Es ist schwer für kleine Gemeinden, eine eigene Feuerwehr zu unterhalten, die allen Einsatzanforderungen genügt. Denn die Feuerwehr ist längst nicht mehr nur zum Brandschutz da. Wie die Situation in Hagnau ist, wie sie sein sollte und wo es zur Zeit hapert, das stellt auf 131 Seiten ausführlich der neue Feuerwehrbedarfsplan vor, den Sven Volk erarbeitet hatte und den er im Rat erläuterte.

Vielfältige Ausbildung gefragt

Die Feuerwehr kommt, wenn es brennt. Diese Ansicht ist weit verbreitet; doch sie ist nur ein Teil der Wirklichkeit. Die Analyse der Jahre 2013 bis 2018 für Hagnau ergab, dass von 77 Einsätzen nur zehn Brandeinsätze waren, die zum Glück alle keine akute Menschenrettung brauchten. Dagegen gab es 51 technische Hilfeleistungen, also zwei Drittel. An ihnen wird deutlich, wie vielfältig die Ausrüstung, aber auch die Ausbildung der Feuerwehrleute sein muss: Beseitigung von Ölspuren, Befreien von Personen aus Unfallfahrzeugen, Türen öffnen und das Abpumpen von Wasser zum Beispiel aus Kellern. In diesen Fällen wurden zehn Menschen aus akuter Gefahr gerettet.

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Da wegen der Seenähe auch hier ab und zu Einsätze vorkommen, ist es wichtig, Schwimmwesten zu besitzen. Daran hatte man in Hagnau bisher nicht gedacht. Doch das beste Material nützt nichts, wenn es nicht eingesetzt werden kann. Entscheidend für den Erfolg ist das Bereitstellen von Einsatzkräften mit ihrer Ausrüstung in möglichst kurzer Zeit, im Normalfall innerhalb von zehn Minuten. Da liegt die große Schwachstelle Hagnaus: Werktags in der Zeit von 8 Uhr bis 20 Uhr ist die durchschnittliche Verfügbarkeit deutlich unter dem Soll und liegt bis 16 Uhr sogar nur bei circa 30 Prozent. Beim sogenannten zweiten Abmarsch, dem Ausrücken einer zweiten Gruppe fünf Minuten später, reicht die Mannschaftsstärke grundsätzlich nicht aus.

Hilfe kommt aus Meersburg

Feuerwehr-Pressesprecher Philipp Gotterbarm erklärt, dass die Mitglieder früher großteils Winzer waren. „Sie waren immer da. Heute sind deutlich weniger im Dorf.“ Laut Gotterbarm arbeiten die Feuerwehrleute in Friedrichshafen, Uhldingen-Mühlhofen oder Lindau. Die Tageserreichbarkeit könne man daher nicht wie gefordert gewährleisten, so Gotterbarm. Gelöst wird diese Herausforderung dadurch, dass es bei größeren Einsätzen eine gleichzeitige Alarmierung mit Meersburg gibt.

Aktive Werbung um Mitglieder

Hinsichtlich der Mannschaftsstärke lassen sich allerdings erste Erfolge vermelden. Durch die Löscheimer-Aktion wurden vier neue Mitglieder für die Feuerwehr gewonnen. Ihre zweite Probe haben sie bereits hinter sich, wie Gotterbarm berichtet, 2020 können sie an der Grundausbildung teilnehmen. „Das motiviert auch andere Kameraden, die seit Jahren die Stellung halten“, so Gotterbarm. Derzeit hat die Wehr 29 aktive Mitglieder.

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Aber: Langfristig lässt sich der Zustand nur durch eine starke Jugendfeuerwehr abpuffern, so Sven Volk. Philipp Gotterbarm sagt: „Die Kompetenzen haben wir. Aber auch da braucht es Kapazitäten.“ Dennoch will man sich im Sinne eines ganzheitlichen Konzepts auch darum kümmern, den jüngeren Hagnauern die Feuerwehr näherzubringen.

Vizekommandant Edgar Bader, Bürgermeister Volker Frede und Kommandant Paul Böttcher (von links) bei der Löscheimer-Aktion.
Vizekommandant Edgar Bader, Bürgermeister Volker Frede und Kommandant Paul Böttcher (von links) bei der Löscheimer-Aktion. | Bild: Uwe Petersen

Eine technische Schwachstelle wird 2020 behoben, wenn ein neuer Mannschafts-Transportwagen angeschafft wird. Um die Anschaffung einer eigenen Drehleiter kommt Hagnau knapp herum: Laut Sven Volk reicht da die Nachbarschaftshilfe aus Meersburg oder Immenstaad.

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