Die SÜDKURIER-Redaktion in Überlingen erreichte kürzlich ein Brief, der zunächst den Anschein einer Pressemitteilung erweckt. In dem Dokument finden sich die Schilderung einer angeblichen Haltung der Freien Wählervereinigung Hagnau zur Verhältniswahl, die Angabe, dass das Schreiben auch an das Landratsamt in Friedrichshafen gegangen sei sowie ein Absender mit Unterschrift und Adresse. Indirekt zitiert werden die beiden Stimmenkönige der Freien Wähler bei der Gemeinderatswahl 2019: Mathias Urnauer und Thilo Brändle.

Zitate so nie gesagt

Einige Stunden waren der Text und ein Kommentar dazu am vergangenen Mittwoch online zu finden. Urnauer und Brändle meldeten sich bei der Lokalredaktion. Es stellte sich heraus: Das Schreiben stammt nicht von den Freien Wählern. Die Zitate wurden so nie gesagt. Ein Unbekannter oder eine Unbekannte hatte die Zeilen verfasst, in denen erläutert wird, dass in Anbetracht der Stimmen ein weiteres Freie-Wähler-Mitglied in den Gemeinderat hätte einziehen müssen – anstelle zweier Mitglieder anderer Gruppierungen.

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Da sich der oder die Unbekannte auf jüngste Gespräche in dieser Woche und interessierte Zuhörer bezieht, kam im weiteren Verlauf die Frage auf, ob jemand etwas falsch verstanden haben könnte. Urnauer erklärte am Montag bei einem Gespräch im Rathaus, an dem auch Bürgermeister Volker Frede und Thilo Brändle teilnahmen, jedoch, so was nicht thematisiert zu haben. Zudem gab es Urnauer und Brändle zufolge kein offizielles Treffen der Freien Wähler. Auch ein zufälliges Aufeinandertreffen schließen die Kommunalpolitiker aufgrund von Abwesenheit während der Pfingstferien aus. Thilo Brändle versicherte: „Wir sind mit dem Wahlergebnis mehr als zufrieden.“ Insgesamt konnten die Freien Wähler bei der Gemeinderatswahl sechs Sitze erlangen.

Absender unbekannt

Wer ist also der Absender des Briefes? Den Namen hatte die Redaktion im Internet im örtlichen Telefonbuch eingegeben. Kein Treffer, was heutzutage nicht ungewöhnlich ist. Es gibt Menschen, die sich gegen einen Telefonbucheintrag entscheiden. Die Suche nach der Absenderadresse hatte dagegen ein Ergebnis gebracht: Die betreffende Straße gibt es in Hagnau – allerdings nicht die Hausnummer, wie sich später herausstellen sollte, obwohl eine Suchmaschine einen roten Punkt auf der Karte gesetzt hatte. Urnauer sagte im Rathaus: „Für mich ist es eine kriminelle Tat. Es geht nicht, dass einer was fälscht, was so nicht ist.“ Die Betroffenen wollen deshalb bei der Polizei Anzeige erstatten. Gemeinsam möchten sie die Sache aufklären und generell für einen besseren Umgangston eintreten. Bürgermeister Frede sagte: „Der Umgang der Menschen untereinander wird immer schlimmer.“ Klar dürfe man kritisieren, aber solle „die aggressive Grundhaltung rausnehmen“. Urnauer wünschte sich konkret mehr Schutz für Menschen in politischen Ehrenämtern.