Hagnau – "Was lange währt, wird endlich gut." Sollte dieses Sprichwort Wahrheitsgehalt haben, dann muss das Hagnauer Gewerbegebiet Langbrühl-Ost besonders gut werden. Denn bereits vor acht Jahren, im Juli 2010, hatte der Gemeinderat dieses Gewerbegebiet neu ausgewiesen. Damals hatte vor allem die Hightech-Firma ACE gedrängt, deren Räume längst zu eng wurden. Sie stellen Carbonteile für den Airbus A 350 sowie für Sportwagen her – ein Markt, der seit Jahren boomt.

Allein ACE bebaut ein Drittel der neuen Fläche

Trotz eines großzügigen Neubaus in Salem-Neufrach hat ACE immer noch Bedarf an Gebäuden in Hagnau. "Wir sind hier sehr beengt, vor allem in der Zwischenlagerung fertiger Teile", erläutert Peter Gröschl, Leiter der Fertigung. Ungefähr ein Drittel der ausgewiesenen 1,85 Hektar in Langbrühl-Ost benötigt die Firma ACE.

Letzte Chance für Firmen zur Vergrößerung

Auch die Restfläche ist heiß begehrt: Ortsansässige Betriebe sehen hier ihre letzte und einzige Chance, sich in Hagnau zu vergrößern. Denn die Gemarkung Hagnau ist sehr begrenzt. Weitere Gewerbeflächen sind neben der Landwirtschaft nicht mehr zu erwarten.

Architekt: "Hier soll reingehen, was geht"

Das nahm Architekt Helmut Hornstein zum Anlass, dem Gemeinderat in dessen jüngster Sitzung seine Prämisse zu schildern. "Hier soll reingehen, was geht – sage ich mal salopp", erläuterte er die Tatsache, dass praktisch das gesamte Gebiet voll bebaut werden darf. Nur entlang der Biotope rund um den Hagnauer Weiher, entlang der Kreisstraße und auf den Parkflächen ist die Versiegelung unterbrochen, denn Stellplätze sind mit wasserdurchlässigen Belägen zu befestigen, wie Hornstein erläuterte. Auch die vorgeschriebene Begrünung von Flach- und Pultdächern trage dazu bei.

Gebiet ökologisch unproblematisch

Ökologisch ist das Gebiet relativ unproblematisch. "Es gibt kaum schützenswerte Pflanzen und Tiere außerhalb der Biotope", fasste Hornstein den Umweltbericht zusammen. Nistkästen für Vögel und Fledermäuse reichen deshalb als spezielle Ausgleichsmaßnahme aus.

Hochstamm-Obstwiese als eine Ausgleichsmaßnahme

Anders sieht es mit dem allgemeinen Landschaftsverbrauch aus. "Da kann unsere kleine Gemeinde nicht alles vor Ort ausgleichen", bestätigte Bürgermeister Volker Frede auf Nachfrage von Axel Häberle. Es entstehe ein Kompensationsbedarf von 227 621 Ökopunkten. Durch Anlage einer Hochstamm-Obstwiese können 55 211 Punkte ausgeglichen werden. Die übrigen Punkte werde man beim Regionalen Kompensationspool Bodensee-Oberschwaben (ReKo) holen müssen. "Da sind wir ja vor einigen Monaten Mitglied geworden", erklärte Frede den Zuhörern kurz.

Bürgermeister optimistisch, dass Erschließung noch 2018 kommt

Nun wird der Bebauungsplan ausgelegt und es werden Stellungnahmen von Ämtern, Behörden, Verbänden und Einzelpersonen erwartet, die in die endgültige Fassung einfließen werden. Die Zeit drängt, denn einige Betriebe warten schon lange auf eine Erweiterung und müssten andernfalls schließen. Doch Frede ist optimistisch, dass die Erschließung noch Ende 2018 oder spätestens Anfang 2019 erfolgt.