Dass er nicht mehr für ein Amt kandidieren würde, hatte FZ-Chef Johannes Arnold bereits vor zwei Jahren angekündigt. Jetzt tritt er nach 24 Jahren im Vorstand, davon die letzten sechs Jahre als Vorsitzender, zurück ins zweite Glied. Ab sofort ist er nur noch einfaches, aber aktives Mitglied. „Ich war jetzt einfach reif dafür“, begründet er seine Entscheidung nach 30 Jahren im Fanfarenzug Hagnau. „Außerdem ist mir das zu viel organisatorische Arbeit. Wenn ich noch länger gemacht hätte, hätte ich danach vielleicht ganz aufgehört. Das möchte ich aber auf gar keinen Fall.“

So kennt man ihn; doch solche Bilder sollen der Vergangenheit angehören: Nach 30 Jahren hängt Johannes Arnold die Landsknechttrommel an den Nagel und steigt als "Bassfanfare" ein.
So kennt man ihn; doch solche Bilder sollen der Vergangenheit angehören: Nach 30 Jahren hängt Johannes Arnold die Landsknechttrommel an den Nagel und steigt als "Bassfanfare" ein.

Denn dem Fanfarenzug gilt seine große Liebe. Über Freunde war der Frenkenbacher 1988 zum FZ Hagnau gekommen, nachdem er vorher schon zwei oder drei Jahre bei den Schalmeien in Kippenhausen gespielt hatte. Im FZ hatte er von Beginn an getrommelt. „Anfang 1988 habe ich eine Landsknechttrommel, Noten und eine Kassette zum Nachspielen bekommen und habe damit losgelegt.“ Schon am 3. Juni hatte er seinen ersten Auftritt bei einer Hochzeit. Seitdem war er als Trommler nicht mehr wegzudenken: Souverän überragt er auf der Bühne alle anderen an Zentimetern und an Coolness, wenn er seine Trommel schlägt, als sei sie ein Teil von ihm.

Oder so: Hier ist Johannes Arnold in der Mitte zu sehen.
Oder so: Hier ist Johannes Arnold in der Mitte zu sehen.

Schnell rutschte er auch in den Vorstand. 1990 wurde er zweiter Vorsitzender, "zuerst unter Bernd Heim, dann unter Renate Meichle-Hiller, meiner Schwägerin". Er war gleich voll engagiert, "weil mich der FZ interessiert hat. Ich hatte und habe dort viele Freunde, die ich nicht mehr missen möchte“. Nach 18 Jahren gab er den Posten 2008 an Michael Leiss ab, kam aber wider Erwarten 2012 erneut in den Vorstand – diesmal als Vorsitzender. „Das war aus der Not heraus, weil es sonst keiner gemacht hätte. Und das ausgerechnet in unserem Jubiläumsjahr.“ Aber er hatte sich schon damals als Übergangslösung begriffen. „Ich stehe nicht gern in der Öffentlichkeit und hatte ja 2008 eigentlich auch gedacht, mit der Vorstandsarbeit abzuschließen.“

Seine besondere Liebe gilt der Meersburger Partnerstadt San Gimignano. Als Gasttrommler beim FZ Meersburg (fünfter von links, hier beim Einzug auf den Domplatz) war er bis jetzt jedes Mal dabei.
Seine besondere Liebe gilt der Meersburger Partnerstadt San Gimignano. Als Gasttrommler beim FZ Meersburg (fünfter von links, hier beim Einzug auf den Domplatz) war er bis jetzt jedes Mal dabei.

Seine trommlerischen Fähigkeiten führten zu der Anfrage des befreundeten Fanfarenzugs Meersburg, ob Arnold als Verstärkung bei dessen Auftritten in der Partnerstadt San Gimignano mitmachen wolle. „Wenn die Meersburger zum Mittelalterfest Ferie delle messi gefahren sind, bin ich jedesmal dabei gewesen. Ich glaube, das sind jetzt 15 Jahre“, erzählt er mit einem Strahlen im Gesicht. Denn San Gimignano ist für ihn so etwas wie eine zweite Liebe geworden. „Das ist so herzlich dort und ich habe so viele Freunde gefunden und gute Kontakte zu vielen. Ich fiebere jedes Jahr darauf hin.“

Selbst im Jahr 2016, als der Landwirt kurz zuvor durch einen schweren Unfall kaum gehen konnte, ließ er es sich nicht nehmen, trotz Schmerzen mitzulaufen. „Das war schon grenzwertig“, gibt er heute zu; doch sein Bein hat mitgemacht – „zum Glück“. Auch seine Reise zur Silberhochzeit 2017 ging natürlich in die Toskana. Denn er wollte seiner Frau Michaela, die selbst in der Musikkapelle aktiv ist, „sein“ San Gimignano zeigen. „Das war toll. Wir haben jeden Tag Leute getroffen, die ich kannte. Wenn man privat da ist, wird man auch noch einmal ganz anders wahrgenommen. Selbst am letzten Tag, als ich dachte, jetzt habe ich alle gesehen, die ich kenne, haben wir abends beim Essen noch einmal Bekannte entdeckt.“

Hier ist er als Gasttrommler beim FZ Meersburg in San Gimignano rechts außen zu sehen.
Hier ist er als Gasttrommler beim FZ Meersburg in San Gimignano rechts außen zu sehen.

