Rund 50 Anwohner der Seestraße waren auf Einladung von Bürgermeister Volker Frede zum Bürgergespräch ins Rathaus gekommen, um sich über die neuen Vorschläge zur "saisonalen Verkehrsberuhigung" in der Seestraße zu informieren und darüber zu diskutieren. Sie hatten großteils mit ihren Protesten dafür gesorgt, dass der Ratsbeschluss vom 20. Februar, der für diese Saison aus der Seestraße eine Fußgängerzone machen wollte, schon im März wieder aufgehoben wurde.

"Zu bürokratisch und aufwendig", befanden die meisten Anwohner. Denn sie selbst hätten Berechtigungsscheine erwerben müssen und ihren Gästen für die Dauer ihres Aufenthaltes ebenfalls Karten aushändigen müssen. Dabei waren zum Ärger von Frede auch falsche Zahlen im Spiel. "Kosten von 50 Euro, 30 Euro und 10 Euro pro Schein wurden genannt. Richtig wäre 10,20 Euro gewesen." Auch dass die Gäste zahlen müssten, war seinen Angaben zufolge eine Falschinformation, die zur Erhitzung der Gemüter beigetragen hatte und manchen Teilnehmer jetzt noch beunruhigte.

Doch Bürgermeister und Gemeinderat hatten längst einen Kompromiss gesucht und trotz einiger Bedenken seitens der Behörden im Landratsamt auch gefunden: Die Fußgängerzone wird kombiniert mit einem Anliegerverkehr. Die eingeschränkte Nutzung für Radfahrer bleibt bestehen. "Das ist ganz sicher nicht so wirksam wie die reine Fußgängerzone", mutmaßte Frede. Denn jetzt dürfen Anwohner, Besucher und Kunden wieder ungehindert mit dem Auto einfahren. "Aber das Schild für die Fußgängerzone wirkt vielleicht doch stärker als eine reine Anliegerregelung, wie wir sie 2017 hatten." Und er fügte hinzu: "Ich glaube, was an Bedenken im Raum stand, ist damit aufgegriffen."

Die anschließende Diskussion drehte sich zunächst vor allem um den Radverkehr. "Autos sind gar nicht so sehr ein Problem", meinten viele und Edgar Weißbacher hatte auch eine Erklärung dafür: "Die haben erstens Angst um ihr Auto und zweitens ist im Sommer kaum Platz da, um schneller zu fahren." Die Radfahrer, von denen nur die wenigsten wirklich abstiegen, seien die eigentliche Gefährdung der Spaziergänger, die gemütlich durch Hagnau schlendern wollen.

Eva-Maria Matzat wollte wissen, ob denn die radfahrenden Gäste auch als Anlieger zählten. "Dann kann man sie als Anlieger aber nicht erkennen", fürchtete sie den Unmut der Fußgänger gegen ihre Gäste. Frede musste zugeben, dass das eine Schwachstelle an der neuen Regelung sei, die aber nicht zu ändern sei. Heike Winder schlug vor, statt der unscheinbaren weißen Tafel doch lieber das Verbotsschild mit rotem Rand aufzustellen. "Das ist in Kombination mit der Fußgängerzone leider nicht erlaubt", bedauerte Frede. Emile van Hoogdalem schlug Schwellen zur Verkehrberuhigung vor. "Die sind bei uns in Holland sehr erfolgreich." Dem pflichtete Edgar Weißbacher bei, äußerte aber generelle Zweifel zur Regelung: "Das funktioniert in keiner Stadt; warum soll es ausgerechnet hier funktionieren."

Thomas Braunger freute sich darüber, dass die ursprünglich vorgesehene Lösung vom Tisch ist. "Das Ding wäre gekommen, wenn wir Anwohner uns nicht gewehrt hätten." Dabei sei eine Fußgängerzone rechtlich gar nicht so einfach möglich: "Das wäre eine Umwidmung der Straße. Die ist aber zum Teil im Besitz der Anwohner; diese Verträge zu ändern, wäre recht aufwendig." Er brachte als Idee eine Einbahnstraßenregelung ins Spiel, die Frede als ebenfalls gute Möglichkeit zur Kenntnis nahm. Paul Dimmeler hatte Sorge wegen der Umleitung der Radfahrer durch Kapellen- und Hansjakobstraße. "An der Einmündung des Rosenwegs ist diese Strecke sehr gefährlich, weil man dort kaum etwas sieht. Außerdem haben wir dann am Löwenplatz das Chaos." Er forderte ein beidseitiges Parkverbot an der Kapellenstraße, größere Schilder, die besser wahrgenommen würden, und stellte die Frage, ob man es nicht ganz lassen könne.

Dem widersprachen Bürgermeister Frede und Bernd Saible von der Verkehrsinitiative vehement. Saible gab zu bedenken, dass 70 Prozent der Gäste in der Vergangenheit die Seestraße als Problem für Fußgänger bezeichnet hätten. "Sie betrachten sie offenbar als eine Art Flaniermeile." Auch zeigten Videoauszählungen, dass die Zahl der Radfahrer ein echtes Problem sei. Frede schloss den Abend mit dem Hinweis, dass jeder Versuch besser sei, als alles so zu lassen. Man werde die Regelung vom 10. Mai bis zum 15. Oktober laufen lassen und nach der Saison die Ergebnisse diskutieren, um je nach Einschätzung vielleicht 2019 wieder etwas Neues auszuprobieren.

Die Vorgeschichte

Der touristische Verkehr hat in Hagnau seit Jahrzehnten stark zugenommen. Autofahrer, Fußgänger und Radfahrer kommen sich in der Seestraße immer wieder in die Quere. Um hier Abhilfe zu schaffen, hatte der Gemeinderat im März 2017 eine Regelung zur "saisonalen Verkehrsberuhigung" beschlossen, die von April bis September umgesetzt wurde. Der Autoverkehr wurde auf die Anlieger beschränkt, die Radfahrer sollten entweder absteigen und schieben oder die Umleitung über die Kapellen-, Hansjakob- und Strandbadstraße fahren. Der Erfolg war mäßig, wie eine Bürgerversammlung zum Thema im Oktober ergab. Für 2018 hatte der Rat im Februar als nächsten Versuch eine Fußgängerzone geplant. Doch jetzt regte sich heftiger Widerstand der Anwohner, die sich und ihre Gäste durch die erforderlichen Berechtigungsscheine eingeschränkt fühlten.