Bevor es beim Winzertrunk des Winzervereins Hagnau zum eigentlichen Anlass kommt, dem Trunk aus dem massiven Silberpkal, gibt es traditionell humoristische Grußworte des Bürgermeisters und des katholischen Pfarrers. Bürgermeister Volker Frede hatte sich den Spruch "In vino veritas" ausgesucht und sinnierte über den Zusammenhang von Wein und Wahrheit. Pfarrer Thomas Denoke hatte ein Grußwort des Gründers Pfarrer Heinrich Hansjakob (1837 bis 1916) im Gepäck – der direkte "Draht nach oben" machte es möglich. Dann endlich gab Bodenseeweinprinzessin Stephanie Megerle den Wein im Pokal bekannt: eine Grauburgunder Auslese, Jahrgang 2015, der mit 104 Grad Oechsle geerntet wurde. "Dieser süße Wein passt bestens als Nachtisch zum heutigen Abend", so Winzerchef Karl Megerle.

Der Pokal: "Zum 25-jährigen Jubiläum 1881 – 1906".
Der Pokal: "Zum 25-jährigen Jubiläum 1881 – 1906". | Bild: Uwe Petersen

Wieder einmal war der Winzertrunk ein gesellschaftliches Ereignis mit illustren Gästen aus der ganzen Region: die Bürgermeister Georg Riedmann (Markdorf), Robert Scherer (Meersburg), Johannes Henne (Immenstaad), Daniel Heß (Stetten) und natürlich Volker Frede (Hagnau), die Landtagsabgeordneten Martin Hahn und Klaus Hoher, die Pfarrer Thomas Denoke, Pater Becker, Pater Walter, das Pfarrer-Ehepaar Sigrid Süss-Egervari und Martin Egervari, Vertreter des Landkreises und Gemeinderäte. Mehrere Kollegen von Winzer-Genossenschaften, ein Vertreter des Genossenschaftsverbandes und die beiden Weinprinzessinnen Katharina Kammerer (Bereich Baden) und Stephanie Megerle (Bereich Bodensee) waren ebenfalls gekommen. "Sie hören meinen besonderen Stolz", betonte Karl Megerle bei der Bodensee-Weinprinzessin: "Wieder eine Hagnauerin und dazu noch meine Tochter."

Paul Dimmeler, Ex-Vorsitzender und Ehrenvorstand des Winzervereins Hagnau: "Seit ich 1953 zum ersten Mal beim Winzertrunk war, habe ich keinen einzigen verpasst. Für mich ist das immer noch ein Höhepunkt des Jahres. Ich würde mir wünschen, dass alle Winzer hier wären. Denn das ist ja auch ein gemeinsames Treffen, fast wie eine große Familie."
Paul Dimmeler, Ex-Vorsitzender und Ehrenvorstand des Winzervereins Hagnau: "Seit ich 1953 zum ersten Mal beim Winzertrunk war, habe ich keinen einzigen verpasst. Für mich ist das immer noch ein Höhepunkt des Jahres. Ich würde mir wünschen, dass alle Winzer hier wären. Denn das ist ja auch ein gemeinsames Treffen, fast wie eine große Familie." | Bild: Uwe Petersen

Dann ließ er kurz das vergangene Jahr vorbei ziehen. "Für das Geschäftsjahr 2016/17 konnten wir den Winzern einen sehr positiven wirtschaftlichen Verlauf präsentieren. 2016 war ein sehr produktives Jahr in Menge und Qualität." Dabei verwies er auch auf die vielen Auszeichnungen, vor allem auf den "Ehrenpreis" für den Bereich Bodensee, der zum 15. Mal in Folge nach Hagnau ging. "Der Jahrgang 2017 war für uns dagegen kein einfacher Jahrgang", fügte er hinzu. "Das Gewitter am 2. August hat besonders unsere Mitglieder in Immenstaad getroffen." Die Reben waren entlaubt, es entstand ein Schaden von rund 150 000 Kilogramm Trauben, die vernichtet waren.

<strong>Daniel Heß,</strong> Bürgermeister von Stetten: "Der Winzertrunk ist gelebte Tradition. Ich finde es schön, dass der Winzerverein das seit 112 Jahren praktiziert. Als jemand, der dem Weinbau nahe steht, finde ich es toll, dass es so gute Betriebe am Bodensee gibt. Für mich persönlich ist der Winzertrunk auch eine Tradition; die Einladung nehme ich immer gerne an."
Daniel Heß, Bürgermeister von Stetten: "Der Winzertrunk ist gelebte Tradition. Ich finde es schön, dass der Winzerverein das seit 112 Jahren praktiziert. Als jemand, der dem Weinbau nahe steht, finde ich es toll, dass es so gute Betriebe am Bodensee gibt. Für mich persönlich ist der Winzertrunk auch eine Tradition; die Einladung nehme ich immer gerne an." | Bild: Uwe Petersen

Nach den Grußworten der beiden Weinhoheiten wurde Winzerverein-Aufsichtsrat Klaus Eberle durch Geschäftsführer Tobias Keck und Florian Joos vom Genossenschaftsverband für seine 25-jährige Tätigkeit geehrt. Joos überreichte Klaus Eberle auch eine Urkunde und die Ehrennadel in Silber. Finanzbuchhalter Helmut Bader und Inge Ritter wurden in den Ruhestand verabschiedet.