Nun ist also Schluß – zumindest mit der Vorstandsarbeit. „Ich habe mir fest vorgenommen, nichts mehr zu machen, sondern nur noch als einfaches Mitglied mitzuspielen. Mir hat die Vorstandsarbeit viel Spaß gemacht und ich möchte sie nicht missen. Aber jetzt reicht’s mir. Man muß auch ´mal nein sagen – das habe ich jetzt gemacht.“ Als inzwischen Dienstältester FZler überhaupt und Zweitältester nach Jahren will er jetzt etwas für sich tun. Dazu gehört ein weiterer Einschnitt. „Ich will mein Leben neu aufstellen. Deshalb werde ich ein neues Instrument spielen. Ich wollte schon länger etwas Neues probieren. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt gekommen.“ Die Trommel wandert an den Nagel; stattdessen übt er seit einigen Monaten die Bassfanfare. „Nach so vielen Jahren ein neues Instrument zu lernen, ist ein großer Schritt. Es ist auch schwerer, als ich gedacht hatte.“ Dennoch hofft er, "dass die Meersburger mich noch mitnehmen“.

 

 

Justine Meichle löst Johannes Arnold an der FZ-Spitze ab

Ohne echte Programm-Höhepunkte in diesem und im letzten Jahr standen bei der Hauptversammlung des Fanfarenzugs Hagnau eindeutig die Wahlen zum Vorstand im Vordergrund. Johannes Arnold hatte bereits vor zwei Jahren angekündigt, dass das seine letzte Amtsperiode als Vorsitzender sei. So konnte der Verein die Nachfolge langfristig angehen. Auch Thomas Troll (Schriftführer) und Martin Schaudt (Beisitzer) traten nicht mehr an.

So sieht der neue Vorstand des FZ Hagnau aus (hinten, von links): Tambour Thilo Brändle, Schriftführerin Jeanette Herbke. Mitte: Kassiererin Simone Dimmeler, Beisitzer Armin Ohlinger, stellv. Vorsitzender Michael Leiss, Vorsitzende Justine Meichle, Beisitzer Paul Böttcher. Vorne: Thomas Leiss und Karl Böttcher, beide Beisitzer.
So sieht der neue Vorstand des FZ Hagnau aus (hinten, von links): Tambour Thilo Brändle, Schriftführerin Jeanette Herbke. Mitte: Kassiererin Simone Dimmeler, Beisitzer Armin Ohlinger, stellv. Vorsitzender Michael Leiss, Vorsitzende Justine Meichle, Beisitzer Paul Böttcher. Vorne: Thomas Leiss und Karl Böttcher, beide Beisitzer.

Bisher ganz ohne Vorstandsamt, also quasi ins kalte Wasser gesprungen, war Justine Meichle als neue Vorsitzende. Sie hat aber keine Angst vor der neuen Aufgabe: „Ich bin ja schon 17 Jahre dabei. Nur im Vorstand bin ich neu. Ich habe da aber eine Superunterstützung an meiner Seite. Zum Beispiel ist Michi Leiss bereits zehn Jahre zweiter Vorsitzender.“ Im Fokus ihrer Arbeit soll zunächst der Nachwuchs stehen. „Mit 23 Aktiven sind wir an der untersten Grenze.“ Hoffnung setzt sie auf „zwei, die gerade in Ausbildung sind“, auf die Rückkehr der vier Pausierenden in nächster Zeit und auf Erfolg mit Werbeaktionen.

Durch so eine Aktion sind die beiden anderen neuen Vorstandsmitglieder zum Fanfarenzug gekommen. Vor zwei Jahren hatten sowohl die neue Schriftführerin Jeanette Herbke wie auch der neue Beisitzer Armin Ohlinger auf einen Aufruf im Ort positiv reagiert. Jetzt hat es sie in den neunköpfigen Vorstand gespült. Denn eigentlich hatten es beide nicht darauf angelegt. Doch sie machen es gern. „Ich hatte ja zuerst als Beisitzerin kandidiert“, gesteht Herbke, „doch als keiner Schriftführer werden wollte, habe ich zugestimmt. In so einem Team macht das ja auch Spaß.“ Ähnlich ergeht es Ohlinger mit seinem Beisitzer. Er will die Dinge erst einmal auf sich zukommen lassen, könnte aber als Informatiker ideal für die Betreuung einer Homepage sein.

Wiedergewählt wurden Michael Leiss als zweiter Vorsitzender, Tambourmajor Thilo Brändle, Simone Dimmeler für die Kasse und die Beisitzer Thomas Leiss und Paul und Karl Böttcher. Daneben gab es Ehrungen für Clarissa Schlayer (zehn Jahre Mitglied), Beisitzer Thomas Leiss (25 Jahre) und den scheidenden Vorsitzenden Johannes Arnold (30 Jahre). (up)