Herr Dimmeler, Sie hatten beim Adventskonzert ihren letzten Auftritt als Schlagzeuger der Musikkapelle und vor einigen Monaten bereits Ihr Amt als stellvertretender Kommandant der Feuerwehr abgegeben. Ist das ein Eintritt in den Ruhestand auf Raten?

Nein, so kann man das nicht sehen. Ich bin ja beruflich voll eingespannt. Ich habe mir das schon seit zwei oder drei Jahren überlegt. Da spielen vor allem gesundheitliche Gründe eine Rolle, denn ich habe Rückenprobleme und dafür ist die große Trommel Gift, vor allem, wenn man unterwegs ist. Mir hat das Spielen immer Spaß gemacht und beim Adventskonzert war viel Wehmut dabei. Aber für mich ist es das Richtige.

Die Hagnauer Musikkapelle bei ihrem Adventskonzert. An der Trommel hinten rechts steht Hermann Dimmeler.
Die Hagnauer Musikkapelle bei ihrem Adventskonzert. An der Trommel hinten rechts steht Hermann Dimmeler. | Bild: Uwe Petersen

Und bei der Feuerwehr?

Da mache ich ja noch als einfaches Mitglied mit. Als Kommandant hätte ich wegen neuer Bestimmungen wieder einige Lehrgänge gebraucht. Darauf hatte ich keine Lust mehr. Im Ernstfall, wenn Not am Mann ist, kann ich immer noch Gruppenführer oder sogar Einsatzleiter sein, aber nicht mehr von Amts wegen.

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Wie kamen Sie überhaupt zum Schlagzeug?

Ich hatte eigentlich keine Lust auf Instrumente, aber einmal bin ich bei der Fasnacht als Trommler eingesprungen. Das hat mir Spaß gemacht und ich habe Schlagzeugunterricht genommen und in einer Tanzkapelle mitgespielt. 1977 bin ich dann als Schlagzeuger in die Musikkapelle eingestiegen. Es war für mich auch eine Möglichkeit, in Gesellschaft zu bleiben. Denn beruflich bin ich ja oft alleine. Alle Kumpel spielten bereits ein Instrument, da wollte ich dann auch nicht draußen bleiben. Die Musikkapelle und auch der Fanfarenzug, in dem ich zehn Jahre parallel war, waren da eine schöne Abwechslung.

2017 erhielten Hermann Dimmeler (links) und Edgar Bader (Mitte) vom stellvertretenden Präsidenten des Blasmusikverbandes Bodenseekreis, Egbert Benz, für 40 Jahre als aktive Musiker die Ehrennadel in Gold mit Diamanten.
2017 erhielten Hermann Dimmeler (links) und Edgar Bader (Mitte) vom stellvertretenden Präsidenten des Blasmusikverbandes Bodenseekreis, Egbert Benz, für 40 Jahre als aktive Musiker die Ehrennadel in Gold mit Diamanten. | Bild: Uwe Petersen

Wie hat Ihr Umfeld das denn angenommen? Schließlich ist das Üben am Schlagzeug ja ziemlich laut.

Das war überhaupt kein Problem. Zum einen habe ich meinen Überaum im Keller gehabt, da hat das keinen gestört. Und dann waren wir zeitweise zu fünft in der Kapelle: mein Vater und wir vier Geschwister. Auch jetzt sind mein Sohn Michael und meine Tochter Simone noch in der Kapelle, allerdings mit Saxofon und Flöte.

Ist der Zeitpunkt ihres Rückzugs für die Kapelle nicht sehr ungünstig, wo ja auch Ihr Schlagzeugkollege Philipp Gotterbarm aus beruflichen Gründen gerade pausiert?

Das darf kein Grund sein, denn sonst darf man nie aufhören. Mangel an Instrumenten haben wir fast in jedem Register. Außerdem ist jetzt auch Julius Happel wieder da, der wegen seines Studiums einige Jahre weg war.

Im Winter steht Hermann Dimmeler oft an seinem Brennofen. Hier verarbeitet er gerade Äpfel zu Hochprozentigem.
Im Winter steht Hermann Dimmeler oft an seinem Brennofen. Hier verarbeitet er gerade Äpfel zu Hochprozentigem. | Bild: Uwe Petersen

Was ist das Besondere an Ihrem Instrument?

Der Vorteil ist sicher, dass wir am Schlagzeug viel weniger Registerproben haben, sondern fast nur bei den Gesamtproben eingesetzt werden. Wir müssen wohl auch etwas weniger üben. Dafür haben wir vor einem Konzert aber einen großen Aufwand beim Auf- und Abbauen. Und beim Marschieren trägt man immer ein Gewicht vor sich her. Das belastet doch sehr, vor allem wenn man älter wird.

Was waren für Sie die besonderen Höhepunkte in den 41 Jahren in der Musikkapelle?

Die musikalischen Höhepunkte waren jedes Jahr die Weihnachtskonzerte vor großem Publikum. Ansonsten waren auch die Besuche bei unserer Freundschaftskapelle in Reit im Winkl immer sehr schön. In Erinnerung sind mir noch einige Hochzeiten, die Teilnahme am Musikantenwettstreit und 2017 das Wertungsspiel in Wittenhofen. Das sind so Dinge, die noch in meinem Kopf drin sind. Toll sind auch die Konzerte auf dem Löwenplatz.

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Und bei der Feuerwehr?

Da werde ich oft „Katastrophen-Kommandant“ genannt. In meine Amtszeit fielen der Flugzeugabsturz über Überlingen und das Hochwasser. Insgesamt hatten wir in dieser Zeit wohl mehr Einsätze als in meinen 15 Jahren als stellvertretender Kommandant.

Jetzt sind sie Ehrenmitglied der Musikkapelle. War's das?

Nein, nur als aktiver Musiker. Ich habe seit 1977 alle Weinfeste mitgemacht und werde auch in Zukunft für den Verein da sein, wenn es etwas zu tun gibt.