Ein stählerner Schiffsrumpf ragt aufrecht aus dem See nahe der Hagnauer Schiffsanlegestelle und ist Teil eines Kunstwerks, dessen Pendant auf Schweizer Seite im gegenüberliegenden Altnau platziert wurde. Beide Segmente erheben sich sechs Meter in die Höhe und erinnern symbolisch an die letzte Seegfrörne im Jahr 1963. Eigens zur Ausstellung "Skulpturen am See" entwarf der Rottweiler Bildhauer Jürgen Knubben die Skulptur "Seegfrörne 2018", ein Objekt, das auf kommunikative Art, einem Spannungsbogen gleich, die Partnerschaft zwischen Hagnau und Altnau-Münsterlingen beschwört. Einschließlich Sockel wiegen beide Objekte jeweils fünf Tonnen, weshalb sie von Hagnauer Bauhofmitarbeitern unter der Leitung von Roland Widder mit einem Kran an Ort und Stelle bugsiert wurden.

Bildhauer Jürgen Knubben vor dem stählernen Gerüst eines Schiffsgerippes, das aus 19 Kreissegmenten besteht.
Bildhauer Jürgen Knubben vor dem stählernen Gerüst eines Schiffsgerippes, das aus 19 Kreissegmenten besteht.

Die Vernissage zur Ausstellung erfreute sich eines enormen Andrangs. Der Reinhard-Sebastian-Zimmermann-Saal im ersten Stock des Rathauses platzte aus allen Nähten. Für Hagnaus Bürgermeister Volker Frede und Altnaus Gemeindepräsidenten Hans Feuz hielt Knubben eine symbolische Überraschung bereit: ein kleines Schiff, in zwei Teile zersägt, das den beiden Gemeindeoberhäuptern die Botschaft vermitteln sollte: "Mögen die beiden Segmente als Symbol dienen, dass sich die Hagnauer und Altnauer nicht nur bei einer Seegfrörne treffen, sondern auch in der Zwischenzeit ihre Freundschaft über das Wasser hinweg pflegen."

Elf weitere Skulpturen verteilte Knubben über die übrige Gemarkung des kleinen Winzerdorfes, viele in der Nähe des Rathauses. All diesen Plastiken liegt eine genaue Planung zugrunde. Eine der Säulen findet sich auf der Wilhelmshöhe, eine weitere auf dem Privatgrundstück von Walter Gutemann im Kreuzäckerweg 6. Letztere stellt eine Hommage an die unendliche Säule des rumänisch-französischen Bildhauers Constantin Brâncui dar. Knubbens Säulen setzen sich wie jene seines Vorbilds Brâncui aus exakt berechneten Einzelteilen zusammen – mit dem alleinigen Ziel, in die Höhe vorzustoßen. Durch den konischen Zulauf verlässt Knubben jedoch die eigentliche Säulenidee und schafft Objekte, die mit der Rhombenschichtung spielen, sich dabei jedoch im Schwebezustand von Obelisk und pyramidaler Konstruktion bewegen. Seine Outdoor-Skulpturen fertigt der Rottweiler Künstler aus Cortenstahl, eine spezielle Stahlart, die nach wenigen Wochen, in der sie der Witterung ausgesetzt ist, eine besondere Patina entwickelt, die vor Durchrostung schützt. Der Künstler arbeitet mit einfachen Formen. "Es ist die Reduktion auf das Wesentliche, die mich antreibt", beschreibt Knubben seine Objekte. "Die heutige Welt ist enorm komplex geworden. Mit meinen Skulpturen möchte ich auf die selbstverständlichen Dinge und klare, einfache Formen verweisen."

Bildhauer Jürgen Knubben (Mitte), Hagnaus Bürgermeister Volker Frede (rechts) und Altnaus Gemeindepräsident Hans Feuz (links) halten die symbolische Hälfte eines Schiffs in Händen, die in der Mitte zersägt ist.
Bildhauer Jürgen Knubben (Mitte), Hagnaus Bürgermeister Volker Frede (rechts) und Altnaus Gemeindepräsident Hans Feuz (links) halten die symbolische Hälfte eines Schiffs in Händen, die in der Mitte zersägt ist.

55 Schiffe aus Stahlguss – eine Edition zur Erinnerung an die Seegfrörne – sind während der Ausstellung für einen Preis von 555 Euro zu erwerben. Dabei handelt es sich um Nachbildungen der großen Skulptur. "Es ist die Idee der verbindenden Schiffe", erläuterte Knubben, die letztendlich der Stiftung "SoKu" zugute kommt. Die Stiftung für Soziales und Kultur stärkt die Erziehungsfähigkeit insbesondere junger Mütter und Väter im Bodenseekreis und fördert im kulturellen Bereich die Jugendkunstschule Bodensee.

Zur Person

Jürgen Knubben, 1955 in Rottweil geboren, studierte Theologie in Tübingen und arbeitet seit 1973 als freier Bildhauer. Von 1982 bis 2017 übte er eine Lehrtätigkeit als Kunsterzieher an einem beruflichen Gymnasium in Rottweil aus. 1994 erhielt Knubben den Kunstpreis der Stadt Bamberg, 2007 den Kulturpreis der Stadt Rottweil. Er ist Leiter des Forums Kunst in Rottweil und an vielen Orten als Kurator tätig. Zahlreiche Ausstellungen im In- und Ausland zeigten sein künstlerisches Schaffen. Knubbens Skulpturen befinden sich in vielen öffentlichen und privaten Sammlungen. Die Ausstellung "Skulpturen am See" ist bis zum 30. November öffentlich zugänglich.