Finanzbuchhalter Helmut Bader (links) geht nach über 32 Jahren Tätigkeit für den Winzerverein in den wohlverdienten Ruhestand. Es verabschieden ihn (von links) Stellvertretender Vorsitzender Hermann Dimmeler, Geschäftsführer Tobias Keck und Vorsitzender Karl Megerle.
Finanzbuchhalter Helmut Bader (links) geht nach über 32 Jahren Tätigkeit für den Winzerverein in den wohlverdienten Ruhestand. Es verabschieden ihn (von links) Stellvertretender Vorsitzender Hermann Dimmeler, Geschäftsführer Tobias Keck und Vorsitzender Karl Megerle. | Bild: Uwe Petersen

Winzertrunk als wichtiges gesellschaftliches Ereignis

Der Winzertrunk ist Hagnaus wichtigstes offizielles gesellschaftliches Ereignis außerhalb der touristischen Saison. Hier feiern sich die Winzer zuerst einmal selbst und laden dazu viele Gäste aus der Region ein: befreundete Winzer, Geschäftspartner aus Handel und Gastronomie, Politiker aus der Region und Vertreter der Hagnauer Vereine und des Gemeinderates.

Ritueller Höhepunkt ist jeweils der Umtrunk aus einem schweren silbernen Becher, den der Gründer des Winzervereins Heinrich Hansjakob zu dessen 25-jährigem Bestehen im Jahre 1906 gestiftet hatte. Dass dieser Umtrunk fast sakral wirkt und an ein Heiliges Abendmahl erinnert, ist kaum Zufall. Schließlich war Hansjakob Pfarrer und noch heute ist der zu seiner Zeit erfolgreiche Bestsellerautor so etwas wie Hagnaus Dorfheiliger. Durch die Gründung der ersten badischen Winzergenossenschaft half er nicht nur den armen Weinbauern seiner Gemeinde Hagnau, sondern hauchte auch dem niedergehenden Weinbau am Bodensee neues Leben ein.

Karin Dimmeler, Schulleiterin a.D. und aktiv in mehreren Vereinen: "Ich bin ja Hagnauerin. Ich habe zwar selbst nichts direkt mit Wein zu tun, aber ich helfe seit Jahrzehnten in der Verwandtschaft beim Wimmeln. Als Hagnauerin schmeckt mir auch der Wein des Winzervereins sehr gut. Aber nicht nur deshalb komme ich gerne her: Der Winzertrunk ist ein gesellschaftliches Ereignis."
Karin Dimmeler, Schulleiterin a.D. und aktiv in mehreren Vereinen: "Ich bin ja Hagnauerin. Ich habe zwar selbst nichts direkt mit Wein zu tun, aber ich helfe seit Jahrzehnten in der Verwandtschaft beim Wimmeln. Als Hagnauerin schmeckt mir auch der Wein des Winzervereins sehr gut. Aber nicht nur deshalb komme ich gerne her: Der Winzertrunk ist ein gesellschaftliches Ereignis." | Bild: Uwe Petersen

Beim Winzertrunk kommt immer ein ganz besonderer Wein in den Becher. Welcher, das gibt der Winzervorstand erst kurz vor dem Antrinken bekannt. Traditionsgemäß darf der amtierende Pfarrer den ersten Schluck nehmen. Ihm folgen der Bürgermeister, die Ehrengäste, die Winzer und schließlich jeder Gast im Saal.

Dass der Winzertrunk nicht immer so würdevoll wie heute begangen wurde, daran kann sich Ehrenvorstand Paul Dimmeler noch gut erinnern. "Früher eröffnete der Winzertrunk die heiße Phase der Fasnacht. Da war er immer erst kurz vorm Schmotzige Dunschtig. Meistens ist das dann am Schluss ziemlich ausgeartet. Deshalb haben wir zu meiner Zeit überlegt, den Winzertrunk vorzuziehen in den Januar.

Georg Dreher, Vorsitzender des Winzervereins Meersburg: "Für mich ist es eine Ehre, zum Winzertrunk eingeladen zu werden. Wir sind hier am See ja keine Konkurrenten, sondern Mitbewerber mit ähnlichen Interessen. Mir gefällt der feierliche Rahmen. Man trifft viele Menschen, man kann sich fachlich und politisch austauschen. Es ist ein schöner und entspannter Abend."
Georg Dreher, Vorsitzender des Winzervereins Meersburg: "Für mich ist es eine Ehre, zum Winzertrunk eingeladen zu werden. Wir sind hier am See ja keine Konkurrenten, sondern Mitbewerber mit ähnlichen Interessen. Mir gefällt der feierliche Rahmen. Man trifft viele Menschen, man kann sich fachlich und politisch austauschen. Es ist ein schöner und entspannter Abend." | Bild: Uwe Petersen

Denn eigentlich hat dieser Brauch mit der Fasnacht wenig zu tun." Damit ist der Winzertrunk wieder das, als was ihn Hansjakob schon in der Anfangszeit des Winzervereins gedacht hatte: als ein Treffen, das das Wir-Gefühl der Hagnauer Winzer hervorhebt. Sie lassen von ihrem Vorstand das letzte Jahr noch einmal resümieren, genießen erste Kostproben des neuen Weins zu einem guten Essen, freuen sich über die Darbietungen der Musikkapelle und tanzen bis spät in die Nacht. Zudem ist es eine gute Gelegenheit, verdiente Mitarbeiter zu ehren und Neuerungen bekannt zu machen. (up)

Pfarrer Thomas Denoke nimmt den ersten Schluck vom Winzertrunk. Ihm schauen zu (von links): Vorsitzender Karl Megerle, Bürgermeister Volker Frede und die Trachtenfrauen Clara und Elisabeth Leiss.
Pfarrer Thomas Denoke nimmt den ersten Schluck vom Winzertrunk. Ihm schauen zu (von links): Vorsitzender Karl Megerle, Bürgermeister Volker Frede und die Trachtenfrauen Clara und Elisabeth Leiss. | Bild: Uwe Petersen