister Volker Frede jetzt auf ein zügiges Verfahren. „Zum jetzigen Stand ist der Satzungsbeschluss im Januar geplant“, verkündete er den Räten auf Nachfrage optimistisch. Zuvor muss der geänderte Plan allerdings erneut ausgelegt werden. 

Landwirte sehen ihre Interessen gefährdet

Vorausgegangen war ein ganzes Bündel von Einwendungen einiger Landwirte, die durch das neue Gewerbegebiet eine Beeinträchtigung ihrer Interessen sehen. Die Bedenken richteten sich gegen den geringen Abstand der Baugrenzen zur Grenze des Areals, gegen eine mögliche Behinderung des Kaltluftabflusses, eine eingeschränkte Abflussmöglichkeit von Wasser bei Starkregen – zumal eine Beschädigung der Drainage nicht ausgeschlossen werden könne –, gegen eine zu starke Lärmbelästigung naher Wohnungen, gegen Beeinträchtigungen eines benachbarten Biotops und der in diesem Gebiet wandernden Amphibien. Außerdem befürchteten sie, dass die exponierte Lage des Gebietes Bauherren dazu animieren könnte, verstärkt Wohnraum zu erstellen.

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Vor allem die Punkte Kaltluft, Lärm und Artenschutz machten neue Expertisen nötig. Helmut Hornstein, der mit der Planung dieses Gebietes beauftragt ist, stellte nun der Öffentlichkeit den stark geänderten Plan vor. Punkt für Punkt ging er auf die Einwendungen ein, erläuterte die Änderungen, wo sie nötig und möglich seien, und erklärte die Fälle, in denen die Planung so bleiben könne. Alle Änderungen für sich sowie die Gesamtplanung wurden vom Gemeinderat einstimmig beschlossen.

Im neuen Gewerbegebiet darf nur im Ausnahmefall gewohnt werden

Die Maßnahmen im Einzelnen: Die Fläche selbst wird als „eingeschränktes Gewerbegebiet“ ausgewiesen. Damit sind nur Betriebe zugelassen, „die das Wohnen nicht wesentlich stören“. Wohnraum auf dem Gelände selbst darf nur in Ausnahmefällen, in geringem Umfang und nur für Betriebsleiter entstehen. Die Abstände der Bebauung zur Grenze des Gebietes wurden durchgängig auf mindestens fünf Meter erhöht. Der Abstand zum Biotop auf der Südseite wurde auf zehn Meter festgelegt.

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Die Entwässerung wurde über die Neuanlage von Gräben und Versickerungsmöglichkeiten so geplant, dass sie auch ohne eine vorhandene Drainage funktioniert. Eine Lüftungsschneise sorgt für ausreichenden Abfluss von Kaltluft. Schließlich dienen verschiedene Maßnahmen wie die Anlage eines Grünstreifens und Bau eines Krötentunnels dem Artenschutz.

Kritik an Landwirten, die nur auf sich selbst schauen

„Mit jedem Schritt, jedem Gutachten, jeder Maßnahme wird es teurer“, bedauerte Bürgermeister Volker Frede. „Aber das sind rechtsstaatliche Verfahren, mit denen wir leben müssen.“ Gemeinderat Horst Müller sah das nicht so locker: „Das ist doch alles nur der Versuch, das Gewerbegebiet zu verhindern“, polterte er. „Es gibt schließlich nicht nur die Interessen von Landwirten, sondern auch die von Handwerkern. Die müssen wir doch auch beachten!“

Einwendungen

41 Seiten umfasst die Synopse der Einwendungen, die Helmut Hornstein den Räten vorstellte. Die meisten Einwendungen konnten so eingearbeitet werden, dass die Planung die befürchteten Auswirkungen mildert oder ganz verhindert. Damit – so hoffen Hornstein und Bürgermeister Volker Frede – ist der Entwurf abgesichert und erlaubt eine zügige Umsetzung. „Viele Betriebe warten dringend auf ihre Fläche. Wir wollen nicht, dass sie wegziehen“, so Frede. Denn es ist nicht nur auf Jahrzehnte die einzige Fläche, die dem Hagnauer Gewerbe für mögliche Erweiterungen zur Verfügung steht, sondern sie darf auch nur für die Eigenentwicklung genutzt werden, also für Betriebe, die in Hagnau angesiedelt sind. (up)

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