Die Hagnauer sind ein kritisches Völkchen. So scheiterte nicht nur im Jahr 2014 die Neugestaltung des Uferparks an einer Bürgerbefragung, sondern ebenfalls noch unter Bürgermeister Simon Blümcke 2015 der Beitritt zur damals neuen Echt-Bodensee-Card (EBC). Die Vermieter hatten sich mit großer Mehrheit dagegen ausgesprochen und taten das auch in den Folgejahren bei verschiedenen Veranstaltungen. Ihre Argumente: zu ineffektiv, zu viel Aufwand für Kleinvermieter, zu teuer für den Gast.

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Vermieter stimmen im August mehrheitlich für Einführung

Jetzt hat sich die Stimmung offenbar gewandelt. Am 27. August waren alle Vermieter zu einer Informationsveranstaltung eingeladen. Von den anwesenden 51 Gastgebern waren 30 für die EBC, 16 dagegen und fünf neutral. Noch deutlich als diese 58,8 Prozent Zustimmung war das Ergebnis, bezogen auf die Bettenanzahl der Vermieter: Dort waren es 72,5 Prozent Zustimmung, weil vor allem die größeren Betriebe die Karte wollen. Aber auch von den Kleinstbetrieben mit höchstens fünf Betten waren etwas mehr als 50 Prozent für die Einführung.

Urs Bröcker: „Wir vergeben uns ja nichts, denn wenn wir merken, dass sie uns nichts bringt, können wir nach der Probezeit wieder aussteigen.“
Urs Bröcker: „Wir vergeben uns ja nichts, denn wenn wir merken, dass sie uns nichts bringt, können wir nach der Probezeit wieder aussteigen.“ | Bild: Archiv

Gemeinderat beschließt Einstieg zum 1. April 2020

Dieses Ergebnis, von Touristikchefin Barbara Schmidt präsentiert, war Ausschlag geben für den Gemeinderat, in seiner jüngsten Sitzung endgültig für die Einführung der Echt-Bodensee-Card zu stimmen. „Wir vergeben uns ja nichts, denn wenn wir merken, dass sie uns nichts bringt, können wir nach der Probezeit wieder aussteigen“, argumentierte Urs Bröcker. Sollte die Karte, die zum 1. April 2020 eingeführt wird, nicht den gewünschten Erfolg haben, kann die Zusammenarbeit nach der Saison 2021 aufgekündigt werden.

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Die einzige Nein-Stimme kam von Luzia Werner. Sie monierte, dass „in der Einladung zu dem Treffen der Gastgeber nicht explizit erwähnt war, dass dort ein Meinungsbild erstellt“ werde. Deshalb könne man das Ergebnis nicht werten. Dem hielt Bröcker entgegen, dass ja nicht die Vermieter entscheiden. „Die sind nur ein Faktor für unsere Beschlussfindung.“ Horst Müller ergänzte: „Die Bettenzahl ist überwältigend dafür. Die Vollgastgeber sollten endlich das bekommen, was sie wollen.“

Forderung: Bodo muss effektiver auf Veranstaltungen reagieren

Mathias Urnauer und Thilo Brändle sahen die Zeit reif für eine Zustimmung, da sich das Angebot insgesamt verbessert habe. Sie forderten aber von der anwesenden Geschäftsführerin der Deutsche Bodensee Tourismus, Ute Stegmann, dass der Verkehrsbetreiber Bodo effektiver auf touristische Veranstaltungen reagiere. „Es nützt nichts, wenn ich den Bus kostenlos benutzen kann, wenn er dann so voll ist, dass ich nicht mehr mitkomme.“ Dem stimmte Stegmann zu: „Wir müssen zusammen mit Bodo das Angebot verstärken und es damit für die Touristen attraktiver machen. Das muss ganz nah am Bedarf der Gäste sein.“

Renate Staneker: „Ich war erst auch dagegen; aber meine Gäste fragen immer mehr danach, wo und wann der Bus abfährt. Die fahren vermehrt öffentlich.“
Renate Staneker: „Ich war erst auch dagegen; aber meine Gäste fragen immer mehr danach, wo und wann der Bus abfährt. Die fahren vermehrt öffentlich.“ | Bild: Archiv

Gäste nutzen vermehrt öffentliche Verkehrsmittel

Volker Frede verwies zudem auf die guten Erfahrungen aus Immenstaad, die 2019 eingestiegen waren. „Für uns ist es hilfreich, deren Erfahrungen zu hören. Dort sind vor allem die Gäste zufrieden. Das ist ja das eigentliche Ziel und letztlich der Mehrwert auch für die Gastgeber.“ Dem schloss sich Renate Staneker an: „Ich war erst auch dagegen; aber meine Gäste fragen immer mehr danach, wo und wann der Bus abfährt. Die fahren vermehrt öffentlich.“

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