Unter den Zuschauer war Susanne von Bergen, eine Tochter Schmidts. Schmidts Ehefrau war nicht anwesend, ihre Tochter begründete lakonisch: "Mutter hat damals schon protestiert, als bei uns im Haus gedreht wurde."

Größer als erwartet war der Andrang zur Filmvorführung im Bürger-und Gästehaus Hagnau. Gebannt warteten zahlreiche Hagnauer und Bürger umliegender Gemeinden auf den Start des Schwarz-Weiß- Films aus den 50er Jahren. Rudolf Dimmeler, Vorsitzender des Heimat-und Geschichtsvereins, wies vor Beginn auf die markantesten Stellen hin. So sei das Hotel Adler zu sehen und auch die alte Fabrik in Meersburg am See.

Helmut Müller: "Natürlich ist das aus heutiger Sicht Kitsch. Aber die Leute wollten damals was zu lachen haben."
Helmut Müller: "Natürlich ist das aus heutiger Sicht Kitsch. Aber die Leute wollten damals was zu lachen haben." | Bild: Lorna Komm

Schon bei den ersten Szenen im Ort, als die Familie das Gässele zum See hinunter fährt, gibt es freudige Rufe des Wiedererkennens im Publikum. Immer wieder zeigen und beschreiben sich die Zuschauer das Gesehene. Die alten Strandbadkabinen sind zu sehen sowie die die alte Ufermauer-dort, wo jetzt der Minigolfplatz ist. Großes Gelächter gibt es, als die Seeansicht von Hagnau nahtlos in die Ansicht von Meersburg wechselt. Auch von Bergen erklärt zwischendurch: "Das wurde auf unserem Balkon gedreht und der Mann, der von hinten zu sehen ist, ist mein Großvater." Als sie in der Pause von einem Zuschauer gefragt wird, wie es den so sei, ihren Vater auf der Leinwand zu erleben, antwortet sie: "Das ist nicht mein Vater, das ist nur die Rolle, die er spielt." Als kurios hingegen beschreibt sie den Zufall, dass die Hauptperson des Filmes kurz davon träumt, nach Südamerika auszuwandern, während sie das später realisiert habe: von Bergen heiratete einen Deutsch-Bolivianer und lebte lange Zeit in Bolivien.

Zufällig unter den Zuschauern ist auch das hessisches Ehepaar Mohnsam-Harzer aus Offenbach. Seit mehr als 20 Jahren machen sie Urlaub in Hagnau auf dem Campingplatz von Helmut Müller. Sie machten ihren Gastgeber auf die Filmvorführung aufmerksam und entpuppten sich dabei als wahre Fans der Kultfamilie. Jeden Morgen, auch jetzt im Urlaub, würden sie DVDs der Familie Hesselbach zum Frühstück schauen. Müller, gebürtiger Hagnauer, meint: "Natürlich ist das aus heutiger Sicht viel Kitsch, aber die Leute wollten damals was zu lachen haben."

Gabi Mohnsam-Harzer: "Ich bin 1964 geboren, also jünger als die Filme. Trotzdem sehe ich sie mir immer wieder gerne an, das ist Kult."
Gabi Mohnsam-Harzer: "Ich bin 1964 geboren, also jünger als die Filme. Trotzdem sehe ich sie mir immer wieder gerne an, das ist Kult." | Bild: Lorna Komm
Martin Mohnsam-Harzer: "Jeden Morgen zum Frühstück, auch jetzt im Urlaub, schauen wir die Filme und Serien der Familie Hesselbach."
Martin Mohnsam-Harzer: "Jeden Morgen zum Frühstück, auch jetzt im Urlaub, schauen wir die Filme und Serien der Familie Hesselbach." | Bild: Lorna Komm

Monika Baur, Leiterin des katholischen Bildungs- und Altenwerks, freute sich über das rege Interesse an der Vorführung. "Den alteingesessenen Hagnauern ist Schmidt ein Begriff. Aber auch die Anwesenheit der Jüngeren zeigt das Interesse am Dorfgeschehen." Anhand des Filmes könne man die Veränderungen der Strukturen des Dorfes gut aufzeigen, sagte sie und meinte damit die Wandlung vom bäuerlichen Dorf zum Tourismusort.

Zur Person

Wolf Schmidt, 1913 in Friedberg /Hessen geboren, schrieb schon in jungen Jahren Theaterstücke, arbeitete als Auslandskorrespondent und startete 1946 "Die Hesselbachs" als Radiohörspiel. In den 50er Jahren folgten dann vier Kinofilme, später kam die Fernsehserien dazu. 1951 zog er mit seiner Frau Gretl nach Hagnau, wo Tochter Susanne und Sohn Stefan geboren wurden. Früh erkrankte er an Alzheimer und 1977 verstarb Schmidt nach langem Klinikaufenthalt in Gelsenkirchen.