Hagnau – Es stand nur als Bauantrag auf der Tagesordnung: Doch das Flüchtlingsheim des Kreises, das im Hagnauer Gewerbegebiet entsteht, warf Fragen auf, die während des Tagesordnungspunktes und vor allem unter "Verschiedenes" eifrig diskutiert wurden. Zunächst stellte sich die Frage nach der Nutzungsänderung. "Da gibt es seit Ende 2015 eine Sonderregelung für Flüchtlingsunterkünfte in Gewerbegebieten", stellte Bauamtsleiter Olaf Stelzl klar, dass die üblichen Kriterien hier nicht anzuwenden seien.

Das Objekt – ein ehemaliger Betrieb mit Verkaufsraum – wird schon seit Wochen umgebaut. Containerähnliche Wohneinheiten machten die große Halle zweigeschossig als Unterkunft nutzbar. Im Untergeschoss sind alle Sanitär- und Küchenanlagen untergebracht. Äußerlich fallen die ausladenden Fluchttreppen sofort ins Auge, die zwar nicht schön, aber unter Sicherheitsaspekten notwendig sind. Warum man denn einem Bauantrag zustimmen solle, der bereits fast fertig ausgeführt ist, fragten einige Räte. "Da schäme ich mich ein wenig, wenn der Landkreis, der auch Baurechtsbehörde ist, mit schlechtem Vorbild vorangeht", gestand Stelzl. Bürgermeister Volker Frede aber nahm den Kreis in Schutz: "Das war der Notsituation geschuldet. Inzwischen wartet das Landratsamt die Beschlüsse ab."

Der Druck auf die Ämter ist offenbar nicht mehr ganz so hoch wie vor einigen Monaten. Deshalb steht auch nicht fest, ob die maximale Belegzahl von 97 Bewohnern je ausgeschöpft wird. Mathias Urnauer empörte sich über die 4,5 Quadratmeter, die jedem Flüchtling eingeräumt werden. "Das ist doch nicht menschenwürdig", kommentierte er diese absolute Minimalgröße. Frede beruhigte ihn, dass die Räume vermutlich nicht voll belegt würden, spätestens nächstes Jahr aber die Mindestgröße pro Person auf sieben Quadratmeter erhöht würde. "Und wenn eine dreiköpfige Familie in eine Einheit für fünf Bewohner kommt, dann werden da auch nicht noch zwei andere dazu gesteckt."

Karl Megerle wollte wissen, inwiefern die Nutzung bestehen bleibt, wenn der Bedarf für Flüchtlinge nicht mehr besteht. "Der jetzige Beschluss gilt nur für Flüchtlinge, nicht für normalen Wohnraum", bekräftigte Stelzl. Axel Häberle fragte, wer denn für die Wohnanlage verantwortlich sei. "Die Grundverantwortung liegt beim Kreis. Aber natürlich werden auch wir uns um die Menschen kümmern. Wir können aber erst planen, wenn wir konkret wissen, wer genau kommt und wie viele", wies Bürgermeister Volker Frede auf die kommenden Aufgaben für Hagnau und seine Bürger hin.

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