"Ein technischer Defekt löst in der St. Johann Baptist Kirche in Hagnau einen Brand aus, während eine Besuchergruppe eine Führung durch den Kirchturm macht. Das Feuer steigt zügig nach oben und starke Rauchentwicklung, verstärkt durch die Kaminwirkung des engen Treppenhauses, schneidet den Besuchern den Weg nach unten ab. Die Personen unter ihnen einige Kinder retten sich sowohl in einen Raum zwischen der zweiten und der dritten Ebene des Turms und als auch auf den Dachboden der Kirche." – Dieses Szenario war die Grundlage für die erste Jahresübung der Hagnauer Feuerwehr unter der Führung des neuen Feuerwehrkommandanten Paul Böttcher. Zur Verstärkung der Hagnauer Feuerwehr, wurden die Wehren aus Meersburg, Stetten und Immenstaad angefordert. Die Einsatzfahrzeuge löschten von drei Seiten aus die Kirche und bargen mittels zweier Drehleitern die eingeschlossenen Personen.

Nach den Menschen die Kunst

Die Verletzten wurden zur Einsatzgruppe des Deutschen Roten Kreuzes, Ortsgruppe Meersburg/Stetten/Hagnau/Daisendorf gebracht. Einsatzleiter André Maier erläuterte die Vorgehensweise. Nach einer ersten Sichtprüfung der Patienten bezüglich Ansprechbarkeit und Pulsfrequenz erfolgt eine genaue Untersuchung. Die heutigen Verletzten gehören zur Kategorie "Betroffen, aber vermutlich unverletzt." Gerettet wurde auch eine Übungspuppe, mit der aufgrund von Größe und Gewicht ein realistischen Abtransport eines Erwachsenen Menschen simuliert werden kann. So könne das Tragen einer Person durch ein brennendes Gebäude geübt werden, erklärte Maier. Neben der Behandlung der Verletzten gehört auch die Vitalprüfung der Atemschutzträger zum Aufgabengebiet der Sanitäter. "Die Atemschutzträger müssen bei einem Brandeinsatz teils mehrfach in das Gebäude", erläutert Maier. Zwischen den Einsätzen werden die Wehrleute medizinisch gecheckt, ob sie ausreichend regeneriert sind und erhalten eine Empfehlung, ob sie nochmals in das Gebäude können oder nicht. Nach der Menschenrettung werden auch Bilder und Kunstwerke gesichert. "Es handelt sich um teils unwiederbringliche Werte", erklärt der Hagnauer Feuerwehrmann Willi Melzig. Damit die Kostbarkeiten keiner Gefahr ausgesetzt werden, wurde dies mittels einfacher Holzrahmen symbolisiert.

Frühjahrsübung hat sich bewährt

Seit etwa drei Jahren mache man nur noch eine große Übung im Jahr, erläutert Einsatzleiter Edgar Bader. Die Übung im Herbst habe man aus personellen und organisatorischen Gründen gestrichen. "Winzer und Gastronomen sind nach der Saison im Urlaub", erläutert der Alt-Kommandant. Es fehle auch an Übungsobjekten, da die großen Gastronomiebetriebe geschlossen sind. "Die große Jahresübung im Frühjahr hat sich bewährt." Auch wenn aktuell am Ende der Pfingstferien einige der Wehrleute im Urlaub waren. Auch Bürgermeister Volker Frede hat seinen Urlaub vorzeitig beendet, um der Übung beiwohnen zu können.

Bei der Nachbegehung, im Ernstfall mit Wärmebildkameras zum Aufspüren von Glutnestern, erklärte Böttcher die Besonderheiten des Gebäudes. Zwei Kirchenbesucher hätten sich im verrauchten Turm in einen kleinen Nebenraum im Treppenhaus geflüchtet. "Im Ernstfall ist dies eine Mausefalle, aber das wissen die Leute nicht", erklärte er. Im Dachstuhl der Kirche, der komplett aus trockenem Holz besteht, machte der Kommandant darauf aufmerksam, dass man im Rahmen des Übungsszenarios von einem technischen Defekt ausgegangen sei, die elektrischen Leitungen tatsächlich aber vor rund zehn Jahren erneuert wurden. Die stellvertretende Bürgermeisterin Heidi Meichle sprach aus, was viele dachten: "Gott sei Dank ist dies nur eine Übung